Eichler Karl Theodor
Porzellanplastiker, Bildhauer
* 15.5.1868 Oberspaar bei Meißen 3.2.1946 Meißen Johannesfriedhof Meißen (?)(ev.)
VErnst Wilhelm, Baugewerkemeister, Baumeister in MeißenMTheresie Wilhelmine, geb. Melzer
GND: 12399439X





E. besuchte drei Jahre die Schule in Cölln bei Meißen, danach die Mittlere Bürgerschule bis zur Konfirmation, anschließend die Handelsschule in Meißen. 1885 wurde er in die Meißner Porzellanmanufaktur aufgenommen, wo er zunächst am Zeichen- und Modellierunterricht bei Ernst August Leuteritz und E. O. A. Andresen teilnahm. Michaelis 1886 wurde E. als Bossierer in der Manufaktur aufgenommen und nach Abschluss der fünfjährigen Berufsausbildung als Bossierer besuchte er 1891 bis 1894 für zweieinhalb Jahre die Königliche Kunstgewerbeschule in Dresden, wo er Schüler von Hugo Spieler war. Danach arbeitete er als Modelleur an der Meißner Manufaktur. Ostern 1896 begann er ein Bildhauerstudium an der Dresdner Kunstakademie, wobei er ob seiner besonderen Befähigungen sofort in die Ober-bzw. Modellierklasse von Ernst Moritz Geyger aufgenommen wurde. Michaelis 1897 kam E. in das Atelier von Robert Diez. Als Student erhielt er u.a. folgende Auszeichnungen: 1897, 1899, 1900 und 1902 das Ehrenzeugnis, 1898 die Große silberne Medaille sowie 1903 die Kleine goldene Medaille. Ab dem Wintersemester 1898/99 bis zum Wintersemester 1902/03 musste E. keine Studiengebühren bezahlen, Ostern 1903 beendete er mit einem Abgangszeugnis sein überaus erfolgreiches Studium an der Kunstakademie als akademischer Bildhauer. Ab Juli 1903 arbeitete er wieder als Modelleur an der Meißner Porzellanmanufaktur. – Bereits seit 1899 war E. mit einigen Bronzeplastiken („Knabe mit Korb“, „Mädchen mit Kreisel“) auf den deutschen Kunst- und Kunstgewerbeausstellungen in Dresden, Berlin, Düsseldorf und Hannover vertreten. Von Oktober 1906 bis Juli 1907 soll er im Auftrag der Meißner Manufaktur in Paris und 1913 in Nordafrika gewesen sein, auch von einem Aufenthalt in Rom wird in den Manufakturunterlagen berichtet. 1913 schuf er einen „Christus“ für die Kirche in Adorf/Vogtland. Zwischen 1896 und 1919/20 schuf E. 72 Porzellanplastiken (im Formnummernbereich A 250 bis Z 151). In stilistischer Hinsicht sind seine Arbeiten zwischen Jugendstil und Neuer Sachlichkeit einzuordnen. Seine Figuren sind in der Darstellung von einer konsequenten Reduzierung auf das Wesentliche gekennzeichnet, sie sind realistisch, sachlich, zeitgenau, modern und schnörkelfrei. Nach 1919 fällt er mit seinen plastischen Arbeiten bei Max Adolf Pfeiffer (seit 1913 Kaufmännischer Direktor an der Manufaktur) in Ungnade und wurde nur noch halbtägig als Modelleur zum „Figurenaufreparieren“ beschäftigt. Als Privatperson unterhielt E. ein Bildhaueratelier in Meißen. Ab 1910 bzw. 1916 ließ er sich als „Bildhauer“, „Kunstbildhauer“ und „Akademischer Bildhauer“ in den Adressbüchern der Stadt Meißen verzeichnen. Während seiner Zeit an der Manufaktur kämpfte E. zusammen mit weiteren Berufskollegen um die Anerkennung ihres Schaffens als namentlich bekannte Künstler und nicht nur als namenlose Kunsthandwerker einer berühmten Manufakturmarke. E. war unverheiratet und kinderlos.



Q  Stadtarchiv Meißen, Adressbücher der Stadt Meißen, Sterberegister des Standesamts Meißen, Bd. 5, Nr. 195; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Matrikelbücher der Dresdner Kunstakademie, Akte 110, Film 105.

W  Knabe mit Korb, Bronzeplastik; Mädchen mit Kreisel, Bronzeplastik; Christus, 1913, Stadtkirche Adorf/Vogtland.

L  J. Just, Meissener Jugendstil-Porzellan, Leipzig 1983; M. Altner, Von der Königlichen Kunstakademie zur Hochschule für Bildende Künste Dresden, Dresden 1990; H. Sonntag, Die Meissener Porzelliner. Karl Theodor E.s Figurenserie von 1919, in: Weltkunst. Die Zeitschrift für Kunst und Antiquitäten 64/1994, H. 15, S. 2006f.; ders., Erlebte Kunst. Meissener Figurenporzellane aus drei Jahrhunderten, Leipzig 1997; ders. Rhythmus und Grazie. Berühmte Tänzerinnen in Meissener Porzellan, in: Sammlerjournal 29/2000, H. 4, S. 24-29; ders., Loie Fuller, die berühmte „Kneeling-Lady“ bei Rolls Royce auch im Meissener Porzellan, in: Notabene medici 2000, H. 11/12, S. 564f.; J. Schärer, Auf den Punkt gebracht. Porzellane für Meissen, Meißen 2000, S. 257; H. Sonntag, Auf der Spurensuche nach Frieda Hess (-Fleischmann), Solotänzerin am Kgl. Hoftheater zu Dresden 1906-1918, in: Keramos. Zeitschrift der Gesellschaft der Keramikfreunde 175/176/2002, S. 17-32; S. Bergmann/T. Bergmann, Meissener Künstler-Figuren. Modellnummern A 100 bis Z 300, Erlangen/Karlsruhe 2010; H. Sonntag, Karl Theodor E. (1868-1946) ein Meissener Porzellanplastiker des frühen 20. Jahrhunderts, in: Keramos. Zeitschrift der Gesellschaft der Keramikfreunde 224/2014, S. 33-44. – Künstlerlexikon Thieme/Becker, Bd. 10, Leipzig 1999, S. 411.



Hans Sonntag
18.12.2014


Empfohlene Zitierweise:

Hans Sonntag, Eichler, Karl Theodor, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.9.2017)

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