Einsiedel (zu Scharfenstein) Heinrich Hildebrand (Hildebrandt) von
Rat, Vizeoberhofrichter, Obersteuereinnehmer, Landschaftsdirektor des Fürstentums Altenburg, Rittergutsbesitzer
* 3.3.1586 Dresden 19.2.1651 Scharfenstein Großolbersdorf(ev.)
VHaubold (1521-1592), Kanzler, Geheimer Rat, Oberinspektor der KonsistorienMAgnes, geb. von Schönfeld zu Löbnitz († 1602)GGeorge Friedrich; Haubold; Heinrich Abraham († 1610), Geheimer Rat, Amtshauptmann zu Augustusburg; George Haubold († 1592); Agnes; Anna Margaretha1612 Sophia, geb. von Ponickau (1585-1626)SHans Wolff; Rudolph Haubold (1616-1654); Heinrich Hildebrand (1622-1675), Geheimer Rat, Landschafts- und Appellationsgerichtsdirektor, ObersteuereinnehmerTAgnete Christiana (* 1618); Anna Margaretha († 1647); Sophia († 1626)
GND: 128398140

E. entstammte einem der einflussreichsten meißnischen Adelsgeschlechter, das viele Staats- und Hofbeamte sowie Offiziere stellte. Sein Vater Haubold stiftete die Linie zu Scharfenstein, die E. als einziger der fünf Söhne fortführte, sodass er als Stammvater dieser Linie gilt. – Nach dem Tod des Vaters 1592 verbrachte E. seine Jugend auf dem zu Scharfenstein gehörenden Vorwerk Dittersdorf, wo er bis zum Studienbeginn 1601 u.a. vom Pfarrer Christoph Böttiger Unterricht erhielt. Nach Abschluss des Jurastudiums in Wittenberg 1603 besuchte E. 1604 bis 1606 die Universität Ingolstadt. Anschließend unternahm er etliche Bildungsreisen, die ihn u.a. nach Preußen, Danzig (poln. Gdańsk), Rom und Florenz führten. Nach dem Tod seines Bruders Heinrich Abraham entschloss sich E. 1610 seine Reisen einzustellen, um die Güter Scharfenstein, Weißbach, Löbichau und Venusberg zu verwalten. Seinen Besitz vermehrte er 1632 durch den Ankauf des Guts Wolkenburg von George Haubold von Ende. – E. wirkte als Vizeoberhofrichter in Leipzig, Obersteuereinnehmer und Rat. Mit der Berufung zum Kommissarius 1622 führte er einen Prozess gegen die Kipper von Freiberg, die während der sog. Kipper- und Wipperzeit systematische Münzentwertung betrieben hatten. Des Weiteren beriet er 1631 Kurfürst Johann Georg I. in politischen Angelegenheiten. Neben diesen Ämtern wurde E. außerdem zum Landschaftsdirektor des Fürstentums Altenburg ernannt. Diese Stelle konnte sein Sohn Heinrich Hildebrand, nachdem er das Rittergut Lumpzig angekauft hatte, übernehmen. – Scharfenstein und die übrigen Güter waren von den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs stark betroffen, konnten allerdings durch die gute finanzielle Lage E.s wiederaufgebaut werden. Zudem unterstützte E. die Wiedererrichtung der Kirche in Großolbersdorf, nachdem diese 1643 durch den Einfall der Schweden bis auf die Mauern niedergebrannt war. Ferner stiftete er der Kirche einen Altar, den der Schneeberger Bildhauer Johann Böhm anfertigte.



Q  C. Köhler, Satietas piorum optima, rechtgläubiger Christen beste Sattsamkeit bey Leichenbestattung des ... Heinrich Hildebrandts von E. auff Scharffenstein, Wolckenburg und Löbicha, Freiberg 1651 [Leichenpredigt].

L  W. v. Boetticher, Geschichte des Oberlausitzischen Adels und seiner Güter 1635-1815, Bd. 1, Görlitz 1912, S. 336-349. – NDB 4, S. 398; J. H. Zedler, Großes vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 8, Halle/Leipzig 1734 (ND Graz 1994), Sp. 581-598; J. S. Ersch/J. G. Gruber (Hg.), Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, Bd. 1, Leipzig 1818, S. 351-357; E. H. Kneschke (Hg.), Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Bd. 3, Leipzig 1861, S. 66-70.

P  Bildnis von Heinrich Hildebrand von E. aus dem Schloss Reibersdorf, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Sophia Matthes
6.10.2006


Empfohlene Zitierweise:

Sophia Matthes, Einsiedel (zu Scharfenstein), Heinrich Hildebrand (Hildebrandt) von, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.3.2017)

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