Mohrenthal Peter Georg (Petrus George, Petro George)
Buchhändler, Verleger, Bibliotheksgründer
* 14.4.1692 Zwolle (Niederlande) 27.8.1754 Dresden
VGeorg Mohr (Mohrendahl, Mohrenthal) (1640-1697), Mathematiker, enger Freund und wissenschaftlicher Mitarbeiter von Ehrenfried Walther von TschirnhausMElisabeth, geb. Winterberg, ab 1698 verh. Schmied († 1730)1723 Sophia Magdalena, geb. Wendel, verw. Bernhard († 1751)SJohann Friedrich, Goldarbeiter in Regensburg; Johann August Ferdinand (1730-1755), Drucker, VerlegerTChristiane Friederike
GND: 1015325785






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Besondere Verdienste erwarb sich M. durch die Gründung der ersten Leih- und Lesebibliothek Dresdens sowie als Herausgeber und Verleger zahlreicher Zeitschriften und Zeitungen, die als Quellen für die sächsische und Dresdner Geschichte von großem Wert sind. – M.s Familie stammte ursprünglich aus schottischem Adel und kam über Dänemark und Holland nach Sachsen. Nach der Übersiedlung seiner Eltern im Sommer 1695 wuchs M. in Kieslingswalde bei Görlitz (poln. Idzików) auf dem Gut von Ehrenfried Walther von Tschirnhaus auf. Gemeinsam mit dessen Sohn Georg Friedrich erhielt er eine dem Adelsstand entsprechende Erziehung, die eine akademische Karriere vorsah. M. entschied sich jedoch für eine Ausbildung im Buchwesen. 1707 bis 1712 absolvierte er eine Lehre im Buchhandel und Buchbindereigewerbe in der Buchdruckerei von Jakob Rohrlach und Martin Hübner in Görlitz. Danach ging er auf die übliche Wanderschaft, die ihn nach Ungarn, Siebenbürgen, Breslau (poln. Wrocław), Wien und andere Reichsstädte führte. Um sich sesshaft zu machen, zog er 1717 zu seiner Mutter nach Dresden, wo er das Bürgerrecht erwarb. Da er seine Tätigkeit als Buchbinder wegen eines Augenleidens aufgeben musste, wandte er sich dem Buchhändlergewerbe zu. Am 9.11.1717 erhielt er die kurfürstliche Konzession zum Buchhandel. Diese beschränkte sich allerdings - aufgrund des Privilegienschutzes der Sortimentsbuchhändler - auf den Verkauf von Bibeln, Postillen, Gebet- und Schulbüchern. 1718 eröffnete M. in der Großen Frauengasse im Merbitzschen Haus einen Buchladen, in dem er sehr bald unter der Hand auch kleinere Schriften und alte Bücher verkaufte. 1727 vergrößerte er sein Unternehmen um ein Disputations-, Antiquariats- und Verlagsgeschäft (Konzession vom 20.6.1727). Außerdem übernahm er kommissionsweise den Vertrieb zur Subskription oder Pränumeration angekündigter oder im Erscheinen begriffener Werke sowie neu erschienener Literatur heimischer und auswärtiger Verleger. Durch den Bücherverkauf im Auftrag und auf Rechnung fremder Verleger umging er geschickt den Privilegienschutz der mit ihm konkurrierenden Buchhändler, die auf eigene Rechnung arbeiteten. Durch den Ankauf einzelner Partien von Büchern und ganzer Bibliotheken erweiterte er ständig sein Literaturangebot, das u.a. bibliophile Raritäten bereithielt. Um die Bücher, die er nicht verkaufen durfte, zu nutzen, gründete er 1729 eine „Leih- und Lesebibliothek für geschichtliche und schöne Literatur“, später sogar für italienische und französische Werke. 1733 stand in seinem Geschäft ein geschriebener, 1738 ein gedruckter Katalog zur Einsichtnahme zur Verfügung. M.s Disputations- und Antiquariatsgeschäft entwickelte sich rasch zu einem beliebten Treffpunkt für Schriftsteller sowie für auswärtige Mitarbeiter und Literaturinteressierte, die hier ihre Tagesneuigkeiten austauschten und diskutierten. Größere Bedeutung erlangte M. durch seine rege Verlagstätigkeit. Sein Erfolg beruhte insbesondere auf der Mitarbeit seines engen Freundes Johann Christian Crell, der in der Art eines Verlagsredakteurs fungierte. Viele von Crells Schriften und speziell seine Zeitungen „Curiosa Saxonica“ (erschienen 1727-1764; 1733 umbenannt in „Neues Sächsisches Curiositäten-Cabinet“) und „Kern Dreßdnischer Merckwürdigkeiten“ (erschienen seit 1729) wurden bei M. verlegt. Darüber hinaus beinhaltete die Verlagsproduktion im Wesentlichen historische Publikationen, Informationsschriften und Druckwerke zum aktuellen Zeitgeschehen. Mit der Herausgabe zahlreicher Zeitungen wollten M. und Crell nach ihren eigenen Aussagen einen Beitrag zur sächsischen Geschichtspflege leisten. Gelegentlich betätigte sich M. auch als Autor von Ankündigungen, Vorreden und Artikeln am Jahrgangsende der „Curiosa Saxonica“. 1731 publizierte er im selben Blatt eine Biografie über Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, in der er als Zeitzeuge dessen Verdienste bei der Erfindung des europäischen Porzellans würdigte. 1754 erschienen ferner in einem Nachruf eines Freundes (vermutlich Crell) seine eigene Lebensbeschreibung und die Geschichte seiner Familie. – Seit 1732 bot M. in seinem Geschäft vereinzelt auch mathematische Instrumente, Reisebestecke, Kunst- und Haushaltsgegenstände sowie seit 1745 Lose sächsischer Lotterien an. 1752 kamen als ständiges Angebot Medikamente hinzu, u.a. das „Mohrenthalische aufrichtige Heil-, Wund- und Haupt-Pflaster“, von dem man annimmt, dass M. selbst der Erfinder war. Nach M.s Tod wurde das Geschäft von seinem jüngeren Sohn Johann August Ferdinand und nach dessen frühen Tod im November 1755 von dessen Witwe Christiane Dorothea fortgeführt. Nach mehreren Besitzerwechseln erlosch die Firma 1783.



W  Lebens-Beschreibung des Welt-berühmten E. W. von Tschirnhaus in gleichen Nachrichten von seinen Schriften und seltenen Erfindungen, in: J. C. Crell (Hg.), Curiosa Saxonica 3/1731/32, Probe 38, S. 18, Probe 39, S. 4; Verzeichnisse von Verlagswerken in: Kern Dreßdnischer Merckwürdigkeiten für die Jahre 1729-1732; Curiosa Saxonica 1751, 1752, 1754.

L  L Nachruf, in: Neu-eröffnete historische Correspondenz von alten und neuen Curiosis Saxonicis 1754/55, S. 299-303; A. Richter, Peter Georg M., ein Dresdner Buchhändler im 18. Jahrhundert, in: Dresdner Geschichtsblätter 8/1899, H. 1, S. 146-151; J. Hjelmslev (Hg.), Beiträge zur Lebensbeschreibung von Georg Mohr, Kopenhagen 1931, S. 3-23; J. Kleinpaul, Der P. G. Mohrenthalische Bücher- und Disputationsladen in Dresden 1718 bis 1783, in: Dresdner Geschichtsblätter 46/1938, H. 1, S. 17-28, H. 2, S. 38-62; R. Rabe, Geschichte der Dresdner Bürgerbibliotheken, in: Dresdner Geschichtsbuch, hrsg. vom Stadtmuseum Dresden, Bd. 14, Altenburg 2009, S. 177-195. – F. Stimmel u.a. (Hg.), Stadtlexikon Dresden A-Z, Dresden ²1998, S. 280.



Christiane Schastok
11.11.2011


Empfohlene Zitierweise:

Christiane Schastok, Mohrenthal, Peter Georg (Petrus George, Petro George), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.8.2017)

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