Lehmann Fritz Richard Leopold
Redakteur, Gegner und Opfer des NS-Regimes
* 28.1.1900 Wien 12.1.1945 Dresden (hingerichtet) Leipzig, Südfriedhof
Vkaufmännischer DirektorErna
GND: 1031801936

L. wuchs in Nürnberg auf und studierte 1922 bis 1927 in Leipzig an der Handelshochschule Volkswirtschaft sowie an der dortigen Universität Journalistik. Gemeinsam mit Otto Stammer gründete er an der Universität Leipzig eine sozialistische Studentengruppe und trat 1923 der SPD bei. Bereits als Student schrieb L. Artikel für sozialdemokratische Zeitungen und Zeitschriften. Nach Ende seines Studiums wurde er Redakteur der Leipziger Volkszeitung. – Aufgrund des Verbots der sozialdemokratischen Presse durch die Nationalsozialisten 1933 wurde L. arbeitslos. Die Unterstützung seiner Parteigenossen half ihm und seiner Frau bei der Bewältigung der größten wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Durch deren Hilfe erhielt er später auch eine Anstellung als Handelsvertreter. Der langjährige sozialdemokratische Bürgermeister von Wurzen und Meuselwitz Georg Book, der während der Zeit des Nationalsozialismus als Grundstücksmakler tätig war, stellte ihn schließlich als kaufmännischen Angestellten ein. Über ihn erhielt L. ca. 1941 Verbindung zu den kommunistischen Widerstandskämpfern Otto Engert und Karl Jungbluth. Der Kampf gegen den Nationalsozialismus und den Krieg hob die einstigen politischen Schranken auf und so erklärte sich der Sozialdemokrat L. bereit, den in der Illegalität lebenden kommunistischen Kunstmaler und Widerstandskämpfer Karl Krauße monatelang in seiner Wohnung aufzunehmen. Er hatte dadurch wesentlichen Anteil daran, dass Krauße die Zeit des Nationalsozialismus überlebte. – Nachdem sich mehrere Leipziger Widerstandsgruppen unter dem Namen „Freies Deutschland“ zusammengeschlossen hatten, beteiligte sich L. an der Ausarbeitung der programmatischen Grundsätze und Ziele des Leipziger Widerstands, der weitgehend in den Händen kommunistischer Funktionäre lag, jedoch sehr viele Nationalsozialismus- und Kriegsgegner einbezog. Er erarbeitete illegale Schriften und übernahm auch selbst deren Verteilung. 1944 wurde er verhaftet, wochenlang verhört und gefoltert. Die Verbindungen und Strukturen der Widerstandsgruppe gab L. aber offenbar nicht preis. So reichten die Vorwürfe gegen ihn zunächst nicht aus, um Anklage zu erheben. Erst als man einen Lockspitzel in L.s Haftzelle gebracht hatte, kam es zum Prozess, der im November 1944 vor dem Volksgerichtshof mit dem Todesurteil endete. – In der Leipziger Südvorstadt trägt eine Straße L.s Namen.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Staatsarchiv Leipzig, 20031 Polizeipräsidium Leipzig, Nr. 1852, 1472, 1839/116, 21690 SED, Sammlung Biografien, Nr. 877; Bundesarchiv Berlin, Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO), Zentrales Parteiarchiv der SED, Nr. I 2/3/136, S. 308.

L  H. Bauer, Richard L. zum Gedächtnis, in: Leipziger Volkszeitung 22.9.1946, 14.9.1947; H. Schumann/G. Werner (Red.), Erkämpft das Menschenrecht, Berlin 1958, S. 324 (P); L. Kraushaar, Deutsche Widerstandskämpfer 1933-1945, Bd. 1, Berlin 1970, S. 582f.; Stätten des Kampfes und der Erinnerung, hrsg. vom Museum für Geschichte der Stadt Leipzig, Leipzig 1974, S. 29, 33; C. Voigt, Kommunistischer Widerstand in Leipzig 1943/44, Magisterarbeit Universität Leipzig 2001 [MS]. – DBA III.



Dieter Kürschner †
11.9.2012


Empfohlene Zitierweise:

Dieter Kürschner †, Lehmann, Fritz Richard Leopold, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (29.4.2017)

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