Mingotti Angelo
Opernimpresario
* um 1700 Venedig nach 1767
GPietro (um 1702-1759), Opernimpresario
GND: 120517981


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M. leitete eine fahrende italienische Operntruppe, die durch Deutschland und angrenzende Länder zog, um in größeren Städten ihre Bühnenwerke aufzuführen. Nicht vollständig geklärt ist, ob M. und sein Bruder Pietro zwei verschiedene Operngesellschaften leiteten oder ob es sich um eine Gesellschaft handelte, die in zwei Truppen unterwegs war. M. gründete seine Gruppe 1732 in Prag. 1732 bis 1736 gab er Vorstellungen in Brünn (tschech. Brno) und weihte dort das Opernhaus „Theater an der Tafern“ ein. Während dieser vier Jahre spielte er wahrscheinlich nicht in anderen Städten. Nachdem die Verträge ausgelaufen waren, zählten Hamburg (1740, 1750), Graz (1745, 1746) und auch Prag (1745, 1746) zu seinen Aufführungsorten. In Sachsen führte er 1746 Opern während der Leipziger Messe auf, 1745 und 1747 in Zusammenarbeit mit seinem Bruder. In Leipzig errichteten sie ein hölzernes Theater im Reithaus am Rhannischen Thor am Zwinger (heute Tröndlingring) für die Opernaufführungen. 1746 baute M. in Dresden am Zwinger ein ähnliches, provisorisches Theater mit drei Etagen, das nach einer Vorstellung bei seinem zweiten Gastspiel in der Residenzstadt 1748 völlig abbrannte. Nach 1748 ist keine Aufführung M.s in Sachsen mehr belegbar. Letztmalig wurde seine Gesellschaft 1767 in Bonn erwähnt. Dort hatte M. bereits 1764 bis 1765, eventuell gemeinsam mit Ludwig van Beethovens Vater Johann, gearbeitet. – M. brachte v.a. Opere serie, einige Opere buffe und Singspiele auf die Bühne. Wie alle italienischen Operngesellschaften spielte auch M. nur zu bestimmten Saisonzeiten - im Frühling, Herbst und zum Karneval. Etwa acht Sängerinnen und Sänger gehörten regelmäßig zur Truppe, einige Male sind auch Tänzer in den Textbüchern genannt, wie z.B. 1746 in Dresden. Instrumentalisten wurden wahrscheinlich am jeweiligen Spielort verpflichtet. Über M.s Operngruppe ist weniger bekannt als über die seines Bruders Pietro. Unklar ist, inwieweit diese insgesamt künstlerisch unbedeutender war oder ob sie tatsächlich nur zeitweise getrennt von der Truppe Pietros Vorstellungen gab.



L  J. F. Schütze, Hamburger Theater-Geschichte, Hamburg 1794, S. 193-207; M. Fürstenau, Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe zu Dresden, 2 Bde., Dresden 1861-1862 (ND Leipzig 1979); E. H. Müller, Angelo und Pietro Mingotti, Dresden 1917; O. Landmann, Quellenstudien zum Intermezzo Comico per Musica und zu seiner Geschichte in Dresden, Diss. Rostock 1972, S. 103-108; K. H. Viertel, Anmerkungen zum Dresdner Opernpublikum während der Direktionszeit Johann Adolf Hasses, in: G. Stephan/H. John (Hg.), Dresdner Operntraditionen, 9. Sonderheft, Dresden 1985, S. 108-118; S. Dahms, „Le nozze d’ercole e d’ebe“ und das Gastspiel der Mingotti-Truppe in Dresden und Pillnitz, in: ebd., 11. Sonderheft, Dresden 1987, S. 439-449.



Nicole Preuß
25.5.2009


Empfohlene Zitierweise:

Nicole Preuß, Mingotti, Angelo, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (25.3.2017)

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