Dybwad Peter
Architekt
* 17.2.1859 Christiania (heute Oslo) 13.10.1921 Leipzig(ev.)
VJacob, BuchhändlerGVilhelm, Jurist1898 Susanne, geb. WeisbachK8 u.a. Gudny (* 1903), Goldschmiedin, Kunstgewerblerin
GND: 137562896

Der aus Norwegen stammende Architekt D. arbeitete und lebte in Leipzig. Zusammen mit Ludwig Hoffmann entwarf er das Reichsgerichtsgebäude, das zu den bekanntesten Großbauten des wilhelminischen Kaiserreichs gehört. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert errichtete er großstädtische Geschäftshäuser sowie Villen und Wohnhäuser für das wohlhabende Bürgertum. D.s Bauten fügen sich hervorragend in das gewachsene Stadtbild Leipzigs ein. – D. wuchs im norwegischen Christiania (heute Oslo) auf, wo sein Vater eine gut gehende Buchhandlung unterhielt. 1878 ging er nach Berlin, um an der Königlichen Bauakademie und seit 1879 an der Technischen Hochschule Architektur zu studieren. Nach dem Studienabschluss erwarb er 1884 als Volontär beim Bau der Kriegsakademie in Berlin durch Franz Schwechten erste praktische Erfahrungen. Er freundete sich mit Hoffmann an, mit dem er 1884/85 Reisen nach Italien unternahm. D. und Hoffmann reichten 1885 einen gemeinsamen Entwurf für den Neubau des Reichsgerichts in Leipzig ein. Obwohl sie noch sehr jung waren und bisher keine eigenen Bauten ausgeführt hatten, gewannen sie den prominent besetzten Architektenwettbewerb. Hoffmann wurde mit der weiteren Bearbeitung der Pläne und mit der Durchführung beauftragt, wobei er D. zur Mitarbeit heranzog. Das 1895 fertiggestellte Reichsgericht war nach dem Reichstag in Berlin der zweite Monumentalbau des wilhelminischen Kaiserreichs. Während das von Paul Wallot entworfene Reichstagsgebäude eher barocken Gestaltungsprinzipien folgt, ist das Reichsgericht hauptsächlich durch die italienische Renaissance beeinflusst. Besonders sorgfältig gestalteten Hoffmann und D. die überkuppelte Eingangshalle, die Treppenhäuser und die Innenausstattung der Verhandlungssäle. Die beiden Architekten waren auch privat eng befreundet. 1898 vermählte sich D. mit Susanne Weisbach, der Tochter des Berliner Bankiers Valentin Weisbach. Ihre Zwillingsschwester Marie hatte drei Jahre zuvor Hoffmann geheiratet. – Hoffmann wurde 1896 als Stadtbaurat nach Berlin berufen, während D. in Leipzig blieb, wo er 1895 sein eigenes Architekturbüro gegründet hatte. D. errichtete geschmackvolle und gediegen ausgestattete Villen und Wohnhäuser, wobei er stark auf die Bedürfnisse der Bauherren einging und individuelle Grundrisse entwickelte. Die Fassaden sind durch Balkone, Loggien und Fachwerkelemente sowie durch unterschiedlich ausgebildete Dächer abwechslungsreich gegliedert. Die frühen Villen lehnen sich zunächst noch stark an den Baustil der deutschen Renaissance an, während die Bauten, die nach der Jahrhundertwende entstanden, den Einfluss des englischen Landhausstils erkennen lassen und nur sparsam mit Ornamenten versehen sind. Ein Großteil seiner Bauten, auch D.s eigenes Wohnhaus in der Ferdinand-Rhode-Straße (1902), wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Unter den erhalten gebliebenen Bauten sind die Villa Karl-Tauchnitz-Straße 10 (1896-1898), die Villa Petersmann in der Schwägrichenstraße 23 (1898-1900), die Villa Schulz-Schomburgk in der Prinz-Eugen-Straße (1905/06) und die Mietshäuser Grassistraße 20/22 (1910/11) zu nennen. Das in Neorenaissanceformen gehaltene Schloss in Leipzig-Abtnaundorf errichtete D. 1891/92 für den aus einer reichen Leipziger Kaufmannsfamilie stammenden Kammerherrn Arnold von Frege-Weltzien. Auch das 1905 erbaute Neue Herrenhaus in Markkleeberg-Gaschwitz und das 1907 umgebaute Torhaus des Herrenhauses in Böhlen-Großdeuben stammen von D., der in den meisten von ihm entworfenen Häusern auch die Innenausstattung entwarf. – Im Geschäftshausbau reagierte D. frühzeitig auf moderne Architekturentwicklungen. Die Fassade des Bankhauses Meyer & Co., Thomaskirchhof 20, versah er mit einer geschossübergreifenden Wandpfeilergliederung. Die alten Predigerhäuser gegenüber der Thomaskirche ersetzte er durch das Geschäftshaus Burgstraße 1-5 (1910/11), das mit seinen Renaissancegiebeln in den städtischen Raum hineinwirkt. Das Geschäftshaus Martin-Luther-Ring 13 (1914/15) zeigt D.s Hinwendung zum Neoklassizismus. Mit seiner kolossalen Fassadengliederung, der Bauornamentik und dem Dachtürmchen erinnert das Haus an Bauten von Hoffmann in Berlin. – Der für die Gartenstadtbewegung eintretende D. wirkte am Bau der Gartenvorstadt Leipzig-Marienbrunn mit. Zusammen mit Hans Strobel und Richard Tschammer gehörte er der Baukommission an, die die Einhaltung der planerischen Vorgaben überwachte. Nach D.s Plänen wurde 1912/13 die aus sieben Häusern bestehende Gruppe Am Bogen 2-14 errichtet. – D. reiste mit Hoffmann 1900 und 1902 durch Frankreich, Belgien und die Niederlande. 1909 besuchte er Griechenland. Der Erste Weltkrieg beendete seine aktive Architektentätigkeit.



W  Schloss Leipzig-Abtnaundorf, 1891/92; Reichsgericht Leipzig, 1895; Villa Karl-Tauchnitz-Straße 10 Leipzig, 1896-1898; Villa Petersmann Leipzig, 1898-1900; eigenes Wohnhaus Ferdinand-Rhode-Straße 32 Leipzig, 1902 (zerstört); Neues Herrenhaus Markkleeberg-Gaschwitz, 1905; Bankhaus Meyer & Co., Fassade, 1905; Villa Schulz-Schomburgk Leipzig, 1905/06; Herrenhaus Böhlen-Großdeuben, Umbau, 1907; Mietshäuser Grassistraße 20/22 Leipzig, 1910/11; Geschäftshaus Burgstraße 1-5 Leipzig, 1910/11; Wohnhäuser Am Bogen 2-14 Leipzig-Marienbrunn, 1912/13; Geschäftshaus Martin-Luther-Ring 13, 1914/15.

L  Peter D. †, in: Zentralblatt der Bauverwaltung 41/1921, S. 540; S.-P. Müller, Der Wettbewerb zum Reichsgericht in Leipzig, Magisterarbeit Universität Leipzig 1994 [MS]; U. Oehme, Das Reichsgericht, Leipzig 1995; W. Schäche (Hg.), Ludwig H. - Stadtbaurat von Berlin, Berlin 1996; S.-P. Müller, Das Reichsgerichtsgebäude in Leipzig, Diss. Leipzig 1997. – DBA II; Thieme/Becker, Bd. 10, Leipzig 1999, S. 261f.

P  Peter D., um 1905, Porträtrelief, Leipzig, Thomaskirchhof 20.; Peter D. auf der Baustelle Reichsgericht in Leipzig, um 1890, Fotografie, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Inv. F/451/2009 (Bildquelle).



Matthias Donath
1.12.2006


Empfohlene Zitierweise:

Matthias Donath, Dybwad, Peter, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.3.2017)

Wikipedia Link