Nino Neidhardt

Nino Neidhardt schuf als Komponist musikalisch hochwertige Werke verschiedenster Gattungen. Mit seinen Orchesterkompositionen, Bühnenstücken und Vokalmusiken machte er sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen Namen. – Geboren wurde Neidhardt als Sohn des Juristen und Landgerichtsrats Kurt Neidhardt und seiner aus Bayern stammenden Frau Julie Braun-Castelbruno in Chemnitz. Er absolvierte sein Abitur und studierte dann ab 1907 an den Universitäten in Leipzig, Wien und Berlin Philosophie. In seiner Leipziger Zeit stand er auch in Verbindung mit dem späteren Verleger Ernst Rohwolt, der ein Mitstudent war. Da ihn allerdings schon seit Kindestagen die Musik faszinierte, wurde er Schüler von Felix Draeseke, der ihn am Dresdner Konservatorium unterrichtete und ihm das Komponieren beibrachte. Nach einem Aufenthalt an der Hochschule für Musik in Berlin kam Neidhardt 1913 nach Paris, wo er Schüler von Camille Saint-Saëns wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg war er in Wien, München und Augsburg tätig und trat durch seine Mitarbeit an Bühnenstücken öffentlich hervor. Während einer Reise nach Italien gewann Neidhardt in Turin (Italien) 1921 den ersten Preis für sein Werk „Chinesische Legende“. Nach diesem ersten großen Erfolg bereiste er Spanien, Portugal und Frankreich. In den folgenden Jahren komponierte Neidhardt weiter, jedoch blieb der große Durchbruch aus. In dieser Zeit wurden seine Kompositionen besonders von den Impressionisten Maurice Ravel und Claude Debussy sowie durch die Spätromantiker Max Reger und Richard Strauß geprägt. – Seinen Lebensunterhalt verdiente sich Neidhardt, der spätestens ab 1925 wieder in Dresden lebte, u.a. mit einem eigenen Musikverlag. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise zog er 1930 gemeinsam mit seiner Frau Ilselotte Neidhardt nach Geising in das Haus des Malers Heribert Fischer-Geising und entdeckte seine Liebe zu diesem Tal. Nach einem kurzen Wohnortwechsel nach Dresden (ab 1932) zog Neidhardt schließlich 1935 in ein neu gebautes, abgeschiedenes Haus in Geising, wo er in den folgenden Jahren erfolgreiche Stücke schrieb. Seine Werke wurden u.a. im Landestheater Obererzgebirge in Annaberg, aber auch im Rundfunk aufgeführt. Bis 1941 arbeitete er als Musiklehrer und Chorleiter an der Oberschule in Altenberg. – Nachdem er im Sommer 1941 mit großem Publikumserfolg die Musik für das von Vera Mahlke choreografierte Tanzfestspiel „Tanzendes Barock“ komponiert hatte, wurde Neidhardt im September desselben Jahrs zum Kapellmeister und Bühnenkomponisten am Dresdner Theater des Volks - Städtisches Theater am Albert-Platz (vormals Albert-Theater) berufen. Dort erlebte er mit seiner gemeinsam mit dem Librettisten Herbert Kuchenbuch geschaffenen und 1943 mit großem Erfolg uraufgeführten Oper „Adelina. Eine spanische Liebeslegende“ den Höhepunkt seiner Karriere. – Inwiefern Neidhardt in die NS-Kulturpropaganda eingebunden war, kann angesichts der Quellenlage lediglich gemutmaßt werden. So berichtet etwa die NSDAP-Zeitschrift „Der Freiheitskampf“ über einen Vortrag Neidhardts, den dieser im Januar 1934 auf Einladung der Ortsgruppe Dresden-Süd zum Thema „Musik im nationalsozialistischen Staate“ gehalten hat. – Unterbrochen wurde das Schaffen Neidhardts durch die Bombardierung Dresdens am 13./14.2.1945, bei der auch seine Wohnung in Dresden zerstört wurde. Nach Kriegsende wurde er auf Bitten des Geisinger Bürgermeisters Karl Büttner Kulturdezernent der Gemeinde sowie stellvertretender Bürgermeister. Darüber hinaus übernahm er den Vorsitz der Ortsgruppe des neu gegründeten Kulturbunds und wurde als Lehrer an der Volkshochschule tätig. Außerdem beauftragte ihn die lokale sowjetische Militäradministration mit dem Aufbau eines Orchesters aus Musikern der Region, mit dem er verschiedene Konzerte bestritt. Mit dem für den Wiederaufbau des sächsischen Musikwesens beauftragten Zuständigen im Sächsischen Volksbildungsministerium, Karl Laux, stand Neidhardt in regelmäßigem Kontakt. Anlässlich seines 60. Geburtstags wurde er 1949 vom Land Sachsen zum Professor ernannt. Bereits im Folgejahr, am 27.3.1950, starb Neidhardt in seinem 1948 bezogenen Haus auf der Lindenallee in Geising und wurde auf dem Geisinger Friedhof bestattet.

Werke Chinesische Legende für kleines Orchester, op. 19, 1921; Drei romantische Idyllen, op. 57; Klänge des Herzens, op. 53; Kantate an Orpheus, op. 60; Cello-Sonate, op. 75; Musik der Liebe, op. 70; Mädchenbildnisse, op. 71; Der neue Tag, op. 77, 1939; Arie an Silvia; Traumtango, op. 81, 1940; Rilke-Kantate, 1942; Kalender-Kantate, 1946. – Oratorium: Kantate des Lebens, 1948. – Posse: Lumpazivagabundus, 1947. – Operetten: Der grüne Harlekin, Die verkehrte Welt. – Oper: Adelina. Eine spanische Liebeslegende, 1943. – Singspiele: Die venezianische Nachtigall, 1943; Der Gast um Mitternacht; Das süße Puppenspiel. – Lustspiel: Der bestrafte Kuß, 1940. – Komödie: Die schlaue Witwe, 1946.

Literatur Pg. Nino Neidhardt bei der Ortsgruppe Dresden-Süd, in: Der Freiheitskampf 26.1.1934, S. 4; Werner Stöckel, Der Komponist Nino Neidhardt, in: Christine Stöckel (Hg.), Beiträge zur Heimatgeschichte Geisings und Umgebung, Bd. 2, Geising 2016, S. 649-655 (P); Peter Salzmann, Triumphaler Erfolg mit „Adelina“, in: Sächsische Zeitung 14.4.2009. – DBA II; Erich H. Müller (Hg.), Deutsches Musiker-Lexikon, Dresden 1929, S. 984.

Porträt Künstlerpostkarte, Photo Valdez, Barcelona, Kunstanstalt Market & Sohn, Dresden (Bildquelle).

Simon Kretzschmar
16.4.2026


Empfohlene Zitierweise:
Simon Kretzschmar, Artikel: Nino Neidhardt,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/29418 [Stand 16.04.2026, Aufruf 04.05.2026].

Nino Neidhardt



Werke Chinesische Legende für kleines Orchester, op. 19, 1921; Drei romantische Idyllen, op. 57; Klänge des Herzens, op. 53; Kantate an Orpheus, op. 60; Cello-Sonate, op. 75; Musik der Liebe, op. 70; Mädchenbildnisse, op. 71; Der neue Tag, op. 77, 1939; Arie an Silvia; Traumtango, op. 81, 1940; Rilke-Kantate, 1942; Kalender-Kantate, 1946. – Oratorium: Kantate des Lebens, 1948. – Posse: Lumpazivagabundus, 1947. – Operetten: Der grüne Harlekin, Die verkehrte Welt. – Oper: Adelina. Eine spanische Liebeslegende, 1943. – Singspiele: Die venezianische Nachtigall, 1943; Der Gast um Mitternacht; Das süße Puppenspiel. – Lustspiel: Der bestrafte Kuß, 1940. – Komödie: Die schlaue Witwe, 1946.

Literatur Pg. Nino Neidhardt bei der Ortsgruppe Dresden-Süd, in: Der Freiheitskampf 26.1.1934, S. 4; Werner Stöckel, Der Komponist Nino Neidhardt, in: Christine Stöckel (Hg.), Beiträge zur Heimatgeschichte Geisings und Umgebung, Bd. 2, Geising 2016, S. 649-655 (P); Peter Salzmann, Triumphaler Erfolg mit „Adelina“, in: Sächsische Zeitung 14.4.2009. – DBA II; Erich H. Müller (Hg.), Deutsches Musiker-Lexikon, Dresden 1929, S. 984.

Porträt Künstlerpostkarte, Photo Valdez, Barcelona, Kunstanstalt Market & Sohn, Dresden (Bildquelle).

Simon Kretzschmar
16.4.2026


Empfohlene Zitierweise:
Simon Kretzschmar, Artikel: Nino Neidhardt,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/29418 [Stand 16.04.2026, Aufruf 04.05.2026].