Terscheck Carl Adolph
Hofgärtner, Gartenarchitekt
* 2.4.1782 Elsterwerda 22.6.1869 Dresden
VJohann Matthäus (1745-1809), Hofgärtner im Schlossgarten in Elsterwerda und im Palaisgarten in DresdenGJohann Gottfried (1784-1870), Hofgärtner im Pillnitzer Schlossgarten, Mitbegründer des Botanischen Gartens in DresdenSKarl Ludwig (1810-1893), Gärtner in Pillnitz, Hofgärtner in den Wachwitzer Weinbergen
GND: 138863318

T. gehörte zu einer Gärtnerfamilie, die die sächsische Gartenkultur über mehrere Generationen mitbestimmte. – T. absolvierte 1797 bis 1800 eine gärtnerische Ausbildung im Schlossgarten des sächsischen Prinzen Xaver in Zabeltitz. Anschließend war er 1800 bis 1802 als Geselle im Pillnitzer Schlossgarten beschäftigt, wo er 1801 die berühmte Kamelie westlich des damals als Orangerie genutzten Ringrenngebäudes im Englischen Garten auspflanzte. Mit finanzieller Unterstützung seines Vaters war es ihm möglich, sechs Jahre im Ausland zu verbringen, um seine Kenntnisse in der Gärtnerei und Botanik zu vervollkommnen. Stationen seiner Tätigkeit waren zunächst die kaiserlichen Hofgärten in Wien-Schönbrunn und Laxenburg, später ging er nach Paris und war dort Gärtnergeselle im Parc Monceau. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er Gärtner in Eythra bei Leipzig. 1809 trat T. die Nachfolge seines Vaters als Hofgärtner im Dresdner Palaisgarten an. Auf der vormaligen Wallanlage zwischen Japanischem Palais und der heutigen Marienbrücke legte T. zwischen 1819 und 1821 den „englischen“ Teil des Palaisgartens an. Gleichzeitig plante er gemeinsam mit dem Botaniker Ludwig Reichenbach und seinem Bruder Johann Gottfried einen ersten Botanischen Garten für Dresden. 1820 realisierten sie den Plan auf dem Platz der ehemaligen Bastion Mars östlich des Kurländer Palais. – In den folgenden Jahren entwickelte sich eine produktive Zusammenarbeit mit dem Architekten Gottlob Friedrich Thormeyer, z.B. am Zwinger, wo T. 1823 auf den aufgefüllten Wallgräben landschaftliche Anlagen mit einem nierenförmigen Teich und Rasenflächen schuf. – 1828 entwarf T. einen Kinderspielplatz, der in den öffentlichen Anlagen südlich des Pirnaischen Tors eingerichtet wurde, ein zweiter, kleinerer Platz entstand in der Nähe des Antonsplatzes. – Mit dem Wachstum der Stadt Dresden im 19. Jahrhundert gewann die bisher als Viehweide genutzte Bürgerwiese an Bedeutung als Verbindung zum Großen Garten. Der Stadtrat beauftragte T. daher 1838 mit der Planung und Ausführung einer öffentlichen Gartenanlage auf der Inneren Bürgerwiese. Der erste Abschnitt dieser ersten städtischen Parkanlage in Dresden wurde sofort realisiert, der zweite Teil mit reichem Skulpturenschmuck wurde zwischen 1843 und 1850 angefügt, wobei T.s Entwürfe in ihrer Grundstruktur, insbesondere aber in den Blumenbeeten, biedermeierliche Züge trugen. Die Äußere Bürgerwiese wurde 1869 nach Plänen von Peter Joseph Lenné vollendet. – 1838 beteiligte sich T. möglicherweise an der Umgestaltung des Pillnitzer Lustgartens, die eigentlich in den Zuständigkeitsbereich seines Bruders Johann Gottfried fiel. 1847 bis 1852 gestaltete er den westlichen Teil des Gartens am Japanischen Palais. Weitere Anlagen T.s waren der Garten am Königlichen Weinberg in Wachwitz und der um 1853 erneuerte Schlossgarten in Zabeltitz. 1865 trat T. in den Ruhestand. Mit seinen Entwürfen für wichtige öffentliche Grünanlagen prägte er das Dresdner Stadtbild Mitte des 19. Jahrhunderts maßgeblich.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Verwaltung der königlichen Gärten 1844-1885, 1864-1872.

W  Anlage des englischen Teils vom Garten am Japanischem Palais in Dresden (zwischen Palais und Marienbrücke), 1819-1821; Alter Botanischer Garten Dresden (Platz der ehemaligen Bastion Mars östlich des Kurländer Palais), 1820; Gartenanlagen am Dresdner Zwinger, 1823; Kinderspielplatz südlich des Pirnaischen Tors und in der Nähe vom Antonsplatz, 1828; Innere Bürgerwiese, erster Abschnitt zwischen Georgplatz und Teich, 1823, zweiter Abschnitt, 1843-1850, 1838; westlicher Teil des Gartens am Japanischen Palais, 1847-1852; Garten am Königlichen Weinberg in Dresden-Wachwitz; Schlossgarten Zabeltitz, 1853.

L  G. Enderlein, Dresdens Gärten und Parke, Dresden 1932, S. 29-31, 62-66; S. Jäger, Gartenkunst in Dresden im Stil des Biedermeier, in: Dresdner Amtsblatt 1994, Nr. 25, S. 8; dies., Das Wirken des Hofgärtners Carl Adolf T. in Dresden, in: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e.V. 1995, H. 1, S. 31-35 (P); F. Stimmel u.a. (Hg.), Stadtlexikon Dresden A-Z, Dresden ²1998, S. 422; M. Çoban-Hensel, Schloss Elsterwerda unter der Herrschaft der Wettiner, in: Jahrbuch der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen 12/2004, S. 94-113; Sachsen Grün, hrsg. von den Staatlichen Schlössern, Burgen und Gärten Sachsen, Hamburg 2006, S. 16, 29, 46; S. Butenschön, Geschichte des Dresdner Stadtgrüns, Berlin 2007, S. 96-105, 127-142; M. Haikal, Das Geheimnis der Kamelie, Dresden 2008, S. 56-65 (P).

P  Carl Adolph T., W. K. Juncker, 1852, Ölgemälde, Stadtgeschichtliches Museum Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Zhijue Zhang
7.12.2010


Empfohlene Zitierweise:

Zhijue Zhang, Terscheck, Carl Adolph, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (29.4.2017)

Wikipedia Link