Mencke Johann Burchard (Burkhard) (Pseudonym: Philander von der Linde)
Historiker, Dichter, Rektor der Universität Leipzig
* 8.4.1674 Leipzig 1.4.1732 Leipzig
VOtto (1644-1707), Jurist, PhilosophMMagdalene Sybilla, geb. Berlich (1656-1703)1702 Katharina Margaretha, geb. Gleditsch (1684-1732), Tochter des Leipziger Buchhändlers und Verlegers Johann Friedrich GleditschSFriedrich Otto (1708-1754), Ratsherr in Leipzig; Carl Otto (1711-1759), kursächsischer AkzisratT3
GND: 118783181





Nach dem Besuch der Nikolaischule in seiner Geburtsstadt absolvierte M. 1691 bis 1694 an der Leipziger Universität sein Grundstudium (neuere Sprachen und Philosophie u.a. bei seinem Vater, alte Sprachen und Geschichte bei Adam Rechenberg). Bis 1701 setzte er mit Unterbrechungen sein Studium an der theologischen, später der juristischen Fakultät (u.a. bei seinem Onkel Lüder Mencke) fort. Unter dem Einfluss der führenden deutschen Vertreter der Geschichtsschreibung des Spätbarocks und der frühen Aufklärung (Herrmann Conring, Samuel Pufendorf, Christian Thomasius u.a.), für die nicht mehr theologische, sondern juristische Fragestellungen im Vordergrund der historischen Forschung standen, hatte M. 1696 seine Theologiestudium zugunsten der Rechtswissenschaft aufgegeben. Wichtige Impulse für seine wissenschaftlichen Auffassungen empfing er während einer Bildungsreise durch Frankreich, die Niederlande und England 1698. In Leipzig trat M. 1699 die Nachfolge Rechenbergs an, ohne jedoch dessen Verantwortung für die alten Sprachen zu übernehmen. Er war damit der erste Inhaber eines selbstständigen Lehrstuhls für Geschichte an der Universität der Messestadt. Auch wenn M. aufgrund seiner philologischen und theologischen Studien in gewisser Weise weiterhin späthumanistische Positionen vertrat, nahm er doch in methodischer Hinsicht die neuesten Tendenzen der Geschichtswissenschaft auf, indem er nach dem Vorbild Jean Mabillons die Bedeutung der historischen Hilfswissenschaften und Quellenkunde erkannte. 1707 legte er mit einer Biografie Kaiser Leopolds I. seine erste größere historische Arbeit vor. 1708 wurde er als Nachfolger Wilhelm Ernst Tentzels zum kurfürstlich sächsischen und königlich polnischen Hofhistoriografen ernannt, ohne dabei seine Leipziger Professur aufzugeben. M. hielt jedoch stets Distanz zum Hof und übte in verschiedenen kleineren Abhandlungen Kritik an der feudalen Gesellschaft. Trotzdem erhielt er 1723 die Ernennung zum Hofrat. – M. übersetzte Lenglet du Fresnays 1711 erschienene bedeutende Arbeit „Methode pour étudier l’histoire“ (Leipzig 1714). Seine wissenschaftliche Hauptleistung stellt die 1728 bis 1730 veröffentlichte dreibändige Quellensammlung „Scriptores rerum Germanicarum praecipue Saxonicarum“ dar, in der auch von ihm erschlossene erzählende Quellen erstmals ediert wurden, wie die Thüringische Chronik des Johannes Rothe. 1707 hatte M. von seinem Vater die Herausgabe der „Acta eruditorum“, der von diesem begründeten ersten deutschen Gelehrtenzeitschrift, übernommen. Seit 1715 gab er auch die „Neue(n) Zeitungen von gelehrten Sachen“ heraus. Ebenso war er Mitarbeiter der „Deutschen Acta eruditorum“. Für die ebenfalls 1715 nach seiner Konzeption erarbeitete und erschienene erste Ausgabe von Christian Gottlieb Jöchers Gelehrtenlexikon übernahm er die England und Italien betreffenden Beiträge. Daneben war M. ein wichtiger Mittler der deutsch-russischen Kulturbeziehungen. Er veröffentlichte Rezensionen russischer Literatur in den „Acta eruditorum“, und er wirkte beratend bei der Gründung der russischen Akademie der Wissenschaften 1725 mit. – Große Verdienste erwarb sich M. auch um die Reformierung des Universitätsstudiums. Er bediente sich in seinen Vorlesungen nicht nur immer häufiger der deutschen Sprache, er verbesserte auch in pädagogischer Hinsicht den Lehrbetrieb, indem er u.a. Fragestunden für Studenten einführte und zu begabten Zöglingen persönlichen Kontakt suchte. So lebte z.B. Johann Christoph Gottsched seit 1724 für einige Jahre in seinem Haushalt und betreute als Hauslehrer M.s Kinder und als Bibliothekar dessen weithin berühmte Bibliothek. M. war mehrfach Dekan der Philosophischen Fakultät und sechsmal für je ein Semester Rektor der Universität Leipzig. In dieser Funktion vertrat er die Universität auch auf den sächsischen Landtagen. – Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit verfolgte M. auch literarische Ambitionen. Bereits nach seinem Grundstudium hielt er Vorlesungen über Dichtkunst und verfasste unter dem Pseudonym „Philander von der Linde“ selbst Gelegenheitsgedichte. 1697 trat er in Leipzig der „Vertrauten Rednergesellschaft“ bei und übernahm im gleichen Jahr die Schirmherrschaft über das von aus Görlitz stammenden Studenten gegründete „Collegium Poeticum Gorlicense“ (der späteren „Deutschübenden poetischen Gesellschaft“, die 1727 von Gottsched in die „Deutsche Gesellschaft in Leipzig“ umgebildet wurde). M. war seit 1700 Mitglied der späteren „Königlich Britischen Gesellschaft der Wissenschaften“ und seit 1726 der „Königlich Preußischen Gesellschaft der Wissenschaften“.



W  De eo quod iustem est circa testimonia historicum, Diss. Halle 1701; Philanders von der Linde scherzhafte Gedichte, Leipzig 1705; Philanders ... galante Gedichte, Leipzig 1705; Muntre und ernsthafte Gedichte von Philander ..., Leipzig 1706; Leben und Thaten Sr. Majestät Kayser Leopold de Ersten, Leipzig 1707; (Hg.), Acta eruditorum, 1705ff.; Philanders ... vermischte Gedichte, Leipzig 1710; De charlataneria eruditorum declamationes duae, Leipzig 1715; (Hg.), Neue Zeitungen von gelehrten Sachen, 1715ff.; Bibliotheca Menckeniana, Leipzig 1723; Scriptores rerum Germanicarum praecipue Saxonicarum, 3 Bde., Leipzig 1728-1730; Orationes academiae, Leipzig 1734; Das Holländische Journal 1698-1699, hrsg. von H. Laeven, Hildesheim/Zürich/New York 2005.

L  R. Treitschke, Burkhard M., Leipzig 1842; A.-H. Hermes, Johann Burkhard M. in seiner Zeit, Diss. Frankfurt/Main 1934; A. J. Brauer, Prof. J. B. M., in: Notes and Records of the Royal Society 17/1962, H. 2, S. 192-197; W. Fläschendräger, Johann Burkhard M., in: M. Steinmetz (Hg.), Bedeutende Gelehrte in Leipzig, Bd. 1, Leipzig 1965, S. 15-24; C. Grau, M., in: H. Graßhoff, Studien zur Geschichte der russischen Literatur des 18. Jahrhunderts, Bd. 4, Berlin 1970, S. 245-261. – ADB 21, S. 310f.; DBA I, III; DBE 7, S. 56; NDB 17, S. 34f.

P  J. G. Mentzel, Kupferstich; E. G. Haussmann, 1728, Kupferstich; D. U. Böcklin, Kupferstich; J. Kupetzky, Gemälde, Leipzig, Universitätsbibliothek; M. Bernigeroth, nach 1728, Kupferstich nach E. G. Haussmann, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Reinhardt Eigenwill
14.4.2010


Empfohlene Zitierweise:

Reinhardt Eigenwill, Mencke, Johann Burchard (Burkhard) (Pseudonym: Philander von der Linde), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.10.2017)

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