Semler Christian August (Pseudonym: Johann Oporin)
Bibliothekar, Kunsthistoriker, Botaniker
* 13.7.1767 Weißenfels 18.12.1825 Dresden Dresden, Innerer Neustädter Friedhof(ev.)

GND: 117469661

Nach dem Besuch der Landesschule Schulpforte studierte S. Jurisprudenz und Theologie in Leipzig. Nach einer kurzen Tätigkeit 1791 bis 1799 als Lehrer am Pädagogium in Halle/Saale fand er zunächst eine Anstellung als Lehrer bei der Familie von Gersdorf sowie später bei Friedrich Wilhelm August Karl Graf von Bose. Letzterem verdankte S. 1800 die Anstellung als Sekretär an der Kurfürstlichen öffentlichen Bibliothek, die 1806 in Königliche öffentliche Bibliothek umbenannt wurde. 1804 bis 1807 bekleidete er außerdem das Amt eines Untersekretärs am Dresdner Antiken- und Münzkabinett. Zeitgenossen rühmten seine enorme Kenntnis der Bibliotheksbestände besonders auf dem Gebiet der Kunst und Ästhetik, die er bereitwillig den Nutzern des Hauses zur Verfügung stellte bzw. vermittels dieser in die Benutzung der Bibliothek einführte. Außerdem hielt S. zwei Jahre lang Vorlesungen für junge Künstler über Ästhetik. Prinzessin Caroline von Sachsen unterrichtete er 1823/24 zweimal wöchentlich über die neueste Weltgeschichte. 1825 erhielt S. die Ernennung zum Bibliothekar. Anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums gab der Oberbibliothekar Friedrich Adolf Ebert die Schrift „Die Culturperioden des Obersächsischen Mittelalters“ heraus. Mit dem Dresdner Dichter Friedrich Kind verband ihn eine jahrlange Freundschaft. – S.s Publikationen galten der Kultur- und sächsischen Literaturgeschichte sowie der Gartenästhetik. Sein Nachlass wird in der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden aufbewahrt.



Q  Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Handschriftensammlung, Nachlass S.

W  Untersuchungen über die höchste Vollkommenheit in den Werken der Landschaftsmalerei, Leipzig 1800; Ideen zu einer Gartenlogik oder Versuch über die Kunst, in englischen Gartenanlagen alles Unverständliche und Widersinnige zu vermeiden, Leipzig 1803; Versuch über die combinatorische Methode, Dresden 1811, ²1822.

L  F. A. Ebert, Geschichte und Beschreibung der königlichen öffentlichen Bibliothek zu Dresden, Leipzig 1822, S. 236f.; K. Assmann (Hg.), Sächsische Landesbibliothek Dresden 1556-1956, Leipzig 1956, S. 238. – ADB 33, S. 694; DBA I, II, III; DBE 9, S. 282; C. J. G. Haymann, Dresdens theils neuerlich verstorbene theils ietzt lebende Schriftsteller und Künstler, Dresden 1809, S. 127f.; Neuer Nekrolog der Deutschen 2/1825, S. 1222-1237 (WV); C. F. Rassmann, Kurzgefasstes Lexicon deutscher pseudonymer Schriftsteller von der ältern bis auf die jüngste Zeit aus allen Fächern der Wissenschaften, Leipzig 1830 (ND 1971), S. 133; K. Bader, Lexikon deutscher Bibliothekare im Haupt- und Nebenamt bei Fürsten, Staaten und Städten, Leipzig 1925, S. 248; T. Bürger/K. Hermann (Hg.), Das ABC der SLUB, Dresden 2006, S. 209.



Katrin Nitzschke
30.7.2010


Empfohlene Zitierweise:

Katrin Nitzschke, Semler, Christian August (Pseudonym: Johann Oporin), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.3.2017)

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