Windolf
Abt des Klosters Pegau
1.5.1156 Schkölen

GND: 139910921

Das Leben und Wirken des aus Corvey nach Pegau berufenen Abts W. scheint auf das Engste mit dem Leben Markgraf Wiprechts II. von Groitzsch verbunden zu sein. Hauptquelle für das Wissen über beide Persönlichkeiten ist das Pegauer Annalenwerk (1. Teil um 1149), wobei sich der Schreiber vermutlich auch der Erzählungen W.s bediente. Urkundliche Zeugnisse über W., den zweiten Pegauer Abt, der 50 Jahre dieses Amt bekleidete, fehlen seltsamerweise fast ganz. Als Wiprecht II. 1124 starb, versiegten auch die Informationen über W. zwischen 1125 und 1150 fast völlig und verdichteten sich erst wieder gegen Ende seines Lebens. – Nachdem Wiprecht II. das 1096 geweihte Jacobskloster in Pegau zunächst mit Mönchen aus dem altehrwürdigen, durch die gorzische Reform geprägten Kloster Münsterschwarzach/Main besetzt hatte, holte er nach dem Tod des ersten Abts Bero Mönche aus dem hirsauischen und nicht minder einflussreichen Kloster Corvey nach Pegau. An die Spitze des noch kleinen Konvents stellte er W., der zuvor Stiftsherr zu St. Martin, Aureus und Justinus in Heiligenstadt, Leiter der Klosterschule in Corvey und 1098 Prior einer unbekannten Corveyer cella war. Es kam also ein hoch gebildeter Geistlicher nach Pegau, in ein slawisch geprägtes Umfeld. Aus Corvey brachte W. zahlreiche Bücher an seinen neuen Wirkungsort. Am Ende seines Lebens überließ er dem Kloster zudem seine Privatbibliothek und stattete es mit Reliquien u.a. des hl. Vitus aus. W.s Handlungsmaximen waren Frömmigkeit, Arbeit und Recht. So wurde Pegau frühzeitig unter den Schutz der römischen Kurie gestellt. Der Text der betreffenden Papsturkunde fand im Pegauer Annalenwerk den ihm gebührenden Platz. – Durch die Verhältnisse des Investiturstreits musste die Weihe W.s zum Abt am 8.2.1103 zusammen mit der des Abts Burchard von St. Peter (Erfurt) in Erfurt stattfinden. Den Weiheakt zelebrierte der Mainzer Erzbischof Ruthard. Besondere Aufmerksamkeit widmete W. von Anfang an dem materiellen Gedeihen seines Klosters. Neben dem Ausbau Pegaus zur frühstädtischen Kaufmannssiedlung sorgte sich W. um den Zugewinn von Gütern und Geldeinnahmen. So gründete er u.a. die Dörfer Wolftitz und Abtsdorf, erweiterte deren Äcker und Zinseinnahmen. Zusammen mit Wiprecht II. rief er Kolonisten aus Franken in den Bannwald zwischen Wyhra und Mulde und ließ dort Rodungs- und Siedlungsarbeiten durchführen. Um 1107/09 entstand in Halle/Saale eine Kapelle des hl. Jacob. Vielleicht ist diese kirchliche Gründung im salzproduzierenden Halle auch im Zusammenhang mit dem Interesse des Pegauer Konvents zur Befriedigung des Salzbedarfs zu sehen. In Pegau selbst ließ W. ein Gut einebnen, um einen Klostergarten anzulegen. Neue Klostergebäude wurden errichtet, und der Konvent vergrößerte sich bald auf annähernd 40 Mönche. Angehörige des Pegauer Konvents wechselten zudem in führende Positionen anderer Klöster, so u.a. nach Reinsdorf (Vitzenburg) und Goseck. Das Kloster Chemnitz wurde mit Mönchen aus Pegau besetzt. W. selbst leitete eine Zeit lang die Abtei Oldisleben und versuchte, das Kloster zu reformieren. Diese Doppelbelastung gab er jedoch bald zugunsten seiner Tätigkeit in Pegau auf. Die Finanzkraft von Pegau stärkte W. hingegen pragmatisch und mitunter unkonventionell. Die Nähe zur Familie Wiprechts II. dokumentiert sich darin, dass er für Judith, eine böhmische Königstochter und erste Gemahlin Wiprechts II., am 17.12.1109 die Totenmesse hielt. Wiprecht überzeugte er kurz vor seinem Tod, das Mönchsgewand zu nehmen. – Für die Zeit nach 1125 verfügen wir nur noch über wenige Informationen, die jedoch zeigen, dass W. zu den einflussreichsten Männern im sächsisch-thüringisch-meißnischen Raum gehörte. Er war mit beteiligt an der Berufung des Nentherius zum Abt von Goseck um 1134. Der Kontakt zu seiner Herkunftsabtei Corvey scheint nicht abgebrochen zu sein, wie die Besetzung der Abtswürde in Reinsdorf durch Ludiger (einst Pegau, dann Dekan in Corvey) zeigte. Am 12.3.1150 entschied er sich nach 50 Amtsjahren zum Rücktritt. Zuvor schenkte er dem Kloster Pegau noch neun Hufen zu Michlitz bei Lützen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Schkölen bei Eisenberg. Seine Begräbnisstätte ist unbekannt, vermutlich aber lag sie im Kloster Pegau.



Q  Monumenta Germaniae Historica, Scriptores, Bd. 16, Annales Pegavienses et Bosovienses a. 1000-1149. Continuatio a. 1140-1181, hrsg. von G. H. Pertz, Hannover 1859, S. 232-270; Urkundenbuch des Hochstifts Merseburg, Teil 1, 962-1357, bearb. von P. Kehr, Halle 1899; Die Gosecker Chronik (Chronicon Gozecense) (1041-1135), hrsg. von R. Ahlfeld, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 16/17/1968, S. 1-49.

L  H. Patze, Die Pegauer Annalen, die Königserhebung Wratislaws von Böhmen und die Anfänge der Stadt Pegau, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 12/1963, S. 1-62; C. Borgolte, Studien zur Klosterreform in Sachsen im Hochmittelalter, Braunschweig 1976; W. Schlesinger, Kirchengeschichte Sachsens im Mittelalter, Bd. 2, Köln/Wien ²1983; T. Vogtherr/T. Ludwig, Die Abtreihe des Benediktinerklosters St. Jakob in Pegau, in: NASG 69/1998, S. 1-23; T. Peter, Studie zur topographischen Entwicklung der Stadt Pegau im 12. und 13. Jahrhundert, in: Wiprecht. Beiträge zur Geschichte des Osterlandes im Hochmittelalter, Beucha 1998, S. 131-149.



Peter Neumeister
18.11.2004


Empfohlene Zitierweise:

Peter Neumeister, Windolf, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (25.3.2017)

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