Blüthgen (Bluethgen) Victor (Viktor) August Eberhard (Eduard) (Pseudonym: A. E. Vic[k]tor)
Schriftsteller, Dichter, Redakteur
* 4.1.1844 Zörbig bei Halle/Saale 2.4.1920 Berlin Bad Freienwalde/Oder
VGottfried August (1812-1869), PostexpedientMEmma Juliane Eleonore, geb. Zabel (1817-1897)GArthur (* † 1841); Olga (* † 1843); Arthur (1845-1908), Bahnoberbaurat; Oscar (1846-1925), Gymnasialprofessor; Paul (* † 1848); Alma (1850-1931); August Vinzenz Werner (1851-1902), Kaufmann; Ida (1854-1935); Valeska (1856-1939); Paul (* † 1858); August Franz Walter (1861-1926), Elektrotechniker 1.1881 Luise, geb. Heinburg (1850-1885)SHans-Joachim (1884-1914), Fliegerleutnant 2.1898 Clara, geb. Kilburger, gesch. Eysell (1856-1934), Schriftstellerin
GND: 119107252

B. war in Wilhelminischer Zeit einer der populärsten Schriftsteller für Kinder und Jugendliche und wird der Gruppe der sog. realistischen Eklektizisten des 19. Jahrhunderts zugerechnet. Seine Zeit in Leipzig, wo er als Redakteur und Autor für die Zeitschrift „Gartenlaube“ arbeitete, trug entscheidend zu seiner weiteren Laufbahn als Schriftsteller bei. – B. besuchte zunächst die Franckeschen Stiftungen in Halle/Saale und nahm dort ein Studium an der Universität auf. Anschließend war er als Lehrer auf einem Gut sowie in Mücheln bei Merseburg tätig. Es folgte ein Besuch des Predigerseminars in Wittenberg. Seit 1871 war B. Redakteur und Mitautor am „Theologischen Universal-Lexikon“ (Elberfeld 1868-1874). Einem kurzen Aufenthalt in Marburg/Lahn lag die Absicht zugrunde, eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Finanzielle Schwierigkeiten ließen B. jedoch ab 1876 einer Tätigkeit als Journalist und Schriftsteller nachgehen, und zwar zunächst als Chefredakteur der „Krefelder Zeitung“. Ende 1877 übersiedelte er gemeinsam mit seinem Freund, dem Schriftsteller Julius Lohmeyer, nach Leipzig, wo er im folgenden Jahr Redakteur und Autor der „Gartenlaube“ wurde. Sein erstmals in der Familienzeitschrift publizierter Roman „Aus gährender Zeit“ machte ihn einem größeren Publikum bekannt. In Leipzig wurde B. eines der ersten Mitglieder des „Allgemeinen Deutschen Schriftstellerverbands“. Während seiner Leipziger Zeit hatte er im Rahmen eines „Kränzchens“ freundschaftlichen Kontakt zu den Familien der sächsischen Mundartdichter Edwin Bormann und Georg Bötticher sowie zu den Familien von Julius Kleinmichel und Fedor Flinzer. Mit Letzterem war er auch verwandtschaftlich verbunden; seine Brüder Walter und Werner heirateten die beiden Töchter Flinzers. 1881 zog er mit seiner ersten Frau nach Bad Freienwalde, wo er ein gutes Auskommen als freier Schriftsteller hatte. Die letzten Lebensjahre verbrachte B. mit seiner zweiten Frau, der damals viel gelesenen Autorin Clara Blüthgen, abwechselnd in Berlin und Bad Freienwalde. – B. verfasste zahlreiche, oftmals idyllisierende Publikationen für Kinder und Jugendliche. Es entstanden nicht nur diverse Beiträge für Lohmeyers beim Alphons Dürr Verlag in Leipzig erscheinende Zeitschrift „Deutsche Jugend“, sondern auch Märchenbücher („Hesperiden“) und Bilderbücher mit Illustrationen von Oscar Pletsch, Kleinmichel oder Flinzer. Ferner veröffentlichte B. Gedichte, Romane und Opernlibretti („Die schwarze Kaschka“), die vielfach seine konservative, bürgerlich-nationale Gesinnung widerspiegeln.



Q  Oderlandmuseum, Bad Freienwalde; Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung; Heimatmuseum, Zörbig.

W  mit O. Pletsch, Stillvergnügt, Leipzig 1876; mit O. Pletsch, Unser Hausgärtchen, Leipzig 1876; mit F. Flinzer, Schelmenspiegel, Stuttgart 1877; Hesperiden, Leipzig 1878; mit F. Flinzer, Der Froschmäusekrieg, Wiesbaden 1878 (veränderter ND München 1994); Gedichte, Leipzig 1880; mit J. Kleinmichel, Im Flügelkleide, Berlin 1881; Aus gährender Zeit, Berlin 1884; Der Preuße, Berlin 1884; Eine Tierschule, Breslau 1891 (veränderter ND München 1979); Die schwarze Kaschka, Berlin 1895; Die Spiritisten, Leipzig 1902; Literarische Erinnerungen, in: Eckart 8/1913-1914, S. 10-16 u.ö.; Ach, wer doch das könnte! Erzählungen und Gedichte, Zörbig 1995 (P).

L  Victor B. Ein Gedenkbuch zu seinem 70. Geburtstag, Leipzig 1914 (P); B. Weber, Victor B., in: Bitterfelder Heimatblätter 17/1995, S. 139-146 (P); R. Schmook, Erinnerungen an Victor B., in: Bad Freienwalder Heimatkalender 40/1996, S. 26-32 (P); H. J. Nauschütz, Victor B. (1844-1920) und Freienwalde, Frankfurt/Oder 1999 (P). – DBA I, II, III; DBE 1, S. 581; Deutsches Zeitgenossenlexikon, Leipzig 1905, Sp. 128; K. Doderer (Hg.), Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur, Bd. 1, Weinheim/Basel 1984, S. 182-184 (WV); W. Killy, Literaturlexikon, Bd. 2, Gütersloh u.a. 1989, S. 26; A. Klotz, Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland 1840-1950, Bd. 1, Stuttgart 1990, S. 164-166 (WV); H. Schmidt, Quellenlexikon zur deutschen Literaturgeschichte, Bd. 2, Duisburg 1995, S. 415; H. Jacob, Deutsches Schriftsteller-Lexikon 1830-1880, Bd. 1, Berlin 1995, S. 478-489 (WV); W. Kosch (Begr.), Deutsches Literatur-Lexikon, Bd. 3, München u.a. 2001, S. 110f. (WV); Microsoft Encarta Professional 2003 [CD-ROM].

P  Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., Digitales Bildarchiv (Bildquelle).



Fedor Bochow
11.6.2004


Empfohlene Zitierweise:

Fedor Bochow, Blüthgen (Bluethgen), Victor (Viktor) August Eberhard (Eduard) (Pseudonym: A. E. Vic[k]tor), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.4.2017)

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