Meurer Gottlob Siegfried
Ingenieur, Fabrikant, Bergsteiger
* 7.9.1840 Waldenburg 4.5.1926 Dresden Dresden, Johannisfriedhof Tolkewitz(ev.)
VMoritz (1806-1877), Geistlicher, theologischer SchriftstellerMFriederike Charlotte, geb. Petzold (1808-1848)GFriederike Christiane Bathoni (* † 1835); Johanne Friederike Theodore (* 1836); Gottlob Friedrich (* 1838); Gottlob Moritz (1839-1916), Maler; Anna Regina (* † 1841); Anna Renate (1842-1936); Gottlob Coelestin (1844-1916), Kaufmann; Gottlob Reinhard (1845-1893), Gärtnereibesitzer; Antonie Elisabeth (* 1846); Dorothee (* † 1848)1867 Auguste Clementine Victorie, geb. Rudolph (1846-1920)SConrad Arthur (1872-1947), Fabrikant; Friedrich Eberhard (1873-1945), IngenieurTKatherina Charlotte (1868-1934)
GND: 138341370





M. gehörte zu den erfolgreichen sächsischen Unternehmern, die am Ende des 19. Jahrhunderts ihre Firmen mit Tatkraft und Innovationen zu bedeutenden Betrieben entwickelten und so einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung Sachsens leisteten. – Nach dem Besuch der Gewerbeschule in Chemnitz und anschließender Arbeit als Ingenieur, u.a. in der Sächsischen Maschinenfabrik von Richard Hartmann, machte sich M. 1871 in Pirna mit einer Gelbgießerei selbstständig. Zwei Jahre später gründete er mit seinem Bruder Coelestin die Firma G. Meurer in Dresden-Johannstadt. Hier wurden ein von M. entwickelter Spirituskocher, aber auch Metallwaren und Kunstguss hergestellt. Nach dem Bau des Gaswerks in Dresden-Reick 1881 und der breiten Einführung von Stadtgas in Dresden erkannte er rasch den neuen Markt und nahm die Fertigung von Gaskochern auf. Die ständig wachsende Produktion führte 1903 zur Verlegung des Werks nach Cossebaude bei Dresden. Seine Erzeugnisse, v.a. Gaskocher, Gasherde und Gasheizöfen mit dem Markenzeichen „Meurer Prometheus“, wurden aufgrund ihres technischen Standards zu einer der führenden Marken der Branche. So entstand 1907 ein Zweigwerk in Tetschen (tschech. Děčin), gefolgt von weiteren Montagewerkstätten in Budapest und Barcelona. Außerdem gründete M. in Königsbrück ein Emaillierwerk. 1909 wurde das bisherige Familienunternehmen in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen Eisenwerke G. Meurer AG umgewandelt. 1911 schied er aus der Leitung der Firma aus, die fortan von seinem Sohn Conrad geführt wurde. Nach 1946 arbeitete der Stammbetrieb weiter als VEB Eisenwerk Cossebaude, ab 1953 als VEB Wärmegerätewerk Cossebaude. Seit der Reprivatisierung 1990 firmiert er unter dem Namen Gastro-Gerätebau Dresden GmbH. – M., der für seine Verdienste um die sächsische Wirtschaft 1908 mit dem Titel Kommerzienrat geehrt wurde, war bis 1924 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Aktiengesellschaft und danach dessen Ehrenvorsitzender. Mehrere Jahre lang war er auch Mitglied der Kammer für Handelssachen beim Landgericht Dresden. – M. war als ein begeisterter Bergsteiger 1888 der Sektion Dresden des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins beigetreten, in deren Vorstand er einige Jahre wirkte. Er erkannte früh die Bedeutung des sich in der Sächsischen Schweiz entwickelnden Klettersports und gewann jüngere Mitglieder der Sektion dafür. 1895 gründete er in der Sektion Dresden die Vereinigung „Die Falkensteiner“. Seine Söhne Conrad und Friedrich waren in dieser Zeit Seilgefährten von Oscar Schuster bei zahlreichen Erstbesteigungen, u.a. des nach ihnen benannten Meurerturms in den Schrammsteinen. 1901 wurde unter Leitung von M. ein Falke aus Kupferblech als Gipfelzeichen auf dem Falkenstein aufgestellt. Als begeisterter Hochtourist besuchte M. häufig die Alpen. Sein besonderes Interesse galt der Palagruppe in den Dolomiten, wo ihm auch zwei Erstbesteigungen gelangen. Er wirkte an einer Karte des Gebiets und an der Aufstellung des Tarifs für die Bergführer mit und setzte sich für den Bau einer Schutzhütte der Sektion Dresden in der Palagruppe ein, die 1897 eingeweiht wurde. Eine zweite, aus eigenen Mitteln erbaute Hütte verkaufte er später der Sektion. Für seine Verdienste wurde ihm 1898 das Große Ehrenzeichen der Sektion verliehen.



Q  Staatshandbuch für das Königreich Sachsen, Dresden 1911; Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, Berlin/Leipzig/Hannover 1930, S. 4017f.; Pfarrarchiv Callenberg; Pfarrarchiv Waldenburg; Stadtarchiv Dresden.

L  A. Munkel, Zur Geschichte der Section Dresden, Dresden 1898; O. Korschelt, Beitrag zur Entwicklung der Felsenkletterei, in: Der Fahrtgesell 2/1926, S. 154; W. Fischer, Gottlob Siegfried M., ein sächsischer Großunternehmer, in: Sächsische Heimat 18/1972, S. 96f.; H. Pankotsch, Die Bergsteiger- und Unternehmerfamilie Meurer, in: Aus der sächsischen Bergsteigergeschichte 3/1997, S. 8f.; ders., Siegfried M. - sächsischer Unternehmer und Bergsteiger, in: Sächsische Heimatblätter 43/1997, S. 97f. – DBA III; DBE 7, S. 94; NDB 17, S. 267.



Hans Pankotsch
19.8.2009


Empfohlene Zitierweise:

Hans Pankotsch, Meurer, Gottlob Siegfried, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.10.2017)

Wikipedia Link