Helbok Adolf
Historiker, Volkskundler
* 2.2.1883 Hittisau/Vorarlberg (Österreich) 29.5.1968 Götzens/Tirol (Österreich)(kath.)
VAdolf, kaiserlich-königlicher Sektionsleiter in BregenzTheodora Josefa, geb. Flossmann
GND: 119507064


Verknüpfte Personen im Text:






H. war Sohn eines großdeutsch gesinnten Finanzbeamten, der wiederum aus bäuerlichem Milieu stammte. H. studierte in Innsbruck und Wien Geschichte und klassische Philologie. Er promovierte 1910, wobei seine Dissertation aufgrund ihrer demografischen Zugangsweise als innovativ bezeichnet werden kann. Nach der Promotion verbrachte H. zwei Jahre in Rom, wo er Hermann Aubin kennenlernte, was H.s zukünftige Forschungen stark beeinflussen sollte. Die Habilitation für Österreichische Geschichte und Wirtschaftsgeschichte schloss er 1919 ab. 1923 war er maßgeblich an der Gründung des Instituts für geschichtliche Siedlungs- und Heimatkunde der Alpenländer beteiligt, wo er 1924 auch zum beamteten außerordentlichen Professor ernannt wurde. – H. war begeisterter Nationalsozialist und trat kurz nach deren Machtübernahme in Deutschland in die österreichische NSDAP ein. Aufgrund dieser Sympathien verlor er 1934 seine Stelle an der Universität Innsbruck und wurde nahezu zeitgleich zu Gastvorlesungen nach Berlin gerufen. Von dort aus ging er 1935 als Nachfolger von Rudolf Kötzschke nach Leipzig an das umbenannte Institut für Deutsche Landes- und Volksgeschichte. Schon vor seiner Berufung hatte er seine Grundzüge einer deutschen Volksgeschichte formuliert, in der die Rassenideologie eine zentrale Rolle spielte. In Leipzig wollte H. seine Vorstellungen von einer Landesgeschichte und Volkskunde auf rassischer Grundlage verwirklichen und plante die Errichtung eines „Reichsinstituts für Volksforschung“, in welches auch der „Atlas der Deutschen Volkskunde“ Eingang finden sollte. H. vertrat ein interdisziplinäres Programm einer Volksgeschichte, die er als Entwicklungsgeschichte des Volksleibes als Organismus aus seinen naturhaften und seelischen Grundlagen heraus verstand. H.s Pläne für Leipzig ließen sich allerdings nicht verwirklichen: Weder konnte er das Atlasprojekt nach Leipzig holen noch die Umstrukturierung des Leipziger Instituts in die Wege leiten. Vor allem gegen die Pläne, die sächsische Landesgeschichte damit an den Rand zu drängen, regte sich zunehmend Widerstand. So traf es sich für H. wiederum glücklich, dass er 1941 auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Volkskunde und Volkstumsgeschichte nach Innsbruck berufen wurde. Dort lehrte er noch bis zum 23.7.1945, ehe er seinen Lehrstuhl aufgeben musste. H. arbeitete danach noch am „Österreichischen Volkskundeatlas“ mit und verfolgte seine „Genialenforschung“, die von der volkskundlichen Kollegenschaft mit großer Skepsis aufgenommen wurde. – In seinen historisch orientierten Volksforschungen verfolgte H. den Ansatz einer Volksgeschichte, die den von Menschen gestalteten Raum ebenso berücksichtigte wie den Menschen als Teil der Natur. Diese Konzeption war aber nicht nur, wie bereits vor 1933 üblich, national und völkisch geprägt, sondern auch rassisch und biologisch. H. muss, trotz der Auseinandersetzungen, die es innerhalb der NS-Wissenschaftler und den verschiedenen Institutionen gab, als einer der führenden nationalsozialistischen Volkskundler und Landeshistoriker betrachtet werden, der seine rassistischen Forschungsprämissen bis an sein Lebensende nicht aufgab.



W  Die Bevölkerung der Stadt Bregenz am Bodensee vom 14. bis zum Beginne des 18. Jahrhunderts, Diss. Innsbruck 1912; Aufbau einer deutschen Landesgeschichte aus einer gesamtdeutschen Siedelungsforschung, Dresden 1925; Siedelungsgeschichte und Volkskunde, Dresden 1928; Was ist deutsche Volksgeschichte?, Berlin/Leipzig 1935; F. Ranzi/M. Gröhsl (Hg.), Erinnerungen. Ein lebenslanges Ringen um volksnahe Geschichtsforschung, im Auftrag seiner Innsbrucker, Berliner und Leipziger Schüler, Innsbruck o. J. [1963] (P).

L  L. Schmidt, Adolf H. †, in: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde 71/1968, S. 177-179; W. Meixner, „...eine wahrhaft nationale Wissenschaft der Deutschen...“. Der Historiker und Volkskundler Adolf H. (1883-1968), in: Skolast 34/1990, S. 126-133; E. Ludwig, Adolf H. (1883-1968) und die „Gleichschaltung“ des Seminars für Landesgeschichte und Siedlungskunde an der Leipziger Universität (1935-1941), in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin 40/1991, Heft 11, S. 81-91; W. Oberkrome, Volksgeschichte, Göttingen 1993; R. Johler, Zur Entstehung der Volkskunde an der Sprachgrenze, in: W. Jacobeit/H. Lixfeld/O. Bockhorn (Hg.), Völkische Wissenschaft, Wien/Köln/Weimar 1994, S. 407-415; R. Johler, Geschichte und Landeskunde: Innsbruck, in: ebd., S. 449-462; ders., „Volksgeschichte“: H.s Rückkehr nach Innsbruck, in: ebd., S. 541-547; ders., „Tradition und Gemeinschaft“: Der Innsbrucker Weg, in: ebd., S. 589-601; K. Fehn, „Volksgeschichte“ im Dritten Reich als fächerübergreifende Wissenschaftskonzeption am Beispiel von Adolf H., in: G. Hirschfelder/D. Schell/A. Schrutka-Rechtenstamm (Hg.), Kulturen – Sprachen – Übergänge, Köln/Weimar/Wien 2000, S. 567-580; K. Fehn, „Biologische Volkstumsgeschichte“ in Leipzig, in: R. Aurig/R. Butz/I. Gräßler/A. Thieme (Hg.), Im Dienste der historischen Landeskunde, Beucha 2002, S. 471-479. – DBA II, III, DBE 4, S. 555.



Johannes Moser
24.5.2004


Empfohlene Zitierweise:

Johannes Moser, Helbok, Adolf, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.10.2017)

Wikipedia Link