Krodel Wolfgang (Wolf)
Maler
* vor 1500 5.1.1563
GMartin d.Ä., Maler, belegt in Schneeberg 1539-1561SMatthias d.Ä. († 1605)
GND: 139731172





Gemeinsam mit seinem Bruder, dem Maler Martin Krodel d.Ä., war K. seit dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts in Schneeberg tätig. Seine Werke, die heute in Sammlungen in Deutschland, Polen, Tschechien und Österreich aufbewahrt werden, signierte er mit seinen Initialen „W. K.“. – K. wurde wahrscheinlich in der Werkstatt Lucas Cranachs d.Ä. ausgebildet, an dessen Werken er sich stark orientierte. Für 1528 ist ein Gemälde des Jüngsten Gerichts in den Quellen nachweisbar, das K. für die Ratsstube in Schneeberg fertigte. Im selben Jahr entstanden die als Pendants angelegten Bilder „David und Bathseba“ und „Lot und seine Töchter“ (Wien). Für eine um 1530 entstandene Darstellung des Jüngsten Gerichts (Warschau) griff er unmittelbar auf Arbeiten Lucas Cranachs d.Ä. zurück. Zwei weitere Werke haben sich in der Kamenzer Marienkirche erhalten, zum einen die Kreuzigung Christi mit vier Stifterwappen der Familien von Löser, von Mistelbach, von Oelsnitz und von Schlieben, zum anderen die zweiteilige Darstellung „Gesetz und Gnade“ von 1542, für die K. der Schneeberger Altar Lucas Cranachs d.Ä. als Vorlage diente. Im folgenden Jahr entstand die heute in Breslau (poln. Wrocław) befindliche „Adam und Eva“-Tafel. Zugeschrieben wird ihm ferner eine 1544 datierte Darstellung der „Enthauptung der Hl. Katharina“ in Leitmeritz (tschech. Litoměříce). Für das 1555 entstandene Bild „Judith und Holofernes“ versetzte K. die alttestamentarische Szene in ein zeitgenössisches Heerlager. 1559 malte er das Epitaph des Zwickauer Bürgers Johann Leupold, das Christus als Sieger über Tod und Teufel zeigt. Im gleichen Jahr entstand das Bild des schreibenden Apostels Paulus in der Kirche zu Sonnefeld, zwei Jahre später die Darstellung der Taufe Christi in der St. Wolfgangskirche in Schneeberg. Als verloren gelten die Porträts des später zum evangelischen Glauben übergetretenen Chemnitzer Abtes Hilarius von Rehberg und seiner Gattin Margarethe. – K. gehörte zu den wichtigsten selbstständigen Schülern Lucas Cranachs d.Ä., dessen Stil er in vereinfachten Formen fortsetzte.



W  David und Bathseba, Lot und seine Töchter, 1530, Öl auf Holz, Kunsthistorisches Museum Wien; Jüngstes Gericht, 1530, Öl auf Holz, Nationalmuseum Warschau; Gesetz und Gnade, 1542, Öl auf Holz, Marienkirche Kamenz; Lot und seine Töchter, 1542, Öl auf Holz, Museum für ausländische Kunst Riga; Adam und Eva, 1543, Öl auf Holz, Nationalmuseum Breslau; Kreuzigung mit den Wappen der Familien von Löser, von Mistelbach, von der Oelsnitz und von Schlieben, 1543, Öl auf Holz, Marienkirche Kamenz; Enthauptung der Hl. Katharina, 1544, Öl auf Holz, Diözesanmuseum Leitmeritz; Judith und Holofernes, 1555, Öl auf Holz, Hessisches Landesmuseum Darmstadt; Epitaph des Johann Leupold, 1559, Öl auf Holz, Marienkirche Zwickau; Apostel Paulus schreibend, 1559, Öl auf Holz, Klosterkirche Sonnefeld; Taufe Christi, 1561, Öl auf Holz, St. Wolfgangskirche Schneeberg.

L  W. Junius, Die erzgebirgische Künstlerfamilie K., in: Monatshefte für Kunstwissenschaft 14/1921, S. 253-261; H. Lange, Wolf und Matthias K., in: Sächsische Heimatblätter 17/1971, S. 76-80; K. Demus (Bearb.), Kunsthistorisches Museum Wien. Verzeichnis der Gemälde, Wien 1973, S. 97; W. Beeh (Bearb.), Deutsche Malerei um 1260 bis 1550 im Hessischen Landesmuseum Darmstadt, Darmstadt 1990, S. 258-261; C. Emmendorfer, Die selbständigen Cranachschüler, in: I. Sandner (Hg.), Unsichtbare Meisterzeichnungen auf dem Malgrund, Regensburg 1998, S. 203-228; C. Trummer, Katalogeintrag Gesetz und Gnade, in: J. Oexle/M. Bauer/M. Winzeler (Hg.), Zeit und Ewigkeit, Halle/Saale 1998, S. 271; B. Steinborn/A. Ziemba, Malarstwo niemieckie do 1600 roku [Deutsche Malerei bis 1600], Warszawa 2000; T. Noll, Katalogeintrag Gesetz und Gnade, in: H. Marx/E. Kluth (Hg.), Glaube und Macht, Dresden 2004, S. 137. – Vollmer, Bd. 21, Leipzig 1921, S. 552f.



Kai Wenzel
8.7.2008


Empfohlene Zitierweise:

Kai Wenzel, Krodel, Wolfgang (Wolf), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.11.2017)

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