Nagel Christian August
Bau- und Vermessungsingenieur
* 17.5.1821 Grünberg bei Radeberg 23.10.1903 Dresden Dresden, Alter Annenfriedhof(ev.)
VJohann Christian (1774-1842), Stellmacher, TischlerMJohanna Sophia, geb. Kotte (* 1776)GKarl Christian Gottfried (1803-1883), Kanzlist; Gottlieb Heinrich (1806-1883), Orgelbauer; Johanna Christiana (* 1807); Friedrich Gottlob (1810-1883), Gemeinderat in Grünberg; Christiana Elonora (1814-1877)1845 Elvira Wilhelmine, geb. Reimer (1821-1905)K7 u.a.SPaul Arthur (1856-1918), Reichsanwalt, Justizminister Sachsens; Hanns Bruno (1858-1887), Jurist, AssessorTOlga Cäcilie Eleonore (* 1849); Erna Elwira Frieda (* 1859)
GND: 128654236


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N. gehört zu den großen deutschen Geodäten des 19. Jahrhunderts. Sein Lebenswerk bestand in der 1862 bis 1890 geschaffenen neuen Triangulation I. Ordnung und dem neu bearbeiteten Landeshöhennetz des Königreichs Sachsen einschließlich der Publikation aller Ergebnisse in vier Bänden. Diese Arbeiten stellten den Beitrag Sachsens zur Europäischen Gradmessung für die Neubestimmung von Größe und Figur der Erde dar. 1862 wurde N. zum sächsischen Gradmessungskommissar ernannt. Die gesamte Winkelmessung des Dreiecksnetzes führte er einem Genauigkeitsprinzip folgend selbst aus. Das verlangte von N. außergewöhnliche körperliche Anstrengungen, zumal viele Beobachtungsstationen unter den damaligen Verkehrsverhältnissen nur schwer erreichbar waren. Zudem leistete er alle Gradmessungsarbeiten neben seinem Lehramt als Professor für Geodäsie. Die sächsische Triangulation galt seinerzeit als die genaueste und viele Jahrzehnte als mustergültig. Die Fachwelt zollte N. höchste Anerkennung. Dem sächsischen Vermessungs- und Kartenwesen wurde mit seiner Arbeit eine hervorragende wissenschaftliche und praktische Grundlage gegeben. Das Winkelmessinstrument N.s blieb erhalten und wird in der Kustodie der Technischen Universität Dresden bewahrt. Viele heute noch vorhandene Gradmessungspfeiler und -säulen künden von N.s Schaffen. – 1837 absolvierte N. die Geodätenschule im Schloss Hubertusburg in Wermsdorf. Bis 1841 arbeitete er in der Allgemeinen Sächsischen Landesvermessung. Nach einem Studium der Bauingenieurwissenschaften 1841 bis 1844 an der Königlich Sächsischen Technischen Bildungsanstalt zu Dresden war N. als Ingenieur vornehmlich im ostsächsischen Eisenbahnbau tätig. Während des Studiums bestand er die Feldmesserprüfung erster Klasse. 1849 wurde N. Assistent an der vorgenannten Anstalt bei Johann Andreas Schubert. 1852 folgte seine Ernennung zum ordentlichen Lehrer der Geodäsie. Das war die Geburtsstunde des Geodätischen Instituts mit einem selbstständigen geodätischen Lehrgebiet. 1858 wurde N.s bisheriges Wirken mit der Berufung zum ordentlichen Professor für Geodäsie und Mitglied des Senats gewürdigt. 1875 erreichte N. die Bildung einer eigenständigen Fachrichtung des Vermessungswesens am nunmehrigen Polytechnikum und die Gleichstellung der Vermessungsingenieure mit anderen Ingenieuren im Staatsdienst. 1893 trat er in den Ruhestand. In 44 Jahren Lehrtätigkeit hat N. aus der mehr handwerklichen Vermessungskunst die Geodäsie als Wissenschaft hervorgebracht und eine Vielzahl von Ingenieuren ausgebildet. N.s Wirken als Lehrer verhalf der Geodätenausbildung in Dresden landesweit zu einem vorzüglichen Ruf. An der Entwicklung der Technischen Hochschule hatte er bedeutenden Anteil. – N. war Mitglied der Königlich Sächsischen Normaleichungs-, später Obereichungskommission, der Kommissionen für die Staatsprüfung der Techniker und für die Prüfung der Feldmesser sowie der Kommission der Internationalen Erdmessung. 1854 gründete er den Verein der praktischen Geometer Sachsens. 1888 bis 1893 war N. im Nebenamt Direktor des Mathematisch-Physikalischen Salons im Dresdner Zwinger. Für seine Verdienste um die geodätische Wissenschaft und Praxis erhielt N. zahlreiche Auszeichnungen, so das Ritterkreuz erster Klasse des Friedrichsordens und des Sächsischen Verdienstordens, das Komturkreuz zweiter Klasse des Sächsisch-Ernestinischen Hausordens, des Albrechtsordens und des Sächsischen Verdienstordens sowie den Roten Adlerorden zweiter Klasse. 1874 wurden ihm Titel und Rang eines Regierungsrats und 1884 eines Geheimen Regierungsrats verliehen. Nach N. ist eine Straße in Dresden-Tolkewitz und in seinem Geburtsort Grünberg benannt.



Q  R. Gerke, Feier des 80. Geburtsfestes des Herrn Geheimen Regierungsraths August N., in: Zeitschrift für Vermessungswesen 30/1901, H. 22, S. 581-620 (P, WV); Technische Universität Dresden, Universitätsarchiv, Altbestand 1828-1945, Professorenkatalog und -dokumentation; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Ministerium für Volksbildung.

W  Die Vermessungen im Königreich Sachsen, eine Denkschrift über die Anlage einer rationellen Landesvermessung, Dresden 1876; Astronomisch-Geodätische Arbeiten für die Europäische Gradmessung im Königreich Sachsen, I. Abteilung: Die Großenhainer Grundlinie, Berlin 1882, II. Abteilung: Das Trigonometrische Netz I. Ordnung, Berlin 1890, III. Abteilung: (Bearb.), Die Astronomischen Arbeiten, Berlin 1885, IV. Abteilung: Das Landesnivellement, Berlin 1886.

L  W. Jordan, Rezension der Astronomisch-Geodätischen Arbeiten für die Europäische Gradmessung im Königreich Sachsen, in: Zeitschrift für Vermessungswesen 20/1891, H. 2, S. 47-58; R. Gerke, Christian August N. (Nachruf), in: ebd. 32/1903, H. 23, S. 657-659; H. Kuhlmann, Das sächsische Hauptdreiecksnetz (Nagel), in: ebd. 68/1939, H. 15, S. 466-482; H. Peschel, Das Geodätische Institut, in: H. Ley (Red.), Festschrift 125 Jahre Technische Hochschule Dresden 1828-1953, Berlin 1953, S. 115-125 (P); ders., 150 Jahre Technische Universität Dresden - 150 Jahre Geodäsie in Lehre und Forschung, in: Vermessungstechnik 26/1978, H. 6, S. 181-184 (P); H. Sefkow, Christian August N. - Eine Kurzbiographie, in: ebd. 35/1987, H. 4, S. 130-132 (P); H. Brunner, Historische Landesvermessungen in Sachsen, in: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e.V. 1996, H. 1, S. 1-13; M. Hahn, Christian August N. - ein sächsischer Geodät, Diplomarbeit Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH) 1996 (P); H. Rößler, Aus der Geschichte des Geodätischen Instituts der Technischen Universität Dresden, in: Geodäsie im Wandel - Einhundertfünfzig Jahre Geodätisches Institut, Dresden 2002, H. 1, S. 7-36 (P); B. Zimmermann, Christian August N. und das sächsische Vermessungswesen im 19. Jahrhundert, in: Der Vermessungsingenieur 54/2003, H. 5, S. 385-389; R. F. Helbig, Christian August N., in: Festschrift 150 Jahre Gradmessung in Sachsen, hrsg. vom Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen, Dresden 2012, S. 66-81 (P). – DBA II; DBE 7, S. 333; D. Petschel (Bearb.), Die Professoren der TU Dresden 1828-2003, Köln/Weimar/Wien 2003, S. 671f. (P).

P  Porträtfoto, Audiovisuelles Medienzentrum der Technischen Universität Dresden, Archiv; Porträtfoto, Universitätsarchiv der Technischen Universität Dresden, Fotosammlung (Bildquelle).



Horst Rößler
7.6.2012


Empfohlene Zitierweise:

Horst Rößler, Nagel, Christian August, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.6.2017)

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