Pattenhausen Nikolaus Philipp Bernhard
Bau- und Vermessungsingenieur, Rektor der TH Dresden
* 7.7.1855 Hamburg 25.8.1926 Darmstadt Dresden-Tolkewitz, Urnenhain(ev.)
VCarolus Martin (1804-1885), KaufmannMWilhelmine Caroline, geb. Giese (1817-1899)G11 u.a. Hermann, Kaufmann; Caroline; Otto († 1915), Kaufmann; Emma; Bertha; Alfred, Unternehmer; Rudolf († 1918); Carl, Kaufmann; Elisabeth; Anna1882 Karoline, geb. Dürr (1853-1918)SRudolf (1883-1937); Oswald (1885-1945); Bernhard (1887-1914); Hellmuth (1896-1979), Dichter, MusikerTGertrud Marie Caroline (* 1890)
GND: 102008973


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P. wurde 1893 als Nachfolger von Christian August Nagel zum ordentlichen Professor für Geodäsie an der Königlich Sächsischen Technischen Hochschule Dresden berufen und zum Direktor des dortigen Geodätischen Instituts ernannt. – 1872 bis 1876 studierte P. Ingenieurwissenschaften an der Großherzoglichen Polytechnischen Schule in Karlsruhe und legte sein Examen als Bauingenieur unter Einbeziehung des Wahlfachs Höhere Geodäsie ab. 1878 wurde er dort Assistent beim Professor für Geodäsie, Wilhelm Jordan, dem Autor des in Fachkreisen berühmten Handbuchs der Vermessungskunde. 1880 nahm er die Vertretung des Lehrstuhls für Geodäsie an der Technischen Hochschule Braunschweig wahr, wo er sich später habilitierte. Einem Angebot der Herzoglichen Forsteinrichtungsanstalt in Braunschweig folgend, war P. dort mehrere Jahre als Vermessungsingenieur tätig und bekam 1889 die Stelle eines Landesvermessungsinspektors. Als er 1893 den Ruf nach Dresden erhielt, war er Privatdozent für Geodäsie in Braunschweig und gerade zum herzoglich-braunschweigischen Landesvermessungsdirektor befördert worden. – P. widmete sich in Dresden v.a. dem Umzug des Geodätischen Instituts in ein auf dem neuen Hochschulgelände errichtetes Gebäude für die Bauingenieurabteilung und der Etablierung des Instituts an seinem neuen Standort. Auf seine Initiative entstand ein dem Institut zugehöriges Observatorium, dessen Turm zum Wahrzeichen der Hochschule wurde. Seine nachdrücklichen Bemühungen um einen eigenständigen Institutsbau waren an fehlenden Geldern gescheitert. – Die Lehrtätigkeit P.s war eine der umfangreichsten an der Hochschule. Er unterrichtete nicht nur angehende Geodäten, sondern auch Bauingenieure, Landmesser- und Lehramtskandidaten sowie Architekten. Mitunter nahm er mehr als 40 Wochenstunden, vorwiegend zur Astronomie und höheren Geodäsie, auf sich. Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand 1925 hielt er weiter Vorlesungen zur Astronomie. Mit seinem verdienstvollen Wirken, v.a. als Hochschullehrer, trug P. wesentlich zur Bedeutung der Technischen Hochschule Dresden bei. – 1894 bis 1925 war P. nebenamtlich Direktor des Mathematisch-Physikalischen Salons im Dresdner Zwinger. Für das Studienjahr 1907/08 wurde er zum Rektor der Technischen Hochschule gewählt und war danach für ein Jahr Prorektor. P. war Mitglied des Sächsischen Technischen Oberprüfungsamts, des Beirats für das Vermessungswesen in Berlin, der Obereichungskommission sowie der wissenschaftlichen Kommission der Landesaufnahme in Berlin und der Astronomischen Gesellschaft. 1912 gehörte er der deutschen Delegation zur internationalen Zeitkonferenz in Paris an. Er war Vertreter Sachsens im Vorstandsrat des Deutschen Museums München und königlicher Kommissar für die Prüfung hydrometrischer Instrumente an der Prüfanstalt in Dresden-Übigau. 1904 bis 1919 hatte er den Vorsitz im Verein für Erdkunde zu Dresden inne, dessen Ehrenmitglied er später wurde. Daneben amtierte P. als Vorsitzender der Prüfungskommission für Landmesser und gab den „Sächsischen Normalkalender“ heraus. Für seine vielseitigen Verdienste erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, so das Ritterkreuz erster Klasse des Sächsischen Albrechtsordens und Verdienstordens, den Bayerischen Verdienstorden vom heiligen Michael zweiter Klasse und das Komturkreuz zweiter Klasse des Sächsischen Albrechtsordens. 1906 wurde er zum Geheimen Hofrat ernannt. 1925 verlieh die Technische Hochschule Braunschweig P. die Ehrendoktorwürde.



Q  Technische Universität Dresden, Universitätsarchiv, Altbestand 1828-1945, Professorenkatalog und -dokumentation; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Ministerium für Volksbildung; Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Handschriftensammlung, Nachlass Hellmuth Pattenhausen.

W  Das Geodätische Institut der Technischen Hochschule, in: Wissenschaftlicher Führer durch Dresden, 79. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte, Dresden 1907, S. 69-71; Der Königlich Mathematisch-physikalische Salon, in: ebd., S. 114-117; Das Geodätische Institut, in: M. Dülfer/R. Luther, Der Neubau der Königlich Sächsischen Technischen Hochschule Dresden, Bd. 1, Berlin 1914, S. 50-54.

L  P. Werkmeister, Bernhard P. (Nachruf), in: Zeitschrift für Vermessungswesen 55/1926, H. 21, S. 641-643 (P); O. Israel, Bernhard P. (Nachruf), in: Dresdner Kalender 1927, S. 139-142 (P); K. Hassert, Bernhard P. zum Gedächtnis, in: Mitteilungen des Vereins für Erdkunde zu Dresden 1926, Neue Folge 1927, S. 5-7; H. Peschel, Das Geodätische Institut, in: H. Ley (Red.), Festschrift 125 Jahre Technische Hochschule Dresden 1828-1953, Berlin 1953, S. 115-125; ders., 150 Jahre Technische Universität Dresden - 150 Jahre Geodäsie in Lehre und Forschung, in: Vermessungstechnik 26/1978, H. 8, S. 279-281 (P); R. Ogrissek, Leben und Wirken des ord. Professors für Geodäsie Dr.-Ing. E. h. Bernhard P. (1855-1926) an der Technischen Universität Dresden - ein Abriß, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Technischen Universität Dresden 41/1992, H. 4, S. 83-88 (P, WV); H. Rößler, Aus der Geschichte des Geodätischen Instituts der Technischen Universität Dresden, in: Geodäsie im Wandel - Einhundertfünfzig Jahre Geodätisches Institut, Dresden 2002, H. 1, S. 7-36 (P); ders., Zum 150. Geburtstag von Professor Dr.-Ing. E.h. Bernhard P., in: Dresdner Universitätsjournal 16/2005, Nr. 12, S. 9 (P). – DBA II, III; D. Petschel (Bearb.), Die Professoren der TU Dresden 1828-2003, Köln/Weimar/Wien 2003, S. 704f. (P).

P  Porträtfoto, Audiovisuelles Medienzentrum der Technischen Universität Dresden, Archiv; Porträtfoto, 1924, Mathematisch-Physikalischer Salon im Dresdner Zwinger, Fotosammlung (Bildquelle).



Horst Rößler
13.4.2005


Empfohlene Zitierweise:

Horst Rößler, Pattenhausen, Nikolaus Philipp Bernhard, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.8.2017)

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