Lipsius Johann Gottfried (Jean Godefroi)
Numismatiker, Bibliothekar, Unterinspektor der Königlichen Antikengalerie und des Münzkabinetts Dresden
* 4.7.1754 Dresden 15.3.1820 Dresden(ev.)
VSchneiderSJustus (1797/98-1832), Jurist
GND: 117058084





L. erwarb sich Verdienste v.a. durch seine Arbeiten zur Numismatik und für das Dresdner Münzkabinett. Seine numismatischen Bibliografien genießen dabei bis in die Gegenwart Beachtung. – L., der als Sohn des Oberältesten der Dresdner Schneiderinnung in einer Handwerkerfamilie aufwuchs, erhielt ersten Unterricht durch seinen Vater, ehe er ab 1767 die Kreuzschule in Dresden besuchte. Nach Beendigung der Schulzeit begann er 1775 ein Studium der Theologie an der Universität Leipzig und kehrte Ende September 1778 nach Dresden zurück. Hier verdiente er seinen Lebensunterhalt zunächst als Privatlehrer. Darin war er so erfolgreich, dass er eine eigene Privatschule gründete und seine Schüler in den Fächern Religion, Geografie, Naturgeschichte sowie in alten und neuen Sprachen unterrichtete. Ein verschiedentlich kolportiertes Amt als Lehrer an der Kreuzschule konnte nicht nachgewiesen werden, zumindest taucht er im Verzeichnis der Lehrkräfte nicht auf. – Neben der Theologie und der pädagogischen Tätigkeit lagen die Interessen L.s v.a. im Studium der Antike. Wie seine Schrift „Europa im Kleinen“ belegt, galt seine besondere Neigung der Numismatik, wobei er selbst eine umfangreiche Münzsammlung besaß, die dann 1833 gemeinsam mit der seines Sohnes Justus versteigert wurde. Diesen Interessen folgend bewarb er sich 1795 nach dem Tod des mit ihm befreundeten Inspektors der Kurfürstlichen Antikengalerie und des Münzkabinetts Dresden, Johann Friedrich Wacker, um dessen Stelle. Er blieb jedoch zunächst erfolglos, da Wilhelm Gottlieb Becker stattdessen zum Leiter jener Sammlungen ernannt wurde. L. hingegen erhielt eine Anstellung als Bibliothekssekretär an der Kurfürstlichen öffentlichen Bibliothek Dresden, weshalb er auch seine Tätigkeit als Privatgelehrter aufgab. Erst 1807 wurde L. als Nachfolger Christian August Semlers auf das erst 1804 geschaffene Amt des Unterinspektors der Königlichen Antikengalerie und des Münzkabinetts berufen. In dieser Stellung, die er unter der Leitung Beckers und ab 1814 Karl August Böttigers bis zu seinem Tod innehatte, oblag L. als Numismatiker insbesondere die Führung, Ordnung und Erweiterung des Münzkabinetts. – Die Bedeutung L.s erschließt sich darüber hinaus aus seiner publizistischen Arbeit. So veröffentlichte er 1798 eine „Beschreibung der churfürstlichen Antiken-Galerie in Dresden“, die auf Vorarbeiten Wackers beruhte und die L. nach dessen Tod bearbeitete und erweiterte. Über die damals vorliegenden Beschreibungen der Antikensammlung etwa von Raymond Baron de Leplat und Giovanni Battista Casanova hinausgehend, sollte L.s Schrift v.a. den Besuchern der Galerie als Informationsquelle dienen. Besonders verdient machte sich L. mit Publikationen zur Numismatik, u.a. mit Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen. Höhepunkt seines Schaffens war die 1801 erschienene „Bibliotheca numaria“. Diese in zwei Bänden publizierte Bibliografie umfasst ca. 7.000 Titel und wird bis heute als eines der wichtigsten Verzeichnisse numismatischer Literatur für die Zeit bis 1800 angesehen. 1841 und 1867 erhielt sie durch Johann Jakob Leitzmann zwei Fortsetzungen. Darüber hinaus publizierte L. Verzeichnisse über die Bestände des Münzkabinetts und über zwischen 1801 und 1813 in Dresden versteigerte Münz- und Medaillensammlungen. Außerdem liegt ein als Manuskript erhaltener Katalog der Bibliothek des Münzkabinetts vor.



Q  Die Matrikel der Kreuzschule, bearb. von W. Richter, Teil 2, Neustadt/Aisch 1971, S. 66; Verzeichniß einer alle wissenschaftliche Zweige umfassenden Büchersammlung in welcher ... Münzkunde, Jurisprudenz und vaterländischen Geschichte ausgezeichnete, aus dem Nachlasse des Herrn Antiken- Gallerie- und Münzcabinets-Inspectors Johann Gottfried Lipsius und des Herrn Advokat Justus Lipsius herrührende Bibliothek, welche ... zu Dresden am 4 November 1833 ... versteigert werden soll ..., Dresden 1833.

W  Geographische Tabellen für die Jugend zur Vorbereitung und Wiederholung, 2 Bde., Dresden 1782/83; Des Herrn Beauvais Abhandlung, wie man ächte alte Münzen von nachgemachten unterscheiden kann, Dresden 1791 (Übersetzung aus dem Französischen); Dissertation sur une médaille non-publiée de l’empereur Pertinax, qui se trouve au cabinet de S. A. S. l’électeur de Saxe, Dresden 1793; Pinkerton‘s Abhandlung von der Seltenheit, den verschiedenen Grössen und der Nachahmung alter Münzen, Dresden 1795 (Übersetzung aus dem Englischen) (ND 1795 [franz.]); Beschreibung der churfürstlichen Antiken-Galerie in Dresden, zum Theil nach hinterlassenen Papieren Johann Friedrich Wacker’s, ehemahligen Inspectors dieser Galerie, Dresden 1798; Bibliotheca numaria sive atalogus auctorum qui usque ad finem seculi 18 de re monetaria aut numis scripserunt, 2 Bde., Leipzig 1801 (ND Mansfield 2000 [engl.]), Supplementbd., [1805] [Ms.]; Catalogus bibliothecae numophylacii regii Dresdensis, [1808] [Ms.]; Europa im Kleinen oder Sammlung mehrentheils kleiner, aber vieler wichtiger Münzen der mittleren und neuern Zeiten aus allen Ländern dieses Welttheils, Dresden 1809; Erinnerungen aus der Sächsischen Geschichte, bey Gelegenheit der Münzsammlung des Hn. Gottfried August Bernhardi, Dresden 1812.

L  F. A. Ebert, Geschichte und Beschreibung der königlichen öffentlichen Bibliothek zu Dresden, Leipzig 1822, S. 235; K. Knoll, Die Geschichte der Dresdener Antiken- und Abgußsammlung von 1785-1915 und ihre Erweiterung zur Skulpturensammlung unter Georg Treu, Diss. Dresden 1993; S. 19, 25, 28f., 38; S. Lewerken, Die Bibliothek des Dresdner Münzkabinetts, in: Dresdner Numismatische Hefte 1/1996, S. 46-52; C. Dekesel, Europäische numismatische Literatur im 17. Jahrhundert, in: ders./T. Sträcker (Hg.), Europäische numismatische Literatur im 17. Jahrhundert, Wiesbaden 2005, S. 7-10; C. Dekesel, Die numismatischen Publikationen in Europa im 17. Jahrhundert, in: ebd., S. 11-37; ders., L.s (1756-1820) „Supplement“ analysed, in: ebd., S. 352-366; H. G. Boller, Die Dresdner Antikensammlung, in: B. Savoy (Hg.), Tempel der Kunst, Mainz 2006, S. 117-144; M. Gierl, Geschichte als präzisierte Wissenschaft, Stuttgart 2012, S. 113; M. Dönicke, Altertumkundliches Wissen in Weimar, Berlin/Boston 2013, S. 53f. – DBA I, II; J. G. A. Kläbe (Hg.), Neuestes Gelehrtes Dresden, Leipzig 1796, S. 90 (WV); Necrolog Johann Gottfried L., in: Literarischer Merkur 27.3.1820, Nr. 25; K. A. Böttiger, Nekrolog, in: Abend-Zeitung 31.3./1.4.1820, Nr. 77/78; Nekrolog, in: Allgemeine Literatur-Zeitung April 1820, Nr. 91, Sp. 727f.; J. S. Ersch/J. G. Meusel, Das Gelehrte Teutschland, Bd. 18, Lemgo 51821, S. 558; Neuer Nekrolog der Deutschen 10/1834, H. 2, S. 974; K. Bader, Lexikon deutscher Bibliothekare im Haupt- und Nebenamt bei Fürsten, Staaten und Städten, Leipzig 1925, S. 153.



Henrik Schwanitz
8.4.2014


Empfohlene Zitierweise:

Henrik Schwanitz, Lipsius, Johann Gottfried (Jean Godefroi), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (11.12.2017)

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