Selbmann Friedrich Paul
Verleger, MdL, DDP/LDP-Politiker
* 1.12.1878 Hohenstein 6.5.1954 Aue
VKarl, ZimmermannMSelma, geb. JungnickelSteffi, geb. Meier (1901-1986)SKarl (1903-1943), Arzt
GND: 13362577X


Verknüpfte Personen im Text:






S. absolvierte nach dem Besuch der Bürgerschule in Hohenstein 1891 bis 1893 die Gemeinde- und Privatbeamtenschule Geyer, die Handelsschule Hohenstein sowie Volkswirtschaftskurse an der Königlich Sächsischen Technischen Hochschule Dresden. 1894 bis 1898 war er Stadtratsangestellter in Hohenstein. Nach Ableistung seines Wehrdiensts arbeitete S. als kaufmännischer Angestellter in verschiedenen Firmen der Bau- und Baustoffbranche, zuletzt bei den Wäschefabriken Gebrüder Simon in Aue. Mit Unterstützung des 1905 in den Landtag gewählten freisinnigen Unternehmers Curt Bauer aus Aue gründete S. im Herbst 1906 das „Auer Tageblatt. Anzeiger für das Erzgebirge“, das als liberale Tageszeitung erfolgreich in Konkurrenz zum konservativen „Erzgebirgischen Volksfreund“ trat. 1908 eröffnete S. die Firma „Auer Druck und Verlag“, in der neben Werbedrucksachen u.a. das „Auer Tageblatt“ hergestellt wurde. S. stand der liberalen Zeitung bis 1937 als Schriftleiter vor. Nachdem ihr schon 1928 aus politischen Gründen die Amtsblatt-Eigenschaft entzogen worden war, musste das „Auer Tageblatt“ 1933 zur wöchentlichen Erscheinungsweise übergehen; 1937 wurde es gänzlich verboten. Nach 1945 konnte S. die Funktion des Treuhänders des vorher nationalsozialistischen „Erzgebirgischen Volksfreunds“ erlangen, lehnte jedoch die Leitung des inzwischen in einen VEB umgewandelten Betriebs ab. S. verlegte nach 1945 nur noch ein amtliches Bekanntmachungsblatt, leitete das Verlagshaus aber bis zu seinem Tod 1954. Er war enger Freund und Schwager des liberalen Juristen und Politikers Alfred Brodauf. – Neben seiner Verlagstätigkeit engagierte sich S. politisch. Als er 1904 nach Aue übersiedelte, wurde er dort Vorstandsmitglied und später Vorsitzender der Freisinnigen Vereinigung und war 1905 bis 1908 Vorsitzender des Ortsvereins des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbands (DHV). Bis 1918 schien sich S. allerdings vorübergehend dem nationalliberalen Lager genähert zu haben: 1910 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des nationalliberalen Vereins in Aue. Spätestens 1916 war er aus den Führungspositionen der Freisinnigen Vereinigung ausgeschieden und übernahm 1918 in Aue den Vorsitz des „Ausschusses für die Veranstaltung von Siegesfeiern“. S. gehörte 1918 zu den Gründern der DDP (später Deutsche Staatspartei [DStP]) in Aue, deren Ortsgruppe er bis 1933 leitete. 1945 war er Mitbegründer der LDP und amtierte als Vorsitzender der Ortsgruppe in Aue. 1946 wurde S. Kreisvorsitzender und zweiter Vorsitzender des Bezirksverbands Zwickau. Nach seinem Rückzug aus dem Zeitungswesen wandte er sich verstärkt der politischen Tätigkeit zu: Bei der Landtagswahl 1946 errang er einen der 30 Sitze der LDP-Fraktion im 120 Sitze umfassenden Sächsischen Landtag. S. gehörte dort dem Plenum der Wirtschaftskommission, dem Haushaltsausschuss und dem Ausschuss für Neuaufbau und Bauwesen an, trat aber nicht vordergründig in Erscheinung. 1947 wählten ihn die Delegierten auf dem dritten Landesparteitag der LDP in Bad Schandau (23.-26.10.1947) als Bezirksverbandsbeisitzer in den Landesvorstand. Auf dem zweiten „Volkskongress für Einheit und gerechten Frieden“ 1948 in Berlin gehörte S. zu den Delegierten seines Landesverbands. Zur Landtagswahl 1950 trat er nicht wieder an. 1952 ist S. als Vorsitzender des „Ortblocks Aue der demokratischen Parteien und Massenorganisationen“ nachzuweisen. – Obwohl S. mit Ausnahme seiner vierjährigen Tätigkeit im Landtag nur im regionalen und lokalen Rahmen politisch aktiv war, spielte er durch die langjährige Leitung einer liberalen Zeitung eine wichtige Rolle für die Entwicklung des politischen Liberalismus in Sachsen im 20. Jahrhundert.



Q  Kreisarchiv Aue-Schwarzenberg, 003 Stadt Aue; Archiv des Liberalismus (ADL), Gummersbach, LDPD.

L  U. Siebenhüner, Betriebsgeschichte Auer Druck und Verlag Paul S. KG Aue (Sachs.), Aue 1966.

P  Sächsischer Landtag 1946/47, Dresden 1947, S. 98.



Lutz Sartor
4.1.2006


Empfohlene Zitierweise:

Lutz Sartor, Selbmann, Friedrich Paul, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (11.12.2017)

Wikipedia Link