Wagner Richard Emil
Kirchenmusikdirektor, Chorleiter, Komponist
* 14.3.1871 Marienberg 21.4.1950 Annaberg-Buchholz
VEmil Moritz, SchneidermeisterMAmalie Ernestine, geb. RöschG31897 Maria Alma, geb. Tippmann († 1939)TErna Hildegard, Konzert- und Oratoriensängerin
GND: 131922033






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W. gehörte zu den einflussreichsten Persönlichkeiten im Musikleben des Erzgebirges, die sich über die Tätigkeit als Volksschullehrer hinaus profiliert hatten. In der Kindheit erlernte er das Violin- und Klavierspiel und gehörte viele Jahre der Marienberger Kurrende an. 1885 trat er in das Volksschullehrerseminar Annaberg ein, wo er sich v.a. der Musik, insbesondere dem Orgelspiel widmete. Diese Ausbildung schloss er 1891 mit dem Prädikat „vorzüglich“ ab, danach wurde er vorerst Hilfs- und 1894 ständiger Lehrer an der Elementarschule Buchholz. Seine pädagogischen Erfahrungen und Grundsätze als Lehrer fasste W. in mehreren Druckschriften zusammen, z.B. „Einführung in das Studium der Muttersprache“, „Spielendes Lernen“ (beide 1914). Außerdem war er als Kursleiter Wegbereiter der Tonika-Do-Methode und der Engel’schen Stimmbildung im Musikunterricht. Trotz dieser Erfolge versetzte ihn das sächsische Volksbildungsministerium im Oktober 1931 aufgrund einer Sparverordnung vorzeitig in den Ruhestand. – Parallel zu seinen schulischen Verpflichtungen hatte W. bereits von 1891 an den erkrankten Kantor an der St.-Katharinen-Kirche Buchholz vertreten. 1896 übernahm er dieses Kantorat ganz und schied daraus erst 1950 aus. Beispielgebend für das Erzgebirge führte er - nach Dresdner Vorbild - musikalische Vespergottesdienste ein. Er komponierte für seine Kantorei mehrere Motetten und veranstaltete mit ihr regelmäßig bemerkenswerte Kirchenkonzerte, in denen er auch als versierter Orgelspieler auftrat. 1916 wurden seine Verdienste in der sakralen Musikpflege mit dem Titel Kirchenmusikdirektor gewürdigt. Gleichermaßen engagierte sich W. in der bürgerlichen Chorbewegung, leitete in Buchholz zeitweilig drei Männerchöre und komponierte auch für sie. 1906 bis 1933 war er Liedermeister des Obererzgebirgischen Sängerbunds und trug damit die künstlerische Verantwortung für etwa 90 Chöre sowie für die Gestaltung regionaler Sängerfeste. Nach der „Gleichschaltung“ und damit der Umstrukturierung der Sängerbewegung durch die Nationalsozialisten wurde W. 1934 Chormeister des Sängerkreises Chemnitz, einem der fünf Sängerkreise in Sachsen. Dadurch hatte er auch im Deutschen Sängerbund exponierte musikalische und politische Stellungen inne, und zwar sowohl in Musikausschüssen als auch bei der Leitung zentraler Sängerfeste. Alle seine Bemühungen galten der „Erneuerung des deutschen Liedes“ und der künstlerischen Profilierung des Männerchorgesangs. Es entsprach der Mentalität des Erzgebirglers W., sich auch für die Pflege des Mundartlieds zu engagieren. Er vertonte mehrere fremde Texte, brachte v.a. etwa 250 Melodien anderer Mundartsänger in einen Satz für drei gleiche Stimmen, womit er den Stil der Mundartsingegruppen bis zur Gegenwart prägte.



Q  Privatarchiv W. R. A. Vauck, Dresden (Enkel von W.); Privatarchiv W. Kaden.

W  Einführung in das Studium der Muttersprache, Leipzig 1914; Spielendes Lernen, Leipzig 1914, 21921; Motetten, Orgelstücke, Lieder für Männerchöre, Bearbeitungen erzgebirgischer Mundartlieder (Hofmeister-Verlag Leipzig 1937-1939).

L  H. Burkhardt, Richard Emil W., in: Glückauf! 1996, H. 3, S. 63f.; W. Kaden, Richard W. Der „Sänger des Erzgebirges“, in: Heimatkalender 1996. Grüsse aus dem Erzgebirge, S. 26.



Werner Kaden
9.6.2009


Empfohlene Zitierweise:

Werner Kaden, Wagner, Richard Emil, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.8.2017)

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