Fromme Albert Bernhard
Chirurg
* 25.11.1881 Gießen 5.5.1966 Holzminden Gießen(ev.)
VCarl (* 1852), Professor für PhysikMHenriette (Henny), geb. Bandmann (* 1853)G31917 Helene (Lenka), geb. Boeker, verw. Loeb (* 1888), ÄrztinSFriedrich Karl (1930-2007), JournalistTGisela (* 1918), Ärztin; Ingeborg (* 1919), Chemikerin; Christa (* 1920), ÄrztinStiefSGeorg Lorenz Loeb (* 1912), Arzt
GND: 116839589

F., ein bedeutender Chirurg, der noch das gesamte Fachgebiet beherrschte, war seit 1921 langjähriger Chefarzt der Chirurgie im Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt und 1944 bis 1948 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Er wurde der erste Rektor der 1954 in Dresden gegründeten Medizinischen Akademie Carl Gustav Carus. – F. legte 1900 in Gießen seine Reifeprüfung ab und studierte hier sowie in Berlin bis 1905 Medizin. Am 19.1.1905 erhielt er die Approbation als Arzt. Im gleichen Jahr promovierte er in Gießen mit dem Thema „Über das fettspaltende Ferment der Magenschleimhaut“. Anschließend leistete er seinen einjährigen Militärdienst. Danach war er ein Jahr Assistent am Hygiene-Institut in Göttingen und erlernte u.a. bakteriologische Untersuchungsmethoden. 1907 arbeitete er als Assistent in der Chirurgie des Johannishospitals in Bonn unter August Bier und Carl Garré. Seit 1908 wirkte er an der chirurgischen Universitätsklinik in Göttingen, die bis 1911 von Heinrich Braun und danach von Rudolf Stich geleitet wurde. Nach der kumulativen Habilitation 1910 in Göttingen erhielt er zwei Jahre später die Facharztanerkennung als Chirurg und 1913 die Ernennung zum Oberarzt. Da Stich zum Militärdienst eingezogen wurde, leitete F. die Klinik kommissarisch bis 1918. 1915 wurde er zum Professor ernannt. – 1921 ging F. als Chefarzt an die chirurgische Klinik des Krankenhauses in Dresden-Friedrichstadt und blieb hier bis zu seinem Ruhestand 1956. Es gelang ihm in den schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, die Klinik auf ein universitäres Niveau zu führen und eine „Dresdner Schule“ von Chirurgen zu begründen. Daraus gingen bedeutende Vertreter des Fachs wie der spätere Nobelpreisträger Werner Forßmann hervor. F. gehörte darüber hinaus zu den Gründungsmitgliedern der 1924 eingerichteten Fortbildungsakademie für Ärzte in Dresden. Seine Stellung als in ganz Deutschland anerkannter Fachmann zeigt seine Wahl zum Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie anlässlich einer Tagung in Dresden 1943. Auf den Jahreskongressen hielt er grundlegende Referate, so etwa zur Magenchirurgie 1939 und zu stumpfen Bauchverletzungen 1943. Aus seiner Feder stammen etwa 90 wissenschaftliche Arbeiten. – F., der kein Mitglied der NSDAP war, hielt stets Verbindung zu seinem Stiefsohn Georg Lorenz Loeb, der „Halbjude“ war und später in den USA lebte. – Im Februar 1945 wurde F.s Wohnung in der Altenzeller Straße 23 durch Bomben zerstört, während das Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt nur teilweise getroffen wurde. Daraufhin zog er mit seiner Familie in das Krankenhaus und lebte dort bis 1953 in einer Oberarztwohnung, bevor er sich anschließend im Stadtteil Weißer Hirsch (Collenbuschstraße 7) niederließ. Als Ärztlicher Direktor trug er 1945 bis 1954 die Verantwortung für den gesamten Krankenhausbetrieb. – F. veröffentlichte 1953 sein Buch über die Entstehung der Krebserkrankung. Hier betonte er gegenüber der von Karl Heinrich Bauer vertretenen Mutationstheorie des Krebses die Rolle des mesenchymalen Gewebes und der Abwehrmechanismen. Forschungen der letzten Jahre, die die Bedeutung des Immunsystems für das Krebswachstum hervorhoben, bestätigten die damals zukunftweisenden Ansichten von F. 1953/54 setzte sich F. mit Wilhelm Christian Crecelius und Eduard Grube für die Gründung einer medizinischen Akademie in Dresden ein. Ursprünglich war Frankfurt/Oder als Standort vorgesehen, doch konnte F. mit seiner Rede am 29.8.1953 in Berlin die Regierungsvertreter und die medizinischen Sachverständigen von Dresden überzeugen. Bei der Gründung der Akademie am 7.9.1954 wurde er als Rektor und Lehrstuhlinhaber für Chirurgie eingesetzt und blieb bis zur ersten Rektorenwahl 1956 im Amt. Im gleichen Jahr wurde er als Hochschullehrer emeritiert. Mit 74 Jahren trat er auch als Klinikchef in den Ruhestand. Zusammen mit seiner Frau zog er 1965 zu seiner Tochter nach Holzminden. Hier verstarb er im darauffolgenden Jahr. – Die Verdienste von F. sind mehrfach gewürdigt worden. 1950 erhielt er den Titel „Verdienter Arzt des Volkes“, 1954 wurde er „Hervorragender Wissenschaftler des Volkes“. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie wählte ihn 1955 zum Ehrenmitglied. Zum 80. Geburtstag 1961 verlieh ihm die Medizinische Akademie Dresden die Ehrendoktorwürde. Seit 1950 war er außerdem Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig, seit 1952 der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und seit 1955 der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Er war Mitherausgeber der Zeitschriften „Zentralblatt für Chirurgie“ in Leipzig und „Medizinische Praxis“ in Dresden.



Q  Technische Universität Dresden, Universitätsarchiv, Außenstelle Medizinische Fakultät/Universitätsklinikum, Personalakte Nr. 1737, Albert F.

W  Über das fettspaltende Ferment der Magenschleimhaut, Diss. Gießen 1905; Spätrachitis und Osteochondritis, in: Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie 44/1920, S. 119-140; Anleitung zur frühzeitigen Erkennung der Krebskrankheit, Leipzig 1932; Das Mesenchym und die Mesenchymtheorie des Karzinoms, Dresden 1953; Geschichte und Entwicklung der Medizinischen Akademie in Dresden, in: Zeitschrift für ärztliche Fortbildung 49/1955, S. 361-370.

L  W. Forßmann, Selbstversuch. Erinnerungen eines Chirurgen, Düsseldorf 1972; K. H. Herzog/C. E. Richter, In memoriam Albert F. 1881-1981, in: Das Deutsche Gesundheitswesen 37/1982, S. 336f.; A. Scholz/F. K. Fromme, A. F., der Gründungsrektor der Medizinischen Akademie, in: Geschichte der Technischen Universität Dresden in Dokumenten, Bildern und Erinnerungen, Bd. 3, Dresden 1996, S. 107-112 (P); A. Scholz/C.-P. Heidel/M. Lienert (Hg.), Vom Stadtkrankenhaus zum Universitätsklinikum. 100 Jahre Krankenhausgeschichte in Dresden, Köln u.a. 2001; M. Sachs, Prof. Dr. med. Albert Bernhard F., in: ders. u.a. (Hg.), Deutsche Gesellschaft für Chirurgie 1933-1945. Die Präsidenten, Heidelberg 2011, S. 199-206; C.-P. Heidel/M. Lienert (Hg.), Die Professoren der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus Dresden und ihrer Vorgängereinrichtungen 1814-2013, Dresden 2014 (P). – DBA II, III; DBE 3, S. 510; Sächsische Lebensbilder, Bd. 6, S. 233-255, Stuttgart 2009.

P  Albert F., Pressearchiv E. Höhne/E. Pohl, 1959/60, Fotografie, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Harald Thulin
30.11.2016


Empfohlene Zitierweise:

Harald Thulin, Fromme, Albert Bernhard, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (29.4.2017)

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