Worjech (Warichius, Warich, Warech, Worech) Wjacław (Wenceslaus, Wenzeslaus, Wenzel) d.Ä.
Pfarrer, Schriftsteller, Übersetzer
* 1564 Gröditz bei Weißenberg (sorb. Hrodźišćo) 1.9.1618 Göda (sorb. Hodźij) Göda(ev.)
VMichael, GutsverwalterSMichael (* 1594); Wenceslaus d.J. (1595-1633), Pfarrer in Göda; Georg (* 1598); Johannes (* 1601); Nikolaus (* 1603); Jacobus (* 1607); Paulus (* 1609)TKatharina (* 1589); Agnes (* 1591); Ursula (* 1592); Maria (* 1604)
GND: 12347258X


Verknüpfte Personen im Text:

Als Pfarrer prägte W. zusammen mit seinem gleichnamigen Sohn an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert mehr als 40 Jahre das kirchliche und gesellschaftliche Leben des Kirchspiels Göda im sächsisch-oberlausitzischen Grenzraum. Neben seinen Verdiensten als Geistlicher erwarb sich W. eine bleibende Erinnerung in der sorbischen Literaturgeschichte. Seine Übersetzung und Herausgabe des „Kleinen Katechismus“ Martin Luthers 1595 war der erste Druck eines obersorbischen Buchs. – Nach dem Besuch der Bautzener (sorb. Budyšin) Ratsschule und dem Studium an der Universität Wittenberg wurde W. 1587 Diakon in Göda und übernahm nach dem Tod des Vorgängers 1589 die erste Pfarrstelle. Bis zu seinem Tod stand er damit einer der größten Lausitzer Kirchgemeinden vor, die ihn wegen ihrer Lage im Grenzgebiet von zwei Landesherrschaften und Konfessionen - Sachsen war protestantisch und Böhmen katholisch - vor besondere administrative und geistliche Herausforderungen stellte. – Mit der Übersetzung des „Kleinen Katechismus“ samt „Trau- und Taufbüchlein“ Luthers ins Sorbische schuf W. nicht nur ein Grundlagenwerk für Schule und Unterricht, sondern auch die erste Agende zur Sakramentenspendung, zum Beichtehören und dem Katechismusexamen. W. war somit einer der ersten sorbischen Geistlichen, dessen Übersetzungs- und Herausgebertätigkeit wesentlich zur Professionalisierung seines Berufsstands beitrug. Zudem unterstreichen sie das arbeitsorganisatorische Geschick W.s. – Neben seiner Tätigkeit für die Gödaer Parochie war es traditionell auch Aufgabe des Gödaer Pfarrers, den Bischofswerdaer Superintendenten bei den jährlichen Visitationen in den sorbischsprachigen Gemeinden zu unterstützen. So visitierte W. jahrelang v.a. die Kirchgemeinden im sächsisch-oberlausitzischen Oberland wie Neukirch/Lausitz (sorb. Wjazońca), Wilthen (sorb. Wjelećin) und Spremberg, in denen damals noch teilweise Sorbisch gesprochen wurde. Darüber hinaus bemühte sich W. wiederholt, sorbischsprachige Schüler in der Gödaer Dorfschule, der er als Pfarrer vorstand, soweit vorzubilden und zu fördern, dass sie einen der Freiplätze für Sorben an den drei sächsischen Fürstenschulen belegen konnten. Sein bildungspolitisches Engagement trug somit wesentlich dazu bei, eine sorbischsprachige lutherische Geistlichkeit zu etablieren und zu formen.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Visitationsakten; Pfarrarchiv Göda.

W  M. Luther, Der kleine Katechismus, Tauf- und Traubüchlein, [Bautzen] 1595 (ND Bautzen 2001) (Übersetzung ins Sorbische).

L  G. Jacob, Der erste wendische Katechismus, in: Festschrift für Herrn Geheimen Kirchenrat Domherrn Prof. D. Fricke zur Feier seines 50jährigen Präsidiums in der Lausitzer Prediger-Gesellschaft zu Leipzig, Leipzig 1897, S. 65-91; K. H. Meyer, Der oberwendische (obersorbische) Katechismus des Warichius (1597), Leipzig 1923; H. Schuster-Šewc, Die ältesten Drucke des Obersorbischen. Wenceslaus Warichius und Gregorius Martini, Bautzen 2001; J. Bulisch, Wenceslaus Warichius der Ältere und seine Zeit, in: Lětopis 56/2009, H. 2, S. 62-81. – ADB 41, S. 170; DBA I; G. F. Otto, Lexikon der... Oberlausizischen Schriftsteller und Künstler, Bd. 3, Görlitz 1803, S. 465.



Jens Bulisch
25.10.2016


Empfohlene Zitierweise:

Jens Bulisch, Worjech (Warichius, Warich, Warech, Worech), Wjacław (Wenceslaus, Wenzeslaus, Wenzel) d.Ä., in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.3.2017)

Wikipedia Link