Ludwig Katz

Der Dresdner Rechtsanwalt und Notar Ludwig Katz gehörte in der Weimarer Republik als Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (später Deutsche Staatspartei) und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold zu den wenigen republiktreuen Juristen. Nach 1933 wurde er als Jude verfolgt und kam 1942 im Lager Salaspils (Lettland) ums Leben. – Katz war der einzige Sohn des jüdischen Textilkaufmanns Isidor Katz. Beide Eltern stammten aus Schlesien. Der Arzt Willy Katz war sein Cousin. Als Katz drei Jahre alt war, zog die Familie aus seiner Geburtsstadt Zittau nach Dresden. Nach dem Abitur am dortigen Kreuzgymnasium 1905 studierte er bis 1908 in Leipzig, München und Berlin Jura. Während Katz den juristischen Vorbereitungsdienst absolvierte, wurde er 1910 an der Universität Leipzig mit einer Arbeit über das internationale Prisengericht promoviert. Nach der zweiten Staatsprüfung 1913 erhielt Katz die Zulassung als Rechtsanwalt beim Königlichen Amts- und Landgericht in Dresden und gründete in der Waisenhausstraße 36 eine Kanzlei. Im Ersten Weltkrieg diente er im 2. Grenadier-Regiment Nr. 101 und erhielt 1915 die Friedrich-August-Kriegsmedaille. Nach Kriegsende eröffnete Katz in Dresden eine Kanzlei in der Wilsdruffer Straße 17. 1921 heiratete er Elisabeth Flasch, die Tochter eines jüdischen Landwirts und Kaufmanns, mit der er zwei Söhne bekam. Seit 1928 war Katz auch als Notar tätig. – Um 1919 schloss sich Katz der neu gegründeten Deutschen Demokratischen Partei an. Später wurde er auch Mitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Darüber hinaus war er in der Dresdner Ortsgruppe des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten aktiv. – Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten konnte Katz auf der Basis des sog. Frontkämpferprivilegs zunächst weiter als Rechtsanwalt praktizieren. Ende 1935 wurde ihm mit anderen Dresdner jüdischen Juristen, darunter Friedrich Salzburg, das Notariat entzogen. Katz übernahm seit der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre in der durch Flucht zunehmend dezimierten jüdischen Gemeinde mehr Verantwortung, so als Vorstandsmitglied der Fraternitas-Loge. 1937 wurde er Vertreter der „Liberalen Gruppe“ im Gemeinderat. Nach der Pogromnacht vom 9./10.11.1938 wurde Katz als sog. Aktionsjude in das KZ Buchenwald verschleppt. Nach seiner Entlassung im folgenden Monat versuchte Katz vergeblich, für seine Familie und die seiner Schwägerin eine Fluchtmöglichkeit zu organisieren. Zu diesem Zeitpunkt fehlte ihm nach Einschätzung seines älteren Sohns bereits die Kraft für einen Neuanfang. Ende November 1938 wurde Katzʼ Zulassung als Rechtsanwalt zurückgenommen. Kurze Zeit arbeitete er noch als sog. Konsulent. Victor Klemperer erinnerte sich, dass Katz, der in dieser Zeit erster stellvertretender Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde zu Dresden wurde, Gemeindemitglieder in Auswanderungsfragen beriet. Am 21.1.1942 wurde Katz mit seiner Frau und den beiden Söhnen in das Ghetto Riga deportiert. Von dort wurde er in das benachbarte Lager Salaspils verschleppt, wo er nur noch kurze Zeit überlebte. Die näheren Umstände seines Tods sind ungeklärt. – Seit Mai 2025 erinnert ein Stolperstein in der Fetscherstraße 25 in Dresden, seinem letzten frei gewählten Wohnsitz, an Katz.

Quellen Arolsen Archives, ITS Digital Archives, Teilbestand 1.1.5.1. Listenmaterial Buchenwald, 5278221; Teilbestand 6.3.3. Fallbezogene Akten des ITS ab 1947, Such- und Bescheinigungsvorgang Nr. 685.889 für Katz, Ludwig; Bundesarchiv Koblenz, R 3001 Reichsministerium der Justiz/62711; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 11045 Amtsgericht Dresden, Nr. 1412, VR 1917; Universitätsarchiv Leipzig, Rep. M 28 82388, Rep. M 28 82388; Interview mit Leonard Katz, 16.3.1992, United States Holocaust Memorial Museum; Interview mit Leonard Katz, 29.5.2001, USC Shoah Foundation, Visual History Archive. – Deutsche Demokratische Partei, in: DNN 27.11.1919, S. 4; Amtliche Bekanntmachungen, in: Sächsische Volkszeitung 13.2.1936, S. 8; Dresden, in: Die Jüdische Gemeinde 2.12.1937, S. 3; Bekanntmachung betr. Ersatzwahlen zum Gemeinderat und Gemeindevorstand, in: Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Dresden 22.12.1937, S. 2; Walter Nowojski/Hadwig Klemperer (Hg.), Victor Klemperer. Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1942-1945, Berlin 1995.

Werke Der internationale Prisenhof, Diss. Leipzig 1910.

Literatur Katz, Ludwig, in: Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, hrsg. vom Bundesarchiv; Familie Katz, Ludwig, in: Buch der Erinnerung. Juden in Dresden deportiert, ermordet, verschollen (1933-1945), hrsg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V., Leipzig 2025, S. 274f.

Porträt Ludwig Katz mit seiner Frau und seinem Sohn Lothar, um 1925, Fotografie, Privatbesitz (Bildquelle).

Birgit Sack
22.9.2026


Empfohlene Zitierweise:
Birgit Sack, Artikel: Ludwig Katz,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/29484 [Stand 22.09.2026, Aufruf 27.10.2026].

Ludwig Katz



Quellen Arolsen Archives, ITS Digital Archives, Teilbestand 1.1.5.1. Listenmaterial Buchenwald, 5278221; Teilbestand 6.3.3. Fallbezogene Akten des ITS ab 1947, Such- und Bescheinigungsvorgang Nr. 685.889 für Katz, Ludwig; Bundesarchiv Koblenz, R 3001 Reichsministerium der Justiz/62711; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 11045 Amtsgericht Dresden, Nr. 1412, VR 1917; Universitätsarchiv Leipzig, Rep. M 28 82388, Rep. M 28 82388; Interview mit Leonard Katz, 16.3.1992, United States Holocaust Memorial Museum; Interview mit Leonard Katz, 29.5.2001, USC Shoah Foundation, Visual History Archive. – Deutsche Demokratische Partei, in: DNN 27.11.1919, S. 4; Amtliche Bekanntmachungen, in: Sächsische Volkszeitung 13.2.1936, S. 8; Dresden, in: Die Jüdische Gemeinde 2.12.1937, S. 3; Bekanntmachung betr. Ersatzwahlen zum Gemeinderat und Gemeindevorstand, in: Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Dresden 22.12.1937, S. 2; Walter Nowojski/Hadwig Klemperer (Hg.), Victor Klemperer. Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1942-1945, Berlin 1995.

Werke Der internationale Prisenhof, Diss. Leipzig 1910.

Literatur Katz, Ludwig, in: Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, hrsg. vom Bundesarchiv; Familie Katz, Ludwig, in: Buch der Erinnerung. Juden in Dresden deportiert, ermordet, verschollen (1933-1945), hrsg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V., Leipzig 2025, S. 274f.

Porträt Ludwig Katz mit seiner Frau und seinem Sohn Lothar, um 1925, Fotografie, Privatbesitz (Bildquelle).

Birgit Sack
22.9.2026


Empfohlene Zitierweise:
Birgit Sack, Artikel: Ludwig Katz,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/29484 [Stand 22.09.2026, Aufruf 27.10.2026].