Struve Friedrich Adolph August
MdL, Arzt, Apotheker, Fabrikant
* 9.5.1781 Neustadt/Sachsen 29.9.1840 Berlin Dresden, Trinitatisfriedhof(ev.)
VErnst Friedrich (1739-1806), ArztMRahel Dorothea, geb. HentschGJuliane Christiane Wilhelmine, verh. Fritzsche 1.1805 Karoline Friederike, geb. Bredemann († 1807) 2.1810 Amalie Sophie, geb. Dietze (1785-1860)SGustav Adolph (1812-1889); Alexander (1813-1838)T4 u.a. Clara (1809-1835); Anna
GND: 117350176

Der Arzt und Apotheker S. wurde als Erfinder des künstlichen Mineralwassers bekannt. – Aus einer alten Gelehrtenfamilie stammend studierte er nach dem Besuch der Meißner Fürstenschule St. Afra von 1799 bis 1802 in Leipzig und Halle/Saale Medizin. Nach klinischen Studien in Wien bei Johann Peter Frank, Begründer der Sozialhygiene, ließ sich S. 1803 in Neustadt/Sachsen als Arzt nieder und führte zwei Jahre die väterliche Apotheke. 1805 übernahm er die Dresdner Salomonis-Apotheke des verstorbenen Samuel Immanuel Bredemann und übersiedelte in die Residenzstadt. Er gab seinen Arztberuf auf und widmete sich neben der Arbeit als Apotheker fortan auch technischen und naturwissenschaftlichen Studien. 1808 zog er sich bei einem Experiment mit Blausäure eine Vergiftung zu. Die folgenden Kuraufenthalte in Karlsbad (tschech. Karlovy Vary) und Marienbad (tschech. Mariánské Lázně) regten ihn an, sich mit der Herstellung von künstlichem Mineralwasser zu befassen, was ihm nach mehr als zehnjährigen Versuchen gelang. Mit der Unterstützung Rudolf Sigismund Blochmanns, der die technische Einrichtung entwickelte, konnte S. 1821 die erste Mineralwasseranstalt der Welt - bestehend aus Fabrik und Trinkgarten - in der Dresdner Seevorstadt eröffnen. Nach Erteilung des königlichen Privilegs im Mai 1821 firmierte er das Unternehmen als „Königlich Sächsische konzessionierte Mineralwasseranstalt“. Der Erfinder der künstlichen Mineralwasserbereitung war so erfolgreich, dass er bis 1823 ähnliche Einrichtungen in Leipzig und Berlin gründen konnte. 1825 reiste er nach England und eröffnete in Brighton das „Royal German Spa“ unter der Leitung eines Dr. Swaise. Nach 1830 entstanden - später mit Unterstützung seines Sohns Gustav Adolph - weitere Anstalten in Köln, Hannover, Frankfurt/Main, Breslau (poln. Wrocław), Königsberg (russ. Kaliningrad), Warschau, St. Petersburg (russ. Sankt-Peterburg), Moskau, Kiew und Odessa (Ukraine). Die anerkennenden Äußerungen des bedeutenden englischen Chemikers und Physikers Michael Faraday über S.s Mineralwasser beförderten dessen Verbreitung. Das technische Prinzip der Mineralwasserherstellung beruhte darauf, dass nicht lösliche Stoffe unter Druck in kohlensäurehaltigem Wasser lösbar gemacht wurden. Die Patentierung dieses Verfahrens erreichte erst 1841 S.s Sohn Gustav Adolph für zehn Jahre; 1850 erfolgte eine Verlängerung um weitere zehn Jahre. – Ende 1830 wurde S. Mitglied des bereits im April 1831 wieder verbotenen Dresdner Bürgervereins. Er zählte zu den Unterzeichnern der im gleichen Monat des Jahres 1831 veröffentlichten „Constitution, wie sie das sächsische Volk wünscht“ von Bernhard Moßdorf. Seit 1833 gehörte S. den Dresdner Kommunerepräsentanten bzw. der späteren Stadtverordnetenversammlung an, in der er sich besonders für die Verbesserung der Armenfürsorge einsetzte. Außerdem war er Mitglied der Zweiten Kammer des Sächsischen Landtags. Für seine Verdienste um die Trinkwasseranstalten erhielt S. vom sächsischen König Friedrich August I. 1823 die Ernennung zum Ritter des Königlich-Sächsischen Zivilverdienstordens. Nach S.s. Tod führte sein Sohn Gustav Adolph die Salomonis-Apotheke und die Mineralwasserfabrikation weiter.



W  Remarks on an Institution for the preparation and use of artificial mineral Waters in Great Britain, London 1823; Über die Nachbildung der natürlichen Heilquellen, 2 Hefte, Dresden/Leipzig 1824/26; Beschreibung zweier Vorrichtungen zu Dampfbädern, Dresden 1831.

L  Die Struve’schen Mineralwasseranstalten, Leipzig 1853, 21858; H. E. Richter, Zur Jubelfeier der Struve’schen Mineralwasseranstalten. Dem Andenken von F. A. S. gewidmet, Dresden 1871; H. Adamek, Leben und Werk von Friedrich Adolph August S., Diss. Dresden 1969; J. Müller, Der Neustädter Arzt und Apotheker Dr. Friedrich Adolf August S., in: Sächsische Gebirgsheimat 32/1991, Wochenblatt vom 3.6.-9.6.; R. Forberger, Die Industrielle Revolution in Sachsen 1800-1861, Bd. 1: 1800-1830, Berlin 1982, Bd.1/2, Tab. 60, Bd. 2: 1831-1881, Bd. 2/2, S. 316-318, Leipzig 1999-2003; F. A. S. und sein Werk, in: K. Kiefer, Mineralwässer. Der Beitrag deutscher Apotheker zur Erforschung von Mineralquellen und zur Herstellung künstlicher Mineralwässer, Eschborn 1999, S. 150-188; I. Grosse, Friedrich Adolf August S. (1781-1840), ein sächsischer Wissenschaftler, Erfinder, Politiker, in: Sächsische Heimatblätter 56/2010, S. 109-120 (P). – ADB 36, S. 676f.; DBA I, II, III; DBE 9, S. 599; NDB 25, S. 603f.

P  Lithografie, F. Hanfstengl, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig und Stadtmuseum Dresden, 1840; Holzschnitt, unbekannter Künstler, Leipziger Illustrierte Zeitung 1853, S. 268.



Gudrun Eigenwill
22.12.2016


Empfohlene Zitierweise:

Gudrun Eigenwill, Struve, Friedrich Adolph August, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (31.3.2017)

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