Lingke Wilhelm Friedrich
Bergmechanikus
* 29.5.1784 Grillenburg bei Tharandt 10.6.1867 Freiberg(ev.)
VWilhelm Friedrich (1752-1802), Forstwissenschaftler1805 oder 1806 Johanna Christiane Friederike, geb. GüntherS3 u.a. Wilhelm Friedrich (1809-1887), Sekretär der Amtshauptmannschaft Freiberg; August Friedrich (1811-1875), Bergmechanikus
GND: 136727719





Die Familie Lingke gehörte zu den bedeutenden Freiberger Patriziergeschlechtern. Sie hatte im Berg- und Hüttenwesen Ansehen und Reichtum erlangt und sich um das Wohl der Stadt Verdienste erworben. 1570 wurde ihr von Kaiser Maximilian II. ein Wappen verliehen. – L. besuchte nach anfänglichem Privatunterricht ab 1798 das Gymnasium in Freiberg. Dem Rat seines Vaters folgend, begann er eine Lehre beim Freiberger Bergmechanikus Johann Gotthelf Studer. Dessen Werkstatt war für die Herstellung von Waagen und Messgeräten für das Berg- und Hüttenwesen bekannt. Nach drei Jahren wurde L. zum Gesellen ernannt. 1809 erhielt er eine Anstellung als Waage- und Gewichtsjustierer beim Königlichen Oberbergamt in den Freiberger Schmelzhütten. In der Zeit der Befreiungskriege war L. vorwiegend als Graveur von Siegeln und als Stempelschneider tätig. Nach den Kriegswirren ging er wieder zur Herstellung von Geräten für das Markscheidewesen über. Seine Kompasse, Gradbögen und Theodolite wurden von den Markscheidern für ihre mathematische Genauigkeit sehr geschätzt. 1823 erfolgte die Ernennung L.s zum Berkmechanikus der Bergakademie. Im selben Jahr übernahm er die 1791 gegründete Werkstatt seines Lehrmeisters Studer. In Zusammenarbeit mit Professoren der Bergakademie Freiberg wurden in der Werkstatt L.s neue Geräte entwickelt. Besonders die Verbesserungen der Theodolite wurden maßgebend für weitere Fortschritte in der Markscheidekunst. 1830 konstruierte L. die ersten metrischen Maßstäbe (Lachter) für den Bergbau in Deutschland. 1840 stellte er seinen Sohn August Friedrich als Gehilfen ein. 1855 feierte L. sein 50-jähriges Bürgerjubiläum. In Anerkennung seines Lebenswerks wurde ihm zu diesem Anlass das Kleinkreuz des Königlich Sächsischen Albrechtsordens verliehen. 1859 zog sich L. aus gesundheitlichen Gründen aus dem Geschäft zurück, das er seinem Sohn August Friedrich übergab, und verlebte seinen Ruhestand zurückgezogen in Freiberg. Sein Sohn führte die Herstellung feinmechanischer und optischer Instrumente bis zum Verkauf des Unternehmens an Max Hildebrand 1873 mit Erfolg weiter. Die in L.s Firma hergestellten Präzisionsgeräte galten als qualitativ hochwertig, progressiv und modern. – L. zeigte auch im künstlerischen Umgang mit den Freiberger Erzen Geschick. Zum 50-jährigen Regierungsjubiläum von König Friedrich August I. 1818 gravierte er auf einer großen Silberglanz-Stufe einen Wassergöpel.



Q  Urkunde Kaiser Maximilians II. zur Verleihung eines Wappens an die Gebrüder Lingke, Prag 1.3.1570, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 1862-1864, Freiberg 1865, S. 267; Die Wappen hervorragender Geschlechter aus Freibergs Vergangenheit, Tafel 1, in: ebd., S. 458.

L  G. Bursian, Die Freiberger Geschlechter, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 1862-1864, Freiberg 1865, S. 90; J. A. F. Lingke, Die Familie Lingke, ein altes Freiberger Patriziergeschlecht, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 27/1890, S. 1-40; C. Schiffner, Aus dem Leben alter Freiberger Bergstudenten, Bd. 2, Freiberg 1938, S. 397-399; W. Fischer, Am 3. März 1875, in: Gedenktage des Mitteldeutschen Raumes, hrsg. vom Mitteldeutschen Kulturrat Bonn, Bonn 1975, S. 25-27; M. Ihle, 200 Jahre Wissenschaftlicher Gerätebau, Freiberg 1977, S. 10-13; W. Lauterbach, Wilhelm Friedrich L., in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsverein 85/2000, S. 131-133 (P). – DBA II, III; DBE 6, S. 411; NDB 14, S. 625.



Lars Thiele
2.5.2005


Empfohlene Zitierweise:

Lars Thiele, Lingke, Wilhelm Friedrich, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.11.2017)

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