Schulenburg Wilibald (Willibald) von
Offizier, Maler, Volkskundler
* 6.4.1847 Charlottenburg bei Berlin 29.4.1934 Berlin(ev.)

GND: 10122575X

S. wuchs in einer weit verzweigten preußischen Adelsfamilie auf. Er besuchte das Werdersche Gymnasium zu Berlin und schlug anschließend die Offizierslaufbahn ein. Nachdem er wegen einer schweren Verwundung im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 aus der Armee ausgeschieden war, widmete er sich der Malerei sowie volkskundlichen Studien. Letztere begann S. mit der Schilderung der Lebensweise einer bayerischen Bauernfamilie, bei der er längere Zeit gelebt hatte. In der Folgezeit wandte er sich dem Spreewald und seiner sorbischen Bevölkerung zu. Er verließ Berlin und lebte 1876 bis 1879 bei sorbischen Spreewaldbauern und Fischern. Auf volkskundlichen Wanderungen sammelte er sorbische Volksüberlieferungen, die er in zwei umfangreichen Bänden publizierte. Seine hohe Bildung, seine Kontakte zu bedeutenden Wissenschaftlern und Künstlern sowie seine Bemühungen um die Aneignung von Spezialwissen, z.B. durch die Teilnahme an den von Rudolf Virchow initiierten Ausgrabungen am Schlossberg von Burg/Spreewald, ermöglichten es ihm, in seinen volkskundlich-ethnologischen Vorträgen und Publikationen über gelehrten Dilettantismus hinauszugelangen. S.s Sympathien für das einfache Volk und speziell für die Lausitzer Sorben waren keine romantische Laune. Er erlernte die niedersorbische Sprache, sodass er die sorbischen Texte selbst ins Deutsche übertragen und auch sorbisch publizieren konnte. Sein Werk ist für die Volkskunde und für die Sorabistik gleichermaßen von Interesse. Das betrifft die Buchpublikationen ebenso wie die Aufsätze und Berichte, die u.a. in der „Zeitschrift für Ethnologie“, den „Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte“, der „Zeitschrift des Vereins für Volkskunde“ sowie den „Niederlausitzer Mitteilungen“ erschienen sind. S. war Mitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte (ab 1880), Mitglied des Vereins für Volkskunde in Berlin sowie Ehrenmitglied der Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte.



W  mit R. Virchow, Der Spreewald und der Schlossberg von Burg, Berlin 1880; Wendische Volkssagen und Gebräuche aus dem Spreewald, Leipzig 1880, Cottbus ²1930 ( ND Wiesbaden 1969); Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte, Berlin 1882, Leipzig ²1934 (ND Bautzen 1985, Bautzen ²1988, Bautzen ³1993); Wendisch sprechende Schulkinder in Preußen, in: Niederlausitzer Mittheilungen. Zeitschrift der Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte 3/1893-1894, S. 231; Hantscho-Hanos Sagen, in: ebd. 3/1893-1894, S. 223-230, 292-299, als Sonderdruck Guben ²1918; mit R. Mielke/H. Lohre/A. Kiekebusch, Landeskunde der Provinz Brandenburg, Bd. 3: Die Volkskunde, Berlin 1912; Delnjoserbske a namjezne ludowe pěsnje [Niedersorbische und angrenzende Volkslieder], in: Časopis towaŕstwa Maćicy Serbskeje 65/1912, S. 81-138; Jan Hantšo-Hano ze Slepeho. Wobraz serbskeho bura [Johann Hantšo-Hano aus Schleife. Porträt eines sorbischen Bauern], in: Łužica 31/1912, S. 68-70, 78-80, 86-87, 94-96; Spomnjenki na Błota [Erinnerungen an den Spreewald], in: ebd. 46/1931, S. 35-38; Kito Pank, in: Předźenak 78/1932, S. 50; Tři leta pola Badarakec w Błotach [Drei Jahre bei Badaraks im Spreewald], in: ebd., S. 50-53.

L  O. Wićaz, Knjez Wilibald ze S., in: Předźenak 78/1932, S. 49; ders., Najswěrniši a najsprawniši přećel serbskeho luda, knjez Wilibald ze S. wumrěł [Der treueste und aufrichtigste Freund des sorbischen Volkes, Herr Wilibald von S., verstorben], in: Serbske Nowiny 115/1934, 19.5.1934; M. Witkojc, Po stopach kněza Wilibalda ze S. [Auf den Spuren des Herrn Wilibald von S.], in: Łužica 51/1936, S. 17-19, 21-23; F. Mětšk, Chrestomatija dolnoserbskego pismowstwa, Budyšin ²1982, S. 316f.; H. Zwahr, Meine Landsleute, Bautzen 1984, S. 256-267. – J. Wjacsławk (Jatzwauk), Serbska bibliografija/Sorbische (Wendische) Bibliographie, Berlin ²1952; E. Eichler (Hg.), Slawistik in Deutschland von den Anfängen bis 1945, Bautzen 1993, S. 360f. (P).

P  Fotografie, um 1900, Sorbisches Institut Bautzen, Sorbisches Kulturarchiv (Bildquelle).



Brigitte Emmrich †
6.4.2009


Empfohlene Zitierweise:

Brigitte Emmrich †, Schulenburg, Wilibald (Willibald) von, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.3.2017)

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