Borsdorf (Borssdorf, Borßdorf, Borssdorff, Borschdorf) Ernst Alfred
Maler, Holzschneider, Radierer
* 18.11.1881 Cölln bei Meißen 6.12.1950 Meißen(ev.)
VFriedrich Carl Ernst (1850-1929), LandwirtMAmalie, geb. Gehre (1852-1915)Maria Margarethe, geb. Damm (1896-1968), RomanistinTMonique (* 1926), Übersetzerin
GND: 129313467

B. studierte 1899 bis 1907 an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in Dresden. Sein Lehrer im Malsaal war Leon Pohle. Seit März 1903 Atelierschüler bei Gotthardt Kuehl, wurde er zwecks Teilnahme am Sommerkurs 1903 an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München beurlaubt. Während des Studiums war er mit Max Pechstein befreundet, den er finanziell unterstützte. 1908 bezog B. das Atelierhaus im Gutshof der Familie in Meißen, Lutherplatz 4, wo er seinen Ruf als Porträtist begründete. Studienreisen führten ihn nach Paris (1909), München (1910), Hamburg, Oslo (1913) und Stockholm (1913). Im Ersten Weltkrieg als Kartograf und Telegrafist eingesetzt, dokumentierte B. die Verwüstungen an den Fronten des Ostens und Westens, porträtierte Kameraden und Offiziere („Dr. Ahlhorn aus Remagen. Vor Cambrai“, 1918). 1919 nahm B. seine freischaffende Tätigkeit in Meißen wieder auf, die er bis an sein Lebensende ausübte. – Er malte in postimpressionistischen Traditionslinien Porträts, Landschaften und Stillleben. Verhalten aufgetragene Farben spielen mit dem Reichtum von Linien und Licht. Intensive Farbklänge setzte B. sparsam ein, doch dann mit kraftvoller Entschiedenheit. Als Porträtist erforschte er die Innenwelt des Darzustellenden wie im Bildnis des Elbfischers Max Starke (1941). Die zarte Palette des Pastells nutzte B., um die Anmut von Kindern und den Charme junger Frauen zur Geltung zu bringen („Margret Elisabeth von Miltitz“, 1943). Im Gartenbild („Hinter der Scheune“, 1928) steigern intensives Blau und verschattetes Violett die Wirkung der üppigen Grüntöne und die Leuchtkraft der Blumen. In der Landschaft griff B. Motive seiner sächsischen Heimat auf wie das Ensemble von Dom und Albrechtsburg in Meißen („Blick von Proschwitz auf das Burgmassiv“, 1943) oder „Elblandschaften“ (1919, 1928), die wie seine Bildnisse ein lebhaftes Echo in der zeitgenössischen Presse hervorriefen. – Den Grafiker B. kennzeichneten virtuose Zeichenkunst, ausgefeilte handwerkliche Kultur sowie Vielseitigkeit in der Beherrschung technischer Fertigkeiten. Farbholzschnitte der frühen Jahre („The American“, 1906, und „Maler Buchwald“, 1906) lassen Anklänge des Jugendstils, Schwarz-Weiß-Holzschnitte, Bildnisse und Landschaften der Nachkriegsepoche Elemente des Expressiven Realismus erkennen. Die Technik des Holzschnitts bevorzugte B. für die Darstellung nächtlicher Szenen („Der Burgberg bei Nacht“, 1923). Die Teilnahme B.s an den Ausstellungen der Künstlervereinigung Dresden (1910, 1912, 1913 und 1914) sowie in privaten Galerien, wie die von Emil Richter, verweisen auf seine Zugehörigkeit zu den progressiven Kräften der Dresdner Kunstszene. Mit der zögerlichen Wiederbelebung des Ausstellungsbetriebs nach dem Ersten Weltkrieg ab 1925 wurden B.s Arbeiten erneut der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und in zahlreichen Presseveröffentlichungen gewürdigt. Die Durchdringung aller Lebensbereiche durch den Nationalsozialismus ab 1933 ließ auch B. nicht unberührt, wie aus verschiedenen Auftragsarbeiten, u.a. zur künstlerischen Ausgestaltung der Kaserne Meißen-Zaschendorf, ersichtlich ist. Diese Aufträge waren ihm als amtierendem Vorsitzenden des Meißner Kunstvereins zugefallen, dem er seit den 1920er-Jahren angehörte. Dennoch enthielt er sich in dieser ab 1931 wahrgenommenen Funktion systemfreundlicher Vereinsaktivitäten, sodass die NSDAP-Kreisleitung 1938/40 die Auflösung der bisherigen und die Neugründung eines NS-geführten Kunstvereins betrieb. Indem B. sich so der ideologischen Bevormundung in künstlerischen Belangen entzog, gelang es ihm, seine thematische und stilistische Eigenständigkeit zu wahren. Zusammen mit Albert Mücke, dem späteren Oberbürgermeister der Stadt Meißen, und dem Stadtarchivar Helmut Gröger begab sich B. am 25.4.1945 ins Rathaus, um (erfolglos) gegen die drohende Brückensprengung Einspruch zu erheben. Außerdem gehörte er zu der Gruppe von Bürgern, die den beim Bombardement auf Dresden entwichenen politischen Häftlingen konspirativ Lebensmittel zukommen ließ. – Der Missachtung in den Nachkriegsjahren unter der sowjetischen Besatzungsmacht und in der DDR folgt nunmehr die zunehmende Wiederbeachtung von B.s künstlerischem Werk, wie Ausstellungen des Stadtmuseums Meißen 2005, 2006 und 2007 zeigen. Das Stadtmuseum Meißen verwahrt seinen Nachlass.



Q  Stadtmuseum Meißen, Nachlass B; Hochschule für Bildende Künste Dresden, Hochschularchiv; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Kunstakademie Dresden, Akte 111, Matrikel Vol. III der Akademie der bildenden Künste zu Dresden, Zur Beurkundung der B. verliehenen Kleinen Silbermedaillen 1906 und 1907; Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett, Inventar B.

W  The American, sitzender Mann vor olivfarbenem Grund, 1906, Holzschnitt in Farben, Hochschule für Bildende Künste, Dresden; Maler Buchwald (Gustav Meyer-Buchwald), 1906, Holzschnitt in Farben, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. A 1906-205; Akt auf grünem Sofa, um 1909, Öl auf Leinwand, Privatbesitz Niederstetten; Blumen in Bunzlauer Vase, 1912, Öl auf Leinwand, Privatbesitz Meißen; Die Alster Hamburg, 1913, Öl auf Karton, Privatbesitz Goffinet, Bad Mergentheim; Jahrmarkt in Lorenzkirch, 1913, Öl auf Karton, Privatbesitz Weikersheim; Dame mit Monokel, 1914, Radierung, Privatbesitz Goffinet, Bad Mergentheim; Gehöft mit Ziehbrunnen, Galizien, 1916, Kohle, Militärhistorisches Museum der Bundeswehr Dresden, Inv.-Nr. BAAK9586; Kamerad Dr. Ahlhorn aus Remagen. Vor Cambrai, 1918, Kohle, weiß gehöht, Privatbesitz Goffinet, Bad Mergentheim; Elblandschaft, 1919, Öl auf Leinwand, Privatbesitz Nürnberg; Sonniger Garten, 1919, Öl auf Leinwand, Privatbesitz Weikersheim; Bildnis meines Vaters Ernst Borsdorf, 1919, Kohle, gehöht mit Kreide, Stadtmuseum Meißen, Inv.-Nr. 291/06; Blick auf die Stadt von der Schlossbrücke, Holzschnitt, Stadtarchiv Meißen, Inv.-Nr. XIV d 1; Eisenwerk Riesa, 1925, Öl auf Leinwand, Stadtmuseum Meißen, Inv.-Nr. 13/92; Hinter der Scheune, 1928, Öl auf Leinwand, Privatbesitz Goffinet, Bad Mergentheim; 1000-Jahrfeier der Stadt Meißen, 1929, Einseitige Eisengussplakette; Freiberg vom Petriturm, 1936, Holzschnitt, Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg, Inv.-Nr. 2003/2; Elbfischer Max Starke, 1941, Öl auf Leinwand, Privatbesitz Weikersheim; Bildnis eines jungen Mädchens, 1942, Kohle, gehöht mit Kreide, Stadtmuseum Meißen, Inv.-Nr. 284/06; Bildnis Herbert, 1944, Pastell, Stadtmuseum Meißen, Inv.-Nr. 309/06; Bildnis Franz Naumann, 1946, Öl auf Leinwand, Privatbesitz Kiel; Bildnis Sabine Krohn, 1947, Pastell, Privatbesitz Wismar; Blick von Proschwitz auf das Burgmassiv, 1943, Öl auf Leinwand, Stadtmuseum Meißen, Inv.-Nr. 2459; Mohnblumen mit weißer Pfingstrose, um 1948, Öl auf Leinwand, Privatbesitz Meißen. – Ausstellungskataloge: Künstlervereinigung Dresden 1910, Große Berliner Ausstellung 1912, Große Kunstausstellung Dresden 1912, Künstlervereinigung Dresden 1913 (Zeichnende Kunst), Große Aquarellausstellung 1913, Künstlervereinigung Dresden 1914, Stadtmuseum Meißen 1929, 1933, 1944, 1947, 1948, 2005, 2006, 2007. – Auktionskataloge: Münzzentrum Rheinland, Deutsche Kunstmedaillen, Auktion 122, Solingen-Ohligs, Juli 2004; 141. DAWO-Auktion, Kunst - Antiquitäten - Varia, Saarbrücken, Juli 2004; Auktionshaus Karrenbauer, 203. Auktion, Kunst und Antiquitäten, Konstanz, Juni 2005.

L  M. Papenbrock/G. Saure (Hg.), Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen, Bd. 1, Weimar 2000, S. 119, 125, 126, 130, 398; M. Altner, Dresden. Von der Königlichen Kunstakademie zur Hochschule für Bildende Künste, Dresden 1990, S. 222; U. Neidhardt, Verzeichnis der Atelier-Schüler Gotthardt Kuehls an der Dresdner Kunstakademie, in: G. Gerkens/H. Zimmermann (Hg.), Gotthardt Kuehl 1850-1915, Leipzig 1993, S. 220f.; J. Schärer, Auf den Punkt gebracht, Meißen 2000, S. 254f.; G. Steinecke, Unser Meißen, Meißen 2004, S. 24, 45, 129, 137; ders., Willi Lang, in: Jahresschrift Franziskaneum Meißen 2005/2006, S. 14; M. Goffinet (Hg.), Der Maler und Grafiker Alfred B. 1881-1950, CD-ROM, Bad Mergentheim 2008 (WV, Bildquelle); www.alfred-borsdorf.de (1.6.2007). – W. O. Dressler (Hg.), Dresslers Kunsthandbuch, Bd. 2, 9/1930, S. 109; H. Vollmer (Hg.), Allgemeines Künstlerlexikon der Bildenden Künste des XX. Jahrhunderts, Bd. 1, Leipzig 1953, S. 272; AKL, Bd. 13, München/Leipzig 1996, S. 124.

P  Selbstbildnis, um 1900, Öl auf Leinwand, Stadtmuseum Meißen.



Monique Goffinet
17.2.2010


Empfohlene Zitierweise:

Monique Goffinet, Borsdorf (Borssdorf, Borßdorf, Borssdorff, Borschdorf), Ernst Alfred, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.7.2017)

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