Deyling Salomo
Theologe, Superintendent und Domherr in Zeitz und Meißen
* 14.9.1677 Weida/Vogtland 5.8.1755 Leipzig(ev.)
VJohann (?), BierbrauerMMaria, geb. Fuchs (?)
GND: 116095628






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Im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts war D. in Leipzig der wichtigste Vertreter der späten lutherischen Orthodoxie. – Nach seiner Schulausbildung, die er in Lengefeld und Zwickau erhielt, studierte D. ab 1697 in Wittenberg zunächst Medizin, dann Theologie. Nachdem er hier 1699 Magister geworden war, arbeitete er für einige Zeit als Hauslehrer in Schlesien. In den folgenden Jahren verband er wissenschaftliche Qualifizierung mit pastoraler Tätigkeit und wurde 1704 Archidiakon in Plauen, 1707 Lizentiat der Theologie und 1708 Superintendent in Pegau. Zwei Jahre später zum Dr. theol. promoviert, übernahm D. 1716 in der Grafschaft Mansfeld das Amt des Generalsuperintendenten in Eisleben. 1720 ging er schließlich nach Leipzig, wo er bis zu seinem Tod als Superintendent und - vermutlich seit 1722 - als Theologieprofessor wirkte. Parallel dazu wurde er später noch Superintendent und Domherr in Zeitz und Meißen. – Aufgrund seines Doppelamts als Professor und Superintendent konnte D. seine Anschauungen nicht nur den Studenten vom universitären Katheder verkünden, sondern auch der Leipziger Bevölkerung von der Kanzel der Nikolaikirche predigen. Dadurch entfaltete er im Unterschied zu seinen ebenfalls lutherisch-orthodox gesinnten Kollegen an der Theologischen Fakultät eine sehr große Breitenwirkung. Wie intensiv er versuchte, sich Gehör zu verschaffen, zeigte sich etwa, als zwischen Mai und August 1739 der 200. Jahrestag des ersten evangelischen Gottesdiensts anstand. Allen landesherrlichen Verboten und Zensuranordnungen zum Trotz gab D. sowohl mit Predigtankündigungen als auch mit verschiedenen Schriften die - gegenüber einer katholischen Landesherrschaft kritischen - Inhalte des lokalen Leipziger Reformationsjubiläums vor. – Von Zeitgenossen wegen seiner Gelehrsamkeit gerühmt, ist D. als Verfasser zahlreicher polemisch-apologetischer Abhandlungen zur Kritik und Exegese des Alten und Neuen Testaments hervorgetreten. Seine wichtigste Arbeit waren die „Institutiones“, eine Pastoraltheologie, in der er ausführlich das kirchliche Amt und die sich daraus ergebenden Anforderungen für den Amtsinhaber darstellt.



Q  J. C. Stemler/C. G. Eichler, Denkmaal der Liebe ... dem Herrn Salomon Deylingen aufgerichtet, Leichenpredigt, Leipzig 1756; C. G. Eichler, Trauerrede, welche bey dem Ehrengedächtnisse des ... Salomon D.s ... gehalten worden, Leichenpredigt, Leipzig 1756.

W  Institutiones prudentiae pastoralis, Leipzig 1734, 31768; Observationes Sacrae, 5 Teile, Leipzig 1708-1748, 31735-1758.

L  W. Flügel, Konfession und Jubiläum, Leipzig 2005; K. Löffler, Anthropologische Konzeptionen in der Literatur der Aufklärung, Leipzig 2005. – ADB 5, S. 108f.; DBA I, III; DBE 2, S. 510.

P  J. B. Brühl, Kupferstich, o.J., Franckesche Stiftungen, BÖTT: B 1110, Wolfenbüttel HAB A 4799; Superintendent Salomon D. (1677-1755), unbekannter Künstler, o.J., Öl auf Holz, Thomaskirche Leipzig (Bildquelle).



Wolfgang Flügel
30.8.2010


Empfohlene Zitierweise:

Wolfgang Flügel, Deyling, Salomo, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (21.8.2017)

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