Lohrmann Wilhelm Gotthelf
Geodät, Astronom
* 31.1.1796 Dresden 20.2.1840 Dresden(ev.)
VWilhelm Gotthelf (1758-1819), Maurer, Festungs- und Amtsziegelmeister in DresdenMJohanna Sophia, geb. Michael, verw. Sonntag (1760-1812 )GAugust Leberecht (1797-1807); Ernst Ludwig (1798-1858), Architekt in Dresden 1.1819 Christiane Amalie, geb. Seifert (1796-1827)SWilhelm Gotthelf (* † 1821); Heinrich Ludwig (1822-1853); Gustav Friedrich (1823-1839); Otto Moritz (1826-1881)TPauline Amalie (1820-1838); Wilhelmine (1824-1833) 2.1828 Johanne Henriette, geb. Raschig (1800-1878)SWilhelm Ferdinand (1830-1882); Karl August (1833-1834); Ernst Julius (1835-1879)TJohanne Henriette (1829-1866)
GND: 118728903

Nach dem Besuch der Garnisonsschule absolvierte L. 1814 an der Bauschule der Dresdner Kunstakademie ein Architekturstudium. Dem Volontariat als Feldmesser folgte 1816 eine Anstellung an der neu gegründeten Kameralvermessungsanstalt. Dort leitete er, seit 1823 als Inspektor, Vermessungsarbeiten für eine sächsische Elbstromkarte, die als Grundlage für den Hochwasserschutz und die Verbesserung der Schifffahrt diente. Ebenso wirkte er an der Katastervermessung zwecks einheitlicher Besteuerung des Grundbesitzes sowie an den Vorbereitungen zur topografischen Kartierung des Königreichs Sachsen mit und schuf eine Übersicht über die sächsischen Gewässer. Seit 1820 führte L. in seiner Freizeit astronomische Beobachtungen durch und zeichnete eine große Mondkarte, deren erste Blätter 1824 veröffentlicht wurden – eine vollständige Publikation erfolgte erst 1878. L.s Schaffen war breit gefächert; neben den astronomischen und geodätischen Arbeiten sind geophysikalische und meteorologische Beobachtungen, eigene kartografische Arbeiten und die Einführung lithografischer Techniken in der seit 1823 von ihm geleiteten „Lithographischen Gravieranstalt mit Steindruckerei“ zu nennen. 1827 wurde L. nebenamtlicher Oberinspektor des Mathematisch-Physikalischen Salons und der Modellkammer im Dresdner Zwinger. L. war an der Gründung der Technischen Bildungsanstalt Dresden beteiligt und übernahm im Mai 1828 das Amt des Vorstehers. Sein Aufgabengebiet umfasste zunächst Verwaltungsarbeiten. Ab 1830 nahm er, der nie selbst als Lehrer tätig war, maßgeblichen Einfluss auf die Lehrpläne und legte 1834 die Reformschrift „Die Organisation der technischen Bildungsanstalt betreffend“ vor. Auf dieser Grundlage konnte das Niveau der Lehre verbessert und ein ausgewogenes Verhältnis von theoretischer und praktischer Ausbildung erreicht werden. 1837 bis 1840 hatte L. zusätzlich die Direktion der neu gegründeten Baugewerkenschule inne, welche bis 1875 der Technischen Bildungsanstalt (ab 1851 Polytechnische Schule) unterstellt blieb. In wissenschaftlichen Vereinigungen wie der Gesellschaft für Natur und Heilkunde in Dresden oder der Schweizer Gesellschaft für Naturforscher, aber auch im Dresdner Gewerbeverein trat er mit Vorträgen in Erscheinung. Um 1839 hatte er die Absicht, das Amt des Vorstehers der Technischen Bildungsanstalt niederzulegen und die Berufung zum Direktor der Sächsischen Kameralvermessungsanstalt anzunehmen. Dazu kam es nicht mehr, denn L. verstarb plötzlich an einer Typhuserkrankung, sodass es ihm nicht vergönnt war, seine reichen praktischen Erfahrungen wissenschaftlich aufzuarbeiten, wie es seine Absicht gewesen war.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Archiv Polytechnikum.

W  Das Planetensystem der Sonne, Dresden 1822; Topographie der sichtbaren Mondoberfläche, Dresden/Leipzig 1824 (ND Leipzig 1963); Die Sammlungen der mathematisch-physicalischen Instrumente und die Modellkammer in Dresden, Dresden/Leipzig 1835; Beiträge zur Meteorologie des Königreiches Sachsen 1828-1837, in: Mitteilungen des statistischen Vereins des Königreiches Sachsen 11/1839.

L  A. Weichold, Wilhelm Gotthelf L., Leipzig 1985; Gedenkkolloquium aus Anlaß des 150. Todestages von Wilhelm Gotthelf L. am 20. Februar 1990, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der TU Dresden 39/1990, H. 3, S. 153-186; K. Fischer/P. Schubert/W. Stams/K.-G. Steinert, Wilhelm Gotthelf L. (1796-1840), in: Bedeutende Gelehrte der Technischen Universität Dresden, hrsg. von der Technischen Universität Dresden, Bd. 2, Dresden 1990, S. 7-20. – ADB 19, S. 138; DBA I, II, III; DBE 6, S. 464; NDB 15, S. 137f.; D. Petschel (Bearb.), Die Professoren der TU Dresden 1828-2003, Köln 2003, S. 572f.

P  Wilhelm Gotthelf L., J. C. Rößler, um 1830, Ölgemälde, Technische Universität Dresden, Kunstbesitz (Bildquelle).



Karin Fischer
20.8.2004


Empfohlene Zitierweise:

Karin Fischer, Lohrmann, Wilhelm Gotthelf, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.7.2017)

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