Der Humanist T. wird vornehmlich in seiner Bedeutung als Poet, Philologe und Professor der Universität Wittenberg gewürdigt. Schon in seiner Kindheit zeichnete sich dieser Lebensweg ab, obwohl der Stiefvater, bei dem er nach dem Tod seiner leiblichen Eltern aufwuchs, für ihn eine Ausbildung im Schneiderhandwerk vorgesehen hatte. Als 12-Jähriger wurde er indes an die Schule nach Kulmbach geschickt, an der er sich erste Kenntnisse in der lateinischen Dichtkunst aneignete. T., der sich seinen Lebensunterhalt zunächst durch Betteln und Singen verdiente, war ein hervorragender Schüler. Sowohl seine rasche Auffassungsgabe als auch seine Schlagfertigkeit ermöglichten es ihm, die Schule in vier Jahren abzuschließen. 1582 wurde T. mit Unterstützung eines Stipendiums des Markgrafen Georg Friedrich von Ansbach-Bayreuth an die Fürstenschule Heilsbronn geschickt. Hier konnte er seine Vorliebe zur Poesie weiter vertiefen und mit ersten lateinischen Gedichten Anerkennung u.a. bei Paul Melissus-Schede finden. Auch sein Hang zum Dichten witziger Verse wurde damals schon deutlich. Bevor T. 1592 an die Universität von Wittenberg ging, verbrachte er einige Zeit als Hauslehrer bei verschiedenen Adelsfamilien in Franken. In Wittenberg widmete er sich vornehmlich dem Studium des Lateinischen, Griechischen und der Poesie. Durch ein weiteres Stipendium des Markgrafen Georg Friedrich sowie durch seine Gelegenheitspoesie konnte T. ohne Geldsorgen das Studium in Wittenberg in kürzester Zeit abschließen. Nach drei Jahren erhielt er den Abschluss eines Magister Artium. Trotz des Widerstands der Universität wurde T. 1595 mit Unterstützung des Administrators des Kurfürstentums Sachsen, Herzog Friedrich Wilhelm I. von Sachsen-Weimar, zum Professor der Poesie ernannt. Diese Position behielt er bis zum Lebensende und war 1608 Rektor der Universität. In dieser Zeit führte er sorgsam die Geschäfte der Fakultät, führte viele Studenten zum Examen und machte Wittenberg zu einer angesehenen Universität. Er legte klassische Autoren neu auf und verfasste philologische Arbeiten, die aber teilweise in ihrer Wertung umstritten sind. Seine zahlreichen lateinischen Gedichte sind fast nur noch Spezialisten bekannt. – Darüber hinaus ging T. am kursächsischen Hof einer Tätigkeit als „kurzweiliger Rat“ nach, was kein politisches Amt, sondern vielmehr eine damals übliche Bezeichnung für „Lustigmacher“ am Hof war. Wohl nicht ganz der Stellung eines Hofnarren gleichzusetzen, hat T. dennoch in ähnlichen Funktionen im Dienst u.a. von Kurfürst Christian II. gestanden. Der Kurfürst schätzte T. anscheinend sehr und honorierte ihn durch zahlreiche Gunstbeweise. Mit dem Auftreten bei Hof wurde T.s Professorentätigkeit, die er nach wie vor gewissenhaft betrieb, offenbar nicht herabgesetzt, denn es entsprach durchaus dem Zeitgeist, „Lustigmacher“ zu beschäftigen, die nicht den üblichen derben Späßen der Possenreiser verfielen, sondern die sich durch ihre Gelehrtheit auszeichneten. Dies war insbesondere für T. der Fall, dem mit Scharfsinn verbundene witzige Einfälle zugeschrieben werden.
