Crusius Christian Gotthold
Bibliothekar, Philologe, Dichter, Hofrat
* 1717 im Vogtland 1.6.1783 Dresden

GND: 101476124

C. war in einer entscheidenden Phase der Geschichte der kurfürstlichen Bibliothek tätig, als ihr Bestand durch Ankauf der Privatbibliotheken der Grafen Bünau und Brühl um mehr als das Doppelte anwuchs. C. selbst sammelte seit seiner Jugend Bücher, vor allem griechische und römische Klassiker sowie Schriften zur Altertumskunde, Geschichte und Kunst. Daneben erwarb er Kleinplastiken. Nach dem Urteil des päpstlichen Nuntius Giuseppe Garampi (1725-1792) war C. versiert in italienischer und französischer Literatur. Auch soll er schon früh selbst Gedichte geschrieben haben. Diese Werke, wie auch seine erste Bücher- und Kunstsammlung, fielen jedoch während des Siebenjährigen Kriegs den Flammen zum Opfer. Allein eine auf den Juristen Georg Heinrich Ayrer anlässlich dessen Göttinger Promotion 1736 gedichtete und gedruckte Elegie lässt sich heute noch nachweisen. C. hatte Ayrer wahrscheinlich während dessen Zeit als Hofmeister beim königlich polnischen und kursächsischen Geheimen Rat Ludwig Siegfried Graf Vitzthum von Eckstädt kennengelernt, der 1768 bis 1777 als Oberkammerherr die Aufsicht über die kurfürstliche Bibliothek in Dresden führte. – 1759 wurde C. auf Geheiß des Kurfürsten Friedrich August II. (König August III. von Polen) Sekretär des Prinzen Clemens Wenzeslaus von Sachsen, des nachmaligen Erzbischofs und Kurfürsten von Trier. 1764 nach Dresden zurückgekehrt, fand C. am 2.7.1765 eine Anstellung als Bibliothekar an der kurfürstlichen Bibliothek. Im Staatskalender auf selbiges Jahr wurde er als Sekretär und Hofrat in der Abteilung „Jagd-, Floß- und Rent-Expeditiones“ des Cammer-Collegiums erwähnt, ab dem Jahrgang 1766 dann auch als „Bibliothecarius“. Zusammen mit seinem Kollegen Johann Michael Francke erstellte er 1768 im Auftrag des kurfürstlichen Administrators Prinz Xaver Gutachten über Umfang, Qualität und Preis der zum Verkauf stehenden 62.000 Bände aus dem Nachlass des Grafen Heinrich von Brühl, wobei er diese ins Verhältnis zu den 42.000 Bänden der 1764 angekauften, noch auf Schloss Nöthnitz befindlichen Bibliothek des Grafen Heinrich von Bünau setzte und einen Dublettenabgleich mit dem vorhandenen Bestand der kurfürstlichen Bibliothek vornahm. Trotz zahlreicher Doppelexemplare und zu erwartender Raumnot sprachen sich C. und Francke für den Ankauf der Brühlschen Büchersammlung aus, wodurch die kurfürstliche Bibliothek „alle ihre ausländische Schwestern an Reichthum, Schönheit und Brauchbarkeit übertreffen“ sollte. Nach dem baldigen Kauf hatten C. und Francke den Büchertransport von der Brühlschen Terrasse bzw. aus Nöthnitz in den Zwinger, ihre Aufstellung daselbst und die große Dublettenauktion 1775 bis 1777 vorzubereiten. 1776 bis 1783 amtierte C. als Oberbibliothekar neben Johann Heinrich Kauderbach. In seine Amtszeit fiel die Erwerbung von Zimelien wie des Mainzer Psalters von 1457, des Mainzer Catholicons von 1460 und des „Codex Boernerianus“ aus dem 9. Jahrhundert. – Daneben legte sich C. von Neuem eine umfangreiche private Sammlung zu, die bei ihrer Versteigerung im Oktober 1784 und März 1785 in Dresden 3.745 Bücher, 3.707 grafische Blätter, 667 antike Münzen, 79 Gemmen und 18 Kleinplastiken zählte. Im Bestand der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden lassen sich aus C.s Sammlung drei spätmittelalterliche Handschriften (ein Brevier, Lukans „Pharsalia“ und die „Magna Carta“) nachweisen. Einige durch den ungarischen Dichter und Kunstmäzen Gedeon Ráday ersteigerte Bücher befinden sich heute in der Ráday-Sammlung des Donaudistrikts der Reformierten Kirche in Budapest. Christian Johann Gottfried Haymann besaß die Heynesche Vergil-Ausgabe (Leipzig 1767 bis 1775) mit Distichen von C.s Hand. Das „Album Dupplicis ad Exteros Peregrinationis“ des Mineralogen und Geografen Ferenc Benkö (1745-1816) enthält einen Eintrag C.s vom 17. Juli 1780 mit einem Vers aus den Episteln des Horaz.



Q  Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Bibliotheksarchiv, Acta Bibliothek-Sachen betr. von 1764 bis 1774.

W  Elegia ad Virum Praenobilissimum Doctissimumque Georg. Henricum Ayrerum, Leipzig 1736; Catalogus Librorum exquisitorum Christiani Gotthold C., Friedrichstadt 1784 (Online-Ausgabe: http://digital.slub-dresden.de/id328203785 [Letzter Zugriff am 19.2.2014]); Verzeichniß einer Kupferstich-Sammlung … aus dem Nachlaß Hrn. Christian Gotthold C., Friedrichstadt 1785.

L  Churfürstlich-Sächsischer Hof- und Staatscalender, Leipzig 1765-1783; K. W. Dassdorf, Beschreibung der vorzüglichsten Merkwürdigkeiten der Churfürstlichen Residenzstadt Dresden, Bd. 1, Dresden 1782, S. 325; F. A. Ebert, Geschichte und Beschreibung der königlichen öffentlichen Bibliothek zu Dresden, Leipzig 1822, S. 233; J. Ph. Dengel, Nuntius Joseph Garampi in Preussisch-Schlesien und in Sachsen im Jahre 1776, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 5/1903, S. 223-268; É. M. Hubbes, Benk Ferenc Egyetemjárása, Rudabánya 2004, S. 69f. (Online-Ausgabe: http://mek.niif.hu/02900/02943/02943.pdf [Letzter Zugriff am 19.2.2014]); V. Segesvary, The History of a Private Library in 18th Century Hungary, Budapest 2007, S. 96 (Online-Ausgabe: http://www.federatio.org/mi_bibl/VictorSegesvary_Raday.pdf [Letzter Zugriff am 19.2.2014]). – DBA I, II; J. G. Meusel, Lexikon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller, Bd. 2, Leipzig 1803, S. 253; C. J. G. Haymann, Dresdens theils neuerlich verstorbene theils ietzt lebende Schriftsteller und Künstler, Dresden 1809, S. 258; K. Bader, Lexikon deutscher Bibliothekare im Haupt- und Nebenamt, Leipzig 1925, S. 39.



Thomas Haffner
19.2.2014


Empfohlene Zitierweise:

Thomas Haffner, Crusius, Christian Gotthold, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (26.4.2017)

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