Trebra Friedrich Wilhelm Heinrich von
Oberberghauptmann
* 5.4.1740 Allstedt 16.7.1819 Freiberg Freiberg, Donatsfriedhof(ev.)
VChristoph Heinrich (1694-1745), herzoglich sächsisch-weimarischer HofjunkerMAmalie Caroline Liberta, geb. von Werder (1716-1786)GChristiane Caroline Dorothea (1742-1806) 1.1777 Auguste Sophie, geb. von Hartitzsch (1752-1805) 2.1805 Eleonora Erdmuthe, geb. von Gersdorf, gesch. von Geusau (1764-1844)AdoptivSCarl (* 1793)AdoptivTEmilie (* 1795); Bianca (* 1800); Louise (* 1802)
GND: 11889448X

Der aus einem alten thüringischen Adelsgeschlecht stammende T. gilt als einer der bedeutendsten sächsischen Bergbeamten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Er hatte entscheidenden Anteil am Wiederaufstieg nicht nur des Marienberger, sondern des gesamten sächsischen Bergbaus nach dem Siebenjährigen Krieg und war ein auch über die Grenzen Sachsens hinweg geschätzter Montanwissenschaftler. – T. besuchte zunächst ab Michaelis 1754 die Klosterschule Roßleben und studierte 1759 bis 1765 Rechtswissenschaften, Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften in Jena. 1766 lernte T. den sächsischen Generalbergkommissar Friedrich Anton von Heynitz kennen, der ihn für die neu gegründete Bergakademie in Freiberg gewinnen konnte, sodass T. im Frühjahr 1766 als deren erster Student immatrikuliert wurde. Hier hörte er Vorlesungen u.a. bei Christlieb Ehregott Gellert und Johann Friedrich Wilhelm von Charpentier. – Bereits ein Jahr nach der Aufnahme des Studiums wurde T. Auditor ohne Stimme im Oberbergamt in Freiberg und begleitete die neu eingesetzte Revisionskommission bei ihrer Inspektionsreise durch die sächsischen Bergreviere. Heynitz bot ihm in Anerkennung seiner Leistungen 1767 das Amt des Bergmeisters in Marienberg an, was T. bereitwillig annahm. Am 1.12. desselben Jahrs trat er seinen Dienst an. In den folgenden zwölf Jahren gelang es T., den vollkommen darniederliegenden Marienberger Bergbau zu einer neuen Blüte zu führen. Verglichen mit der Silberausbringung im Jahr seines Dienstantritts konnte die Ausbeute dank seines Engagements im Durchschnitt fast verfünffacht werden. Diese enorme Steigerung war durch eine Vielzahl von Maßnahmen möglich. Zunächst sorgte T. dafür, dass die Missstände in der Verwaltung beseitigt wurden. Ferner veranlasste er die Einführung neuer Methoden und Arbeitstechniken (z.B. ungarische Hunte, Anlegung von Wassersäulen, Pferde- und Wassergöpeln, neue Pochwerke und Stoßherde) und ordnete die Erschließung neuer Erzlagerstätten bzw. die Wiederherstellung verfallener und sog. abgesoffener Gruben an. Aufgrund solcher Neuerungen gelang es T., in Sachsen aber auch im Ausland (z.B. in Holland) neue Gewerke für den Marienberger Bergbau zu gewinnen. 1770 wurde T. zum Bergkommissionsrat im Oberbergamt berufen, wobei er gleichzeitig die Stelle des Bergmeisters in Marienberg behielt. Drei Jahre später ernannte man ihn bereits zum Vizeberghauptmann. Innerhalb von nur sechs Jahren war der mittlerweile dreiunddreißigjährige T. vom Studenten der Bergakademie in den obersten Kreis der sächsischen Bergbeamten aufgestiegen. 1775/76 arbeitete T. an einem Gutachten zur Wiederaufnahme des Ilmenauer Bergbaus und traf dabei wiederholt mit Johann Wolfgang von Goethe zusammen, der sich als verantwortlicher Minister des Herzogtums Sachsen-Weimar mit dem dortigen Bergbau beschäftigte. Beide verband bis zu T.s Tod eine enge Freundschaft, was ihre regelmäßigen Briefwechsel sowie gemeinsame Kuraufenthalte in Karlsbad (tschech. Karlovy Vary) belegen. 1779 verließ T. Sachsen und ging als Bergmeister nach Zellerfeld in den Harz. Der Grund für sein Ausscheiden lag wohl im Verhalten der sächsischen Bergbeamten ihm gegenüber, das besonders nach dem Abschied seines Förderers Heynitz 1774 immer schwieriger wurde. Auch vom Harz aus nahm T. weiter großen Anteil an den Ilmenauer Bergbauversuchen und stand seinem Freund Goethe wiederholt beratend zur Seite. – Nach T.s Ankunft in Zellerfeld entwickelte er als Vizeberghauptmann sehr schnell ein breites Tätigkeitsfeld und versuchte seine Marienberger und Freiberger Erfahrungen bei der Umgestaltung des Harzer Bergbaus einzubringen. – Neben der Bergbaupraxis widmete sich T. auch verstärkt der Forschung. Davon zeugen u.a. der 1785 erschienene Band „Erfahrungen vom Innern der Gebirge“ und die im gleichen Jahr erfolgte Berufung als auswärtiges Mitglied der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften. T. besuchte mehrfach Göttingen und stand in engem Kontakt mit führenden Gelehrten der dortigen Universität. Nach dem Tod des Berghauptmanns Claus Friedrich von Reden trat T. 1791 in Clausthal dessen Nachfolge an. In den vier Jahren seines Wirkens als Berghauptmann nahm er sich, v.a. durch verschiedene Änderungen im Polizeiwesen, der Reform des Harzer Bergbaus an. Doch viele seiner Maßnahmen blieben unvollendet, denn T. musste 1795 aufgrund einer langwierigen Krankheit seine Stellung aufgeben und zog sich auf das väterliche Stammgut nach Bretleben zurück. Auch hier blieb er jedoch nicht untätig, sondern versuchte durch eine Vielzahl an Aktivitäten, die Einkünfte des Gutes zu heben und die landwirtschaftlichen und gewerblichen Verhältnisse zu verbessern. Bis 1801 besserte sich sein Gesundheitszustand insoweit, dass er den nunmehr erfolgten Ruf als Oberberghauptmann nach Freiberg annehmen konnte. In den folgenden 18 Jahren nahm er einen überaus positiven Einfluss auf das sächsische Bergwesen und dies in einer durchaus schwierigen Zeit, befand sich doch Sachsen mehr als ein Drittel seiner Amtszeit im Krieg. So ließ T. mehrere Organisationsuntersuchungen durchführen, wandte sich, mit dem Ziel, die Verluste bei den Hütten zu reduzieren, verstärkt dem Hüttenwesen zu, förderte wie schon in Marienberg die Einführung neuer Techniken und nahm Einfluss auf die Entwicklung der Bergakademie, was allerdings mit Konflikten verbunden war, da es mit einigen der Gelehrten, unter ihnen v.a. Abraham Gottlob Werner, Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Gestaltung des Studiums der Montanwissenschaften gab. Zudem regte er 1806 in Anbetracht der Erfahrungen, die er während der großen Hungersnot 1771/72 in Marienberg gemacht hatte, den Bau von Bergmagazinen an, um künftigen Missernten bzw. Hungersnöten besser begegnen zu können, und er war Mitbegründer der „Societät der Bergbaukunde“, der ersten wissenschaftlichen Gesellschaft für das Montanwesen überhaupt.



Q  Kretschmar, Todtenfeier des verewigten Königl. Sächs. Herrn Oberberghauptmanns von T., Leichenpredigt, Marienberg 1819; S. G. Frisch, Standrede bei der Gruft des verewigten Friedrich Wilhelm Heinrich von T., Königl. Sächs. Ober-Berghauptmanns, Leichenpredigt, Freiberg 1819; TU Bergakademie Freiberg, Universitätsarchiv; Sächsisches Staatsarchiv - Bergarchiv Freiberg, 40001 Oberbergamt Freiberg, 40013 Bergamt Marienberg.

W  Bergwerkskarte von dem Marienberger Bergamtsrevier nebst Erklärung, Annaberg 1771 (ND Amsterdam 1771 [niederl.]); Erfahrungen vom Innern der Gebirge, Dessau/Leipzig 1785; mit I. v. Born, Bergbaukunde, 2 Bde., Leipzig 1789/1790; Entwürfe für Polizey am Harze, [Zellerfeld] 1792; Mineralienkabinett, Clausthal 1795; Das Silberausbringen des Chursächsischen Erzgebirges auf die nächstverflossenen 40 Jahre von 1762-1801, Freiberg 1802, 21803; Uiber den immer noch verkannten Werth des Sächsischen Bergbaues, Freiberg 1803; Merkwürdigkeiten der tiefen Hauptstölln des Bergamtsreviers Freiberg, Dresden 1804 (ND Kleinvoigtsberg 2000); Die Lebensgeschichte von Gottlob August von Trebra, Freiberg 1806; Ueber die innere Wärme der Erde, in: Allgemeine Geographische Ephemeriden 49/1816, Nr. 4, S. 432-438; Bergmeister-Leben und Wirken in Marienberg, Freiberg 1818 (ND Leipzig 1990).

L  A. F. Wappler, Oberberghauptmann von T. und die drei ersten sächsischen Kunstmeister Mende, Baldauf und Brendel, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 41/1905, S. 69-178; H. Trommsdorff, Der Clausthaler Berghauptmann von T. und Georg Christoph Lichtenberg, Göttingen 1925; W. Herrmann, Goethe und T. - Freundschaft und Austausch zwischen Weimar und Freiberg, Berlin 1955; W. K. Strobach, Heinrich von T. - Bergmeister von Marienberg, in: Sächsische Heimatblätter 4/1958, S. 227-237; W. Bogsch, Der Marienberger Bergbau seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, Köln/Graz 1966; O. Wagenbreth, Goethe und der Ilmenauer Bergbau, Weimar 1983 (ND Freiberg 2006). – ADB 38, S. 550f.; ADB 54, S. 708f.; DBA I, II, III; DBE 10, S. 77; J. C. Poggendorff, Biographisch-literarisches Handwörterbuch der exakten Naturwissenschaften, Bd. 2, Leipzig 1863, S. 1127.

P  A. Graff, 1806/08; Ölgemälde, Goethe-Museum Frankfurt/Main.



Danny Weber
28.11.2007


Empfohlene Zitierweise:

Danny Weber, Trebra, Friedrich Wilhelm Heinrich von, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.3.2017)

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