Hedwig von Dänemark
Kurfürstin von Sachsen
* 5.8.1581 Frederiksborg (Dänemark) 26.11.1641 Lichtenburg Freiberg, Dom(ev.)
VFriedrich II. (1534-1588), König von DänemarkMSophia, geb. von Mecklenburg-Güstrow (1557-1631), Königin von DänemarkGElisabeth (1573-1626), Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel; Anna (1574-1619), Königin von England; Christian IV. (1577-1648), König von Dänemark; Ulrich (1578-1624); Augusta (1580-1639), Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorf; Johann (1583-1602)1602 Christian II. (1583-1611), Kurfürst von Sachsen
GND: 115842047






Artikel wurde bearbeitet:

H. wurde als sechstes von sieben Kindern des dänischen Königspaars Friedrich II. und Sophia von Mecklenburg geboren. Schon im Alter von sechs Jahren verlor H. den Vater. Zentrale Bezugsperson wurde ihre Mutter mit deren väterlicher Familie. Ihre Kindheit verbrachte H. v.a. auf dem mütterlichen Witwensitz in Nykøbing. Oft begleitete sie ihre Mutter auf deren Reisen innerhalb Dänemarks sowie nach Mecklenburg, Braunschweig und Holstein. Dadurch konnte H. schon früh über die verwandtschaftlichen Beziehungen hinaus persönliche Kontakte zu zahlreichen deutschen Fürstenhäusern knüpfen. – Es waren ihr Großvater Herzog Ulrich III. von Mecklenburg-Güstrow und dessen zweite Frau Anna von Pommern-Wolgast, die gemeinsam mit der pommerschen Witwe Erdmuthe von Brandenburg, einer Tante des sächsischen Kurfürsten, die Ehe zwischen H. und dem sächsischen Kurfürsten Christian II. vermittelten. Mit dieser Heirat verbanden sich erstmals seit 50 Jahren wieder zwei der bedeutendsten protestantischen Herrscherhäuser miteinander. Zugleich konnte Kurfürst Christian II. durch seine Heirat mit H. familiäre Kontakte auch auf europäischer Ebene knüpfen. Als Schwager des dänischen Königs Christian IV. wurde er zugleich Schwager des englischen Königs Jakob I. von Schottland und England. Die neue familiäre Beziehung erwies sich für Kursachsen allerdings als sehr kostspielig. So war für H. ein - im Vergleich zu früheren und auch zeitgleichen Eheschließungen - ausgesprochen hohes Ehegeld in Höhe von 75.000 Reichstalern aufzubringen. – Der königlichen Herkunft der Braut angemessen wurde im September 1602 in Dresden die Hochzeit außergewöhnlich prachtvoll gefeiert. In den ersten Ehejahren genossen H. und Christian II. die Annehmlichkeiten des höfischen Lebens. Beide reisten viel, nahmen an Jagdereignissen teil oder empfingen in Dresden fürstliche Gäste. Trotz der räumlichen Entfernung blieb H. weiterhin eng mit ihrer Mutter, ihren mecklenburgischen Verwandten und ihren Geschwistern verbunden. Dies wirkte sich positiv auf die Entwicklung des kursächsischen Hofs aus. Dresden konnte so von den kulturellen Impulsen der Höfe Englands, Dänemarks und Braunschweig-Wolfenbüttels profitieren. H. brachte dänische Festkultur an den kurfürstlichen Hof in Dresden und belebte die dänisch-kursächsischen Beziehungen, deren Grundstein 1547 durch die Hochzeit der dänischen Prinzessin Anna mit dem späteren Kurfürsten August von Sachsen gelegt worden war, auf kultureller Ebene neu. – Ähnlich wie ihre Geschwister zeigte H. großes künstlerisches Interesse. Wie ihre Schwester Anna veranstaltete sie eigene Maskeraden. Ihre nach dem Tod inventarisierte Bibliothek belegt H.s großes literarisches Interesse. Die meisten Drucke, die ihr gewidmet sind oder die sie selbst in Auftrag gegeben hatte, waren religiösen Inhalts. H. entwickelte zudem eine Leidenschaft für Porträtmalerei. Im Lauf ihres Lebens sammelte sie mehr als 500 Gemälde. Daneben galt ihr Hauptaugenmerk der Förderung hoffnungsvoller Talente, die sie v.a. an den kurfürstlichen Hof nach Dresden und an den königlichen Hof nach Dänemark vermittelte. Aber auch der kursächsische Hofkapellmeister Heinrich Schütz bemühte sich, Musiker von H.s Hof in seine kurfürstliche Hofkapelle einzubeziehen. – Als Christian II. am 23.7.1611 bereits im Alter von 27 Jahren starb, heiratete H. nicht wieder, sondern lebte 30 Jahre als kinderlose Witwe auf ihrem Leibgedinge Schloss Lichtenburg mit den Ämtern Schlieben, Schweinitz und Sayda. H. zeichnete sich durch eine gute Haushaltung aus, die ihr insbesondere während des Dreißigjährigen Kriegs zugute kam. Im Vergleich zu anderen fürstlichen Witwen konnte H. in dieser Zeit eine eigenständige und standesgemäße Hofhaltung beibehalten. Sie erschloss eigene Einnahmequellen, wie beispielsweise den Salzhandel, und führte ihre Witwenhofhaltung ohne übermäßigen Luxus. Zudem unterstützte sie bedürftige Wittumsuntertanen und Reisende u.a. mit Getreide und Medikamenten. Von ihr bei feindlichen Truppen erwirkte Schutzbriefe (Salva Guardi) kamen in den Kriegszeiten v.a. der Gegend um Prettin zugute und schützten vor größeren Plünderungen und Zerstörungen. Die Wittumsämter selbst erlitten trotzdem während des Kriegs große Schäden. In diesen Jahren, auch bedingt durch den lange andauernden Krieg, entwickelte H. eine zunehmende Frömmigkeit, die in verschiedenen wohltätigen Handlungen in ihrem Wittum ihren Ausdruck fand. Zahlreiche religiöse und soziale Stiftungen, Kirchenneubauten und -renovierungen wurden durch H. finanziert. Sie führte damit die Tradition ihrer Großtante Anna von Dänemark fort, die H.s Wittumsschloss Lichtenburg zwischen 1574 und 1582 hatte erbauen lassen. Die Hedwig-Stiftung von 1624 existiert noch heute. – V.a. während des Kriegs engagierte sich H. auch auf politischer Ebene. Ihr großes Vermittlungstalent kam dabei sowohl ihrem Bruder, König Christian IV. von Dänemark, als auch ihrem Schwager, dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg I., zugute. Dank ihres Engagements konnten die Beziehungen zwischen Kursachsen, Dänemark, Braunschweig, Mecklenburg sowie den Herzogtümern Schleswig und Holstein gefestigt werden. In den späteren Jahren als Witwe stiftete sie viele Ehen in ihrer weitläufigen Verwandtschaft. Zugleich erzog sie als Kurfürstin und als Witwe viele fürstliche Kinder an ihrem Hof. – Während ihrer Ehezeit stand H. eher im Schatten ihres Ehemanns Christian II. Erst als Witwe bekam H. einen Handlungsspielraum, den sie für ihre eigenen Interessen nutzen konnte. Dabei überschritt sie gelegentlich auch die Grenzen der gesellschaftlich vorgegebenen Spielräume einer hochadligen Witwe. H. nutzte alle Möglichkeiten ihres Standes geschickt aus, um ihre Ideen und Ziele zu verwirklichen. So unterstützte sie beispielsweise die durch den Kaiser geächteten Herzöge von Mecklenburg nach 1628. Weder auf dänischer, noch auf kursächsischer Seite scheint es Pläne für eine zweite Vermählung H.s gegeben zu haben. Eine 1617 durch Erzherzog Ferdinand, dem späteren Kaiser Ferdinand II., in Erwägung gezogene Heirat scheiterte v.a. aus konfessionellen Gründen.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Geheimes Kabinett, Urkunden, Oberhofmarschallamt, Geheimes Konsilium, Finanzarchiv; Reichsarchiv Kopenhagen, Tyske Kancellis Udenrigske Afdeling - Spec. Dell Sachsen, Registratur 108 b (= Civile Regnskaber 1559-1660), Kongehusets arkiv; Pfarrarchiv Prettin; Stadtarchiv Prettin; Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Magdeburg/Wernigerode, Dienstgebäude Wernigerode, Rep. D; Landeshauptarchiv Schwerin, Bestand 2.11 bis 2.12.

L  J. C. Hasche, Diplomatische Geschichte Dresdens von seiner Entstehung bis auf unsere Tage, 7 Bde., Dresden 1816-1822; F. O. Stichart, Galerie der Sächsischen Fürstinnen, Leipzig 1857; J. Meyer, Frauengestalten und Frauenwalten im Hause Wettin, Bautzen 1912; O. Leisegang, Die Geschichte der Stadt Prettin und ihrer nächsten Umgebung, in: Elbe- und Elsterboten, Prettin 1922/23, S. 46f.; Festlichkeiten bei der Hochzeit des Kurfürsten Christian II. zu Sachsen, in: Unsere Heimat. Sonntags-Beilage zum Sächsischen Erzähler 11/1934, Nr. 32; U. Essegern, Kursächsische Eheverträge in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in: M. Schattkowsky (Hg.), Witwenschaft in der Frühen Neuzeit, Leipzig 2003, S. 115-135; dies., Fürstinnen am kursächsischen Hof, Leipzig 2007, S. 49-220.

P  H. Steyer, Fürstenerker mit den Bildnissen Christians II. und H. von Dänemarks, 1610, Sandsteinrelief, Städtische Galerie Dresden, Kunstsammlung, Museen der Stadt Dresden, Foto von F. Zadnicek (Bildquelle); H. von Dänemark, nach 1611, Öl auf Holz, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Rüstkammer.



Ute Essegern
6.8.2009


Empfohlene Zitierweise:

Ute Essegern, Hedwig von Dänemark, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.8.2017)

Wikipedia Link