Meinher von Werben

M. erwarb als Burggraf von Meißen eine wichtige Stellung im Herrschaftsgefüge Mitteldeutschlands und war als Besitzer der Grafschaft Hartenstein entscheidend an der kolonisatorischen Erschließung des Westerzgebirges beteiligt. Die von M. begründete Dynastie der Burggrafen von Meißen aus dem Geschlecht der Meinheringer zählte bis zu ihrem Aussterben 1426 zu den vornehmsten und politisch bedeutendsten Adelsfamilien Mitteldeutschlands. – M. wird erstmals 1171 als Zeuge in einer Schenkungsurkunde für das Kloster Obernkirchen bei Bückeburg genannt. Aufgrund seiner Selbstbezeichnung als Graf von Werben (comes de Wirbene) geht die Forschung davon aus, dass er ursprünglich in Burgwerben bei Weißenfels ansässig war. Die Ansicht Hermann Löschers, der im Wappen der edelfreien Meinheringer, dem Andreaskreuz, fränkische Bezüge erkennen wollte, gilt als überholt. – Bereits um 1170 muss M. über Ländereien im Erzgebirge verfügt haben, da er laut Stiftungsurkunde von Klösterlein vom 7.5.1173 den dort anzusiedelnden Augustinermönchen umfangreichen Hufenbesitz zur Verfügung stellte. M. kommt daher als wahrscheinlicher Erbauer der Burg Hartenstein und als vom deutschen Königtum beauftragter Kolonisator der gleichnamigen Grafschaft in Frage, zu der damals auch noch Wildenstein gehörte. Parallel dazu behielt er seine bedeutsame Stellung in der Saalegegend bei, was durch seine mehrfache Heranziehung als Urkundenzeuge, z.B. für Verkäufe des Bischofs Udo von Naumburg an das Kloster Bosau oder für Schenkungen und Tauschhandlungen der Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) und Heinrich VI. mit verschiedenen Klöstern zwischen 1180 und 1195 belegt wird. Später stieg M. unter nicht näher zu erhellenden Umständen zum Burggrafen von Meißen auf. Als solcher ist er in Nachfolge der fränkischen Grafen von Wohlbach am 14.6.1199 erstmals bezeugt. Dass M. das Burggrafenamt erblich für seine Dynastie erwarb, reichte freilich nicht aus, um sich langfristig gegen die ebenfalls auf dem Meißner Burgberg ansässigen Markgrafen von Meißen als eigenständige Territorialmacht zu behaupten. Gleichwohl pflegte M. gute Beziehungen zu Markgraf Dietrich (der Bedrängte), den er bereits in den Auseinandersetzungen mit dessen Bruder Albrecht (der Stolze) unterstützt hatte. So fungierte M. am 26.4.1200 und am 10.10.1205 als Zeuge des Markgrafen in zwei Bestätigungs- und Schenkungsurkunden für das Kloster Altzelle. Auch im Zusammenhang mit markgräflichen Schenkungen an das Kloster Bürgel 1212 taucht sein Name in den Urkunden auf. An prominenter Stelle erscheint M. zudem in der Zeugenreihe König Philipps, der am 22.1.1202 die Privilegien des Klosters Petersberg konfirmierte. M.s anerkannte Autorität kommt schließlich dadurch zum Ausdruck, dass er 1206 zusammen mit Heinrich von Colditz zum Vermittler in Streitigkeiten zwischen den Vögten von Weida, Gera und Plauen berufen wurde. Vor dem 9.11.1214 muss M. verstorben sein, da bereits Meinher II. als Burggraf von Meißen und dessen Bruder Hermann bei einem Landding zwischen Landsberg und Brehna als Zeugen eines Rechtsgeschäfts zugegen waren. Ob es sich bei dem anlässlich der Gründung des Leipziger Thomasklosters im Jahr 1213 genannten Meinher um M. oder bereits um seinen gleichnamigen Sohn handelt, muss ebenso offen bleiben wie bei einem Namensbeleg im vor 1217 zu datierenden Stiftungsbrief für das Augustiner-Kloster Eisenberg und bei einer auf 1213/1215 zu datierenden Zeugennotiz aus der Überlieferung des Klosters Altzella. Wahrscheinlich wurde M. im Kloster Altzella beigesetzt.

Quellen Codex diplomaticus Saxoniae regiae, I. Hauptteil, Abteilung A, Bd. 3: Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen 1196-1234, hrsg. von Otto Posse/Hubert Ermisch, Leipzig 1898; Codex diplomaticus Saxoniae, II. Hauptteil, Bd. 19: Urkundenbuch des Zisterzienserklosters Altzelle, Erster Teil, bearb. von Tom Graber, Hannover 2006.

Literatur Traugott Märcker, Das Burggrafthum Meißen. Ein historisch-publicistischer Beitrag zur sächsischen Territorialgeschichte, Leipzig 1842, S. 44-57; Erich Riehme, Markgraf, Burggraf und Hochstift Meißen. Ein Beitrag zur Geschichte der Entwickelung der sächsischen Landesherrschaft, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meißen 7/1907, S. 429-489; Leo Bönhoff, Der ursprüngliche Umfang der Grafschaft Hartenstein, in: NASG 27/1906, S. 209-278; Hermann Löscher/Johannes Voigt, Heimatgeschichte der Pflege Stollberg im Erzgebirge, Bd. 1, Stollberg 1932-1940, ND Chemnitz 2005, S. 83-85; Dieter Rübsamen, Kleine Herrschaftsträger im Pleißenland. Studien zur Geschichte des mitteldeutschen Adels im 13. Jahrhundert, Köln/Wien 1987; Mike Sachse/Bernd Reitzenstein, Edle von Werben. Über den Aufstieg und den Fall der Grafen von Werben, Weißenfels 2008; Michael Wetzel/Gerhard Troll, Die Meinheringer und Lößnitz. Herrschaft und Stadtentwicklung im Mittelalter, Lößnitz 2013, S. 13-18. – NDB 16, S. 690.

Michael Wetzel
20.5.2020

Empfohlene Zitierweise:
Michael Wetzel, Meinher von Werben, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (10.8.2020)

Meinher von Werben



Quellen Codex diplomaticus Saxoniae regiae, I. Hauptteil, Abteilung A, Bd. 3: Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen 1196-1234, hrsg. von Otto Posse/Hubert Ermisch, Leipzig 1898; Codex diplomaticus Saxoniae, II. Hauptteil, Bd. 19: Urkundenbuch des Zisterzienserklosters Altzelle, Erster Teil, bearb. von Tom Graber, Hannover 2006.

Literatur Traugott Märcker, Das Burggrafthum Meißen. Ein historisch-publicistischer Beitrag zur sächsischen Territorialgeschichte, Leipzig 1842, S. 44-57; Erich Riehme, Markgraf, Burggraf und Hochstift Meißen. Ein Beitrag zur Geschichte der Entwickelung der sächsischen Landesherrschaft, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meißen 7/1907, S. 429-489; Leo Bönhoff, Der ursprüngliche Umfang der Grafschaft Hartenstein, in: NASG 27/1906, S. 209-278; Hermann Löscher/Johannes Voigt, Heimatgeschichte der Pflege Stollberg im Erzgebirge, Bd. 1, Stollberg 1932-1940, ND Chemnitz 2005, S. 83-85; Dieter Rübsamen, Kleine Herrschaftsträger im Pleißenland. Studien zur Geschichte des mitteldeutschen Adels im 13. Jahrhundert, Köln/Wien 1987; Mike Sachse/Bernd Reitzenstein, Edle von Werben. Über den Aufstieg und den Fall der Grafen von Werben, Weißenfels 2008; Michael Wetzel/Gerhard Troll, Die Meinheringer und Lößnitz. Herrschaft und Stadtentwicklung im Mittelalter, Lößnitz 2013, S. 13-18. – NDB 16, S. 690.

Michael Wetzel
20.5.2020

Empfohlene Zitierweise:
Michael Wetzel, Meinher von Werben, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (10.8.2020)