Ulrich Peter (Peter von Heilbronn, Peter von Pirna)
Baumeister
* um 1440 Heilbronn 1513/14 Pirna
GHansDorothea
GND: 13988565X





U. war unter Kurfürst Ernst, Herzog Albrecht (der Beherzte) und Herzog Georg (der Bärtige) landesherrlicher Baumeister in Sachsen. Mit der St. Annenkirche in Annaberg und der St. Marienkirche in Pirna schuf er zwei bedeutende obersächsische Hallenkirchen, die den europäischen Rang der spätgotischen Baukunst in Sachsen belegen. – Der in Heilbronn aufgewachsene U. gehörte zu den Bauleuten, die Arnold von Westfalen nach Meißen holte. Mit anderen aus Schwaben stammenden Steinmetzen, unter ihnen Konrad Pflüger, scheint er am Bau der Albrechtsburg in Meißen beteiligt gewesen zu sein. 1478 wurde U. von Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht zum landesherrlichen Baumeister berufen. 1480/81 ist er in Dresden bezeugt, wo er verschiedene Bauaufgaben durchführte und möglicherweise auch die von Westfalen begonnene spätgotische Umgestaltung des Schlosses leitete. 1493 erwarb er das Bürgerrecht in Dresden und kaufte ein Haus in der Frauenkirchenvorstadt. Nachdem ihn die Stadt Pirna - spätestens 1503 - zum Stadt- und Kirchenbaumeister berufen hatte, zog er dorthin um und erstellte die Pläne für das Kirchenschiff der Stadtkirche St. Marien. Bis 1521 wurden nach seinem Entwurf die Umfassungsmauern des Langhauses, des Chors und des südlichen Sakristeianbaus errichtet. 1508 trat U. nach dem Tod Konrad Pflügers die Nachfolge als Baumeister der St. Annenkirche in Annaberg an und vollendete die Außenwände, Pfeiler und Emporeneinbauten. Die von U. ausgeführten Kirchen in Pirna und Annaberg sind als dreischiffige Hallenkirchen mit dreigeteiltem polygonalem Chor angelegt. Während in Annaberg die Strebepfeiler innen angeordnet sind, verlegte U. die Strebepfeiler in Pirna nach außen und verzichtete auf umlaufende Emporen. – U. erfüllte als landesherrlicher Beamter und Werkmeister neben seiner Kirchenbautätigkeit verschiedene Aufträge Herzog Georgs. Auf dessen herzoglichen Befehl untersuchte er im Winter 1509/10 die durch Eisgang entstandenen Schäden an der Elbbrücke in Dresden. 1512 begutachtete er den Rathausturm in Görlitz, in dem Risse aufgetreten waren, sowie das Gewölbe der Marienkirche in Zwickau. – U. starb 1513, spätestens Anfang 1514, denn in diesem Jahr ist der Steinmetzmeister Markus Ribisch als Kirchenbaumeister in Pirna bezeugt. U.s Kirchenbauten waren zum Zeitpunkt seines Tods noch nicht fertig gestellt: In Annaberg fehlte die Einwölbung, in Pirna standen nur die Umfassungsmauern. 1515 führte Jakob Heilmann von Schweinfurt den Bau der Annenkirche weiter.



W  Albrechtsburg Meißen, Steinmetzarbeiten, um 1480; St. Marien, Pirna, begonnen 1503, nach U.s Tod bis 1521 fortgesetzt; St. Annen, Annaberg, Fortsetzung des Kirchenbaus, 1508-1513.

L  O. Speck, Meister Peter von Pirna, in: NASG 21/1900, S. 40-54; H. Schönemann, Die Baugeschichte der Annenkirche in Annaberg, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 12/1963, S. 748f.; H. Magirius, St. Annen zu Annaberg, München/Zürich 1991. – Thieme/Becker, Bd. 33, Leipzig 1939, S. 563.



Matthias Donath
8.8.2006


Empfohlene Zitierweise:

Matthias Donath, Ulrich, Peter (Peter von Heilbronn, Peter von Pirna), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (17.12.2017)

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