Burg (eigentl. Bartl) Robert
Sänger
* 29.3.1890 Prag 9.2.1946 Radebeul
V(* 1862)MPianistin
GND: 132480255





B. gehörte als Bariton 30 Jahre der Dresdner Hofoper/Sächsischen Staatsoper an. Er trug wesentlich zur Verdi-Renaissance der 1920er-Jahre in Deutschland bei, die Fritz Busch in Dresden einleitete, und wurde als Wagner-Interpret bei den Bayreuther Festspielen bekannt. – B. wuchs in Prag in einem musischen Elternhaus auf. Sein Studium der Mathematik an der dortigen Technischen Hochschule schloss er mit der Staatsprüfung ab. Im Winter 1910/11 leistete er den einjährig-freiwilligen Artilleriedienst. Bereits während seines Studiums nahm er Gesangsunterricht bei Hans Pokorny, dem führenden Bariton des Deutschen Theaters Prag. 1914 debütierte B. als Valentin in Charles Gounods „Margarethe“ in Aussig (tschech. Ústί nad Labem). Nach einigen Rollen am Deutschen Theater Prag wurde er 1915 vom Augsburger Stadttheater engagiert. Bereits nach einer Spielzeit verpflichtete ihn die Dresdner Hofoper (seit 1918 Staatsoper), deren Mitglied er bis 1944 blieb. – B. beherrschte ein außergewöhnlich vielseitiges Repertoire - vom charmanten Frank in Richard Strauß' „Fledermaus“ bis zum teuflischen Scarpia in Giacomo Puccinis „Tosca“. „Nicht der kantilenenreiche Gesang, sondern der dramatische Akzent war seine besondere Begabung“ (Sächsische Volkszeitung). Besonders seine Ausstrahlungskraft bei der Darstellung dämonischer Figuren machte ihn über Dresden hinaus bekannt. Seine bedeutendsten Rollen waren die Titelpartien in Giuseppe Verdis „Falstaff“ und Modest Mussorgskijs „Boris Godunow“. B. wirkte in mehreren Dresdner Uraufführungen mit: am 14.1.1918 als Titelfigur in Jan Brandt-Buys „Der Eroberer“, am 24.1.1921 als Mnorgis in Joseph Gustav Mraczeks „Ikdar“, am 21.5.1925 in Ferruccio Busonis „Doktor Faust“, am 9.11.1926 in der Titelpartie von Paul Hindemiths „Cardillac“ und am 11.11.1930 als Jimmy in Mark Lothars „Lord Spleen“. 1933 bis 1942 sang er bei den Bayreuther Festspielen neben anderen Partien den Alberich im Ringzyklus. Daneben gastierte B. in Berlin, Wien, München, Budapest, Amsterdam, Zürich und Prag, trat mit Liederabenden aber auch in sächsischen Städten wie Zittau, Görlitz, Plauen und Annaberg auf. – Nach Kriegsende gab er bereits im Juli 1945 wieder Konzertabende im zerstörten Dresden und seiner Umgebung. B. starb am Vorabend seines 32-jährigen Bühnenjubiläums unmittelbar nach einem Liederabend in Radebeul in der Künstlergarderobe.



Q  Privatbesitz Dresden, Nachlass B.

L  Florestan, Robert B., in: Salonblatt 12/1917, Nr. 36, S. 820 (P); Mit siebenundzwanzig Jahren ..., in: Dresdener Rundschau 26/1917, Nr. 51, S. 1f. (P); Robert B. †, in: Sächsische Volkszeitung 2/1946, Nr. 35, S. 5; B., in: Sächsisches Tageblatt 2/1947, Nr. 1, S. 3; H. Böhm, Gedenken an Robert B., in: Die Union 15/1960, Nr. 90, S. 6; H. Seeger, Robert B., in: Opernglas 6/1989/90 (P). – DBA III; DBE 2, S. 235; K. J. Kutsch/L. Riemens, Großes Sängerlexikon, Berlin 32000, S. 3362f.

P  Robert B. in Don Juans letztes Abenteuer, H. Erfurth, nach 1914, Fotografie, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Judith Matzke
25.4.2005


Empfohlene Zitierweise:

Judith Matzke, Burg (eigentl. Bartl), Robert, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.10.2017)

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