Schenk Peter II.
Kupferstecher, Kartenverleger, Bilderhändler
* getauft 15.2.1693 Amsterdam 14.1.1775 Amsterdam
VPeter I. (1660/61-1711), Kupferstecher, Kartenverleger, BilderhändlerMAgatha, geb. Valck (Valk) (1660-1750), Schwester des Amsterdamer Kupferstechers und Verlegers Gerard (Gerrit Leendertsson) Valck (Valk)GMaria (1688-1770), Leonard (1696-1767); Jan (1698-1752)1726 Anna, geb. Grevink (1702-1775)SPeter III. (1728-1803); Leonard (* 1731)
GND: 118047418

Der Amsterdamer Kupferstecher, Kartenverleger und Bilderhändler S. zählt zu den Schlüsselfiguren der sächsischen Kartografiegeschichte. 1711 übernahm er das Geschäft seines verstorbenen gleichnamigen Vaters, zu dem seit etwa 1700 zu Messezeiten auch eine Niederlassung in Leipzig gehörte. Nachdem schon Peter Schenk I. sein Angebot gezielt um Karten und topografische Ansichten des mitteldeutschen Raums erweitert hatte, setzte sein Sohn diese Schwerpunktbildung fort. Er baute auch das übrige Verlagsprogramm weiter aus, etwa durch den Erwerb der Druckplatten des Amsterdamer Kartenverlegers Nicolas Jansson Visscher II. Neben dem ab 1719 fest in Leipzig ansässigen Johann Georg Schreiber darf S. als bedeutendster Verleger sächsischer Spezialkarten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelten. Sein besonderer Erfolg beruhte auf der zeitweilig engen Kooperation mit Adam Friedrich Zürner und dessen Schule. Wohl noch vom Vater vorbereitet, publizierte S. 1711 das Zürnersche Erstlingswerk, die „Akkurate geographische Delineation der Diözese oder des Amtes Großenhain“, wenig später folgte die Zürnersche Karte des Amts Dresden. 1715 erschienen unter Zürners Namen Karten der Stadt Karlsbad (tschech. Karlovy Vary) und des Ellenbogenschen Kreises sowie der Herrschaft Teplitz (tschech. Teplice). Bis 1720 firmierte S. vereinzelt mit dem Namenzusatz „iunior“ und veröffentlichte in dieser Zeit seinen „Wegweiser durch das ganze Kurfürstentum Sachsen“, einen „Geographischen Entwurf des Amts Leipzig“, eine Karte des Herzogtums Magdeburg mit Halle, den „Geometrischen Generalriss des Stifts Merseburg“ und eine Postroutenkarte, wohl nach der um 1717 bei Moritz Bodenehr in Augsburg produzierten Zürnerschen Postkarte. Dabei knüpfte er an ein vorgebliches „Generalprivileg“ Kurfürst Friedrich Augusts I. (König August II. von Polen, der Starke) für seinen Vater an, das er den kursächsischen Behörden allerdings niemals vorlegen konnte, sodass an dessen Existenz gezweifelt werden muss. Vor 1752 scheint S. auch für seine Person kein landesherrliches Privileg erlangt zu haben, obwohl die bis dahin erschienenen Karten dies mehrfach führten. 1720 befand sich sein Leipziger Geschäftslokal im Rothauptschen Hof, spätestens ab 1745 residierte er wieder (wie schon der Vater) im Hohmannschen Hof in der Petersstraße und nutzte die Wohnung im „Krebs“ in der Fleischergasse. Um 1760 scheint er sich auch außerhalb des Messegeschäfts häufig in Leipzig aufgehalten zu haben, das ab 1752 neben Amsterdam für einige Jahre als Verlagssitz genannt wird. Die Herstellung der Schenkschen Karten und Bilder fand jedoch immer in Amsterdam statt. So oblagen S.s Mutter bis zu ihrem Tod die Herstellung und der Druck der Bildwerke, den Kartendruck besorgten um 1760 S.s Sohn, Peter III., und sein Neffe Leonard Jansson Schenk. Mitte der 1740er-Jahre begann die Hochphase der Zusammenarbeit mit der Zürner-Schule. In dichter Folge publizierte S. seitdem Karten der kursächsischen Kreise und Ämter, die ganz in Zürnerscher Darstellungsmanier gehalten waren und zusammen mit den bereits ab 1711 veröffentlichten sächsischen Spezialkarten in seinem 1752 erstmals erschienenen „Atlas Saxonicus Novus“ zusammengefasst wurden. Den Anstoß hierfür gab, dass das Zürnersche Oevre nach dem Tod des Kartografen (1742) wohl endgültig keiner Geheimhaltung mehr unterlag und einer der größten Konkurrenten S.s, der Augsburger Kartenverleger Matthäus Seutter, Ende 1747 seinerseits um ein Privileg zum Nachstich Zürnerscher Karten nachgesucht hatte, die in der Folgezeit freilich meist als Kopien Schenkscher Werke herauskamen. 1752 erhielt S. ein auf zehn Jahre befristetes kursächsisch-polnisches Privileg für seinen Atlas, für den damals bereits knapp 30 Karten vorlagen. Aufbau und Umfang standen nach Neuauflagen von 1753 und 1757 allerdings erst mit der Ausgabe von 1760 endgültig fest (49 Karten, dazu mehrere Veduten). Als Vorlage des „Atlas Saxonicus Novus“ galten bisher die Ämterkarten Zürners, namentlich von dessen „Atlas Augusteus Saxonicus“. Doch stammten die Entwürfe der Karten S.s zum überwiegenden Teil vom kursächsischen Grenzkondukteur und Geografen Johann Paul Trenckmann aus Geringswalde, dem Sohn von Paul Trenckmann, einem der engsten Mitarbeiter Zürners, nach dessen Vorarbeiten S. bereits um 1740 eine Karte der altenburgischen Ämter erstellt hatte. Beide Trenckmanns waren in der Zürnerschen Darstellungsmanier erfahren, was erklärt, dass die Karten des Schenkschen Atlas schon den Zeitgenossen als Zürnersche Karten galten, ohne im engeren Sinn ein Werk dieses Kartografen zu sein. Nur die vier Karten des Atlas, die Zürner ausdrücklich als ihren Autor nennen, dürfen ihm zugeschrieben werden. Die verbreitete Auffassung, nach der sich S. die Karten des „Atlas Augusteus Saxonicus“ nach Zürners Tod auf unrechten Wegen verschafft und sie ohne Angabe des Urhebers veröffentlich habe, ist eine Legende, die den Verleger unverdient ins Zwielicht setzt. Allerdings geriet S. 1761 ins Visier der kursächsischen Zensur, nachdem er im Auftrag des Grafen Albert Christian Ernst von Schönburg verschiedene Karten der schönburgischen Herrschaften publiziert hatte, die deren staatsrechtliche Stellung aus kurfürstlicher Perspektive verfälschten und dem 1740 geschlossenen schönburgisch-wettinischen Rezess widersprachen. Seine 1762 erloschene Atlaskonzession erhielt der Verleger daher bis zu seinem Tod nicht mehr erneuert, was ihn offenbar wirtschaftlich belastete. Dies hinderte S. allerdings nicht daran, den „Atlas Saxonicus Novus“, der wie kaum ein anderes druckgrafisches Werk die zeitgenössische Topografie Mitteldeutschlands während des 18. Jahrhunderts prägte, 1775 unter Führung des kurfürstlichen Privilegs neu aufzulegen. 1770, nach dem Tod seiner Schwester Maria, übernahm S. auch die Globenproduktion seines schon 1746 verstorbenen Schwagers Leonard Valck. Nach S.s Tod führte sein Sohn, Peter III., die Geschäfte fort und brachte 1781 den „Atlas Saxonicus Novus“ nochmals in einer Neuauflage unter kursächsischem Privileg heraus.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 10025 Geheimes Konsilium, 10079 Landesregierung, 10036 Finanzarchiv; Sächsisches Staatsarchiv – Staatsarchiv Chemnitz, 30581 Herrschaft Hinterglauchau; Stadtarchiv Leipzig, Tit. XLVI (F) 456 II. Sekt. S (F).

L  K. Jolig, Niederländische Einflüsse in der deutschen Kartographie besonders des 18. Jahrhunderts, Diss. Leipzig 1903, S. 24-34; H. Beschorner, Einige Bemerkungen zu dem sogenannten Schenkschen Atlas, in: NASG 24/1903, S. 327-335; C. Koeman (Hg.), Atlantes neerlandici, Bd. 3, Amsterdam 1969, S. 107-121; P. van der Krogt, Peter S. I., overleden te Leipzig in 1711, in: Caert-Thresoor 4/1985, S. 37f.; ders., Globi neerlandici, Utrecht 1993, S. 310-313; P. Wiegand, Bella cartographica, in: NASG 77/2006 [in Vorbereitung]. – DBA I; I. Kretschmer/J. Dörflinger/F. Wawrik (Bearb.), Lexikon zur Geschichte der Kartographie von den Anfängen bis zum ersten Weltkrieg, Bd. 2, Wien 1986, S. 704; V. Scott (Hg.), Tooley’s dictionary of mapmakers, Bd. 4, Riverside 22004, S. 118f., 307f.



Peter Wiegand
21.6.2006


Empfohlene Zitierweise:

Peter Wiegand, Schenk, Peter II., in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.6.2017)

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