Nedo Pawoł (Paul)
Volkskundler, Hochschullehrer, Vorsitzender der Domowina
* 1.11.1908 Kotitz (sorb. Kotecy) 24.5.1984 Leipzig Leipzig, Südfriedhof
VJohann August (1880-1968), BahnangestellterMErnestine Bertha, geb. Lehmann (1881-1961), Näherin1940 Marianne, geb. Buder (1914-1998)SMichael (* 1941); Matej (1947-1971)
GND: 128828234





N. war als politischer Interessenvertreter ebenso wie als Wissenschaftler eine der herausragenden sorbischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. – N. wurde als Kind evangelischer Sorben in der sächsischen Oberlausitz geboren. Die in bescheidenen Verhältnissen lebende Familie ermöglichte dem Sohn den Schulbesuch an der Landständischen Oberschule in Bautzen (sorb. Budyšin). Als Schüler begann sich N. für Volkskunde zu interessieren und damit einhergehend für seine sorbische Herkunft. In der Familie, Volksschule und Umgebung war darauf kein großer Wert gelegt worden, mit den Kindern sprach man nur deutsch. Erst in Bautzen begann N. die sorbische Sprache aktiv zu erlernen. – Nach der Reifeprüfung nahm N. 1928 an der Leipziger Universität ein Pädagogikstudium auf. In der Universitätsstadt engagierte er sich v.a. mit volkskundlichen Vorträgen im „Bund sorbischer Studenten“ und fand über diesen Freundeskreis Zugang zum sorbischen Kulturleben. Seit 1930 war er Mitglied des sorbischen Wissenschaftsvereins „Maćica Serbska“. Die Erfahrung, sorbisches Bewusstsein aus Eigeninitiative und durch Bildung gewonnen zu haben, zog sich als Leitfaden durch N.s späteres politisches, wissenschaftliches und persönliches Wirken. – Seit dem Abschluss des Studiums 1931 war er als Volksschullehrer im Landkreis Bautzen beschäftigt: 1932 in Klix (sorb. Klukš), 1932 bis 1934 in Quatitz (sorb. Chwaćicy) und 1934 bis 1937 in Rackel (sorb. Rakojdy). Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 bildete den Bezugspunkt für den raschen Aufstieg N.s an die Spitze der sorbischen Bewegung. Der damals 25-Jährige sah in der neuen Politik - ungeachtet der anfänglichen Schikanen gegen die „Wendenführer“ - ein Fanal für eine Neukonzipierung des sorbischen Vereinslebens und begann sich auf politischer Ebene für die Interessen der Sorben zu engagieren. Im Sommer 1933 ließ er sich zum Kreisfachberater der NSDAP für sorbische Kulturfragen ernennen, obwohl er kein Parteimitglied war. Durch diese Episode wurde zumindest der Domowina-Vorstand auf ihn aufmerksam, der zu dieser Zeit nach einem für die Behörden unbelasteten und engagierten Vorsitzenden suchte. Mit selbstbewusstem Auftreten und Begeisterungsvermögen vermochte N. die Vertreter der Domowina von seinem Programm zu überzeugen. Es beinhaltete die Umstellung von der Vereinsmitgliedschaft auf Einzelmitgliedschaft, um einen größeren Interessentenkreis zu gewinnen sowie den Ausbau der bisher auf kulturelle Aktivitäten begrenzten Domowina zur politischen Interessenvertretung der Sorben. Trotz der Missbilligung, auf welche die geplante Umgestaltung bei den staatlichen Behörden stieß, einigte sich der Vorstand auf ein neues Statut und eine neue Führung, an deren Spitze N. im Dezember 1933 gewählt wurde. – N.s Wirken in den Jahren 1934 bis 1937 war v.a. der Organisationsarbeit gewidmet. Als ideologische Basis und Legitimation passte er die volkstumspolitischen Parolen der neuen Machthaber von „Blut und Boden“ den sorbischen Belangen an - eine Taktik, deren Tragweite sich dem jungen Mann damals nicht erschloss. Die praktischen Erfahrungen mit der antisorbischen Politik der Nationalsozialisten waren ernüchternd und einschüchternd und belehrten ihn bald eines Besseren. Schritt für Schritt wurde die Organisationsarbeit beschränkt und die Anwendung der sorbischen Sprache z.B. in der Schule behindert und später verboten. Die wenigen sorbischen Intellektuellen, v.a. Lehrer und Pfarrer, wurden durch gezielte administrative Maßnahmen wie Versetzungen an ihrem nationalen Engagement gehindert. Nichts, nicht einmal Ortsnamen oder die Bezeichnung „wendisch“, sollte noch länger an die Existenz einer slawischen Minderheit erinnern. Rassistisch motivierte Umsiedlungspläne sollten nach dem Krieg konkretisiert werden. Der Domowina versuchten die Behörden eine Satzung zu oktroyieren, in der den Sorben generell der Status einer ethnischen Minderheit abgesprochen wurde. Nachdem die Domowina diesen Entwurf demonstrativ ablehnte, wurde der Organisation und allen sorbischen Vereinen am 18.3.1937 jede Betätigung verboten. N. sollte aus der Lausitz versetzt werden, woraufhin er es vorzog, seinen Beruf aufzugeben. – In den folgenden Jahren war er 1937 bis 1939 als Angestellter polnischer Genossenschaftsbanken in Berlin tätig sowie bis zu seiner Einziehung zur Wehrmacht 1942 als Gutsverwalter. Nach einer kurzen Haft im November 1939 hatte er seit 1940 ein Aufenthaltsverbot für den Regierungsbezirk Dresden/Bautzen. Durch die Verhaftung eines ehemaligen Mitstreiters gelangte N. ins Visier der Gestapo und wurde Ende November 1944 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ erneut inhaftiert. Als Untersuchungshäftling des Volksgerichtshofs erlebte er im April 1945 die Befreiung durch die Rote Armee. – Im Sommer 1945 kehrte N. in die Lausitz zurück. Seine Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus und auch die Hoffnung auf nationale Befreiung der Sorben und sozialen Fortschritt bewogen ihn im Herbst 1945, der KPD beizutreten. Schon im Mai 1945 war die Domowina neu belebt worden, deren Vorsitz N. nach seiner Rückkehr wieder übernahm. In einer Anzahl von Memoranden forderte die sorbische Nachkriegsbewegung verschiedene allgemeine und konkrete Maßnahmen zur politischen, sprachlichen und kulturellen Gleichberechtigung der Sorben bis hin zur Autonomie oder Angliederung an die Tschechoslowakei. Über deren politische Zukunft entschied jedoch das Diktat der sowjetischen Besatzungsmacht. Sie billigte ihnen nur auf informelle Art ihre kulturelle Selbstbestimmung zu und untersagte darüber hinaus jegliche politische Autonomiebestrebungen. N. zeigte sich überzeugt davon, im Sozialismus die ideale Gesellschaftsordnung für die Gleichberechtigung der Sorben gefunden zu haben. Trotz Behinderung durch die eigene Partei forcierte er daher die Integration der Domowina in das gesellschaftliche System der SBZ/DDR. Die politischen Bemühungen der Domowina in der Nachkriegszeit mündeten schließlich in der Verabschiedung des „Gesetzes zur Wahrung der Rechte der sorbischen Bevölkerung“ am 23.3.1948 im Sächsischen Landtag. Die Verpflichtung des Staats, nationale Minderheiten zu schützen und zu fördern, stellte ein Novum in der deutschen Verfassungsgeschichte dar, wurde jedoch später willkürlich ausgelegt. – Im Mittelpunkt von N.s nationalen Bestrebungen in der Nachkriegszeit stand ein umfangreiches Volksbildungsprogramm. Er selbst wurde 1945 zum Kreisschulrat für den Schulbezirk Bautzen-Nord ernannt, als der er viel für den Aufbau eines sorbischsprachigen Schulwesens leisten konnte. Ihm ist es zu verdanken, dass im Oktober 1945 von der sächsischen Landesregierung die Volksschulen im zweisprachigen Gebiet als sorbisch oder zweisprachig anerkannt und Sorbisch als gleichberechtigte Unterrichtssprache in allen Fächern und Klassenstufen akzeptiert wurden. Für die Ausbildung der dafür in großer Zahl benötigten Lehrer gründete er 1946 das Sorbische Institut für Lehrerbildung in Radibor (sorb. Radwor) bei Bautzen. Seit 1948 widmete sich N., inzwischen zum Ministerialrat ernannt, dem Aufbau eines sorbischen Kultur- und Volksbildungsamts, wie es im Sorbengesetz vorgesehen war. Dieses Amt sollte beratende Funktionen für gesellschaftliche und staatliche Verwaltungseinrichtungen ausüben sowie sorbische Bildungs- und Kultureinrichtungen aufbauen und unterstützen. – Im Zuge der Stalinisierung wurde N. intern als bürgerlicher Nationalist diffamiert und 1950 von seiner Arbeit in Bautzen an das Volksbildungsministerium nach Dresden „delegiert“. Derart in nationaler Beziehung neutralisiert legte N. den Vorsitz der Domowina nieder. An seiner Bejahung des Sozialismus hielt N. trotz vielfältiger Differenzen mit der Parteilinie fest, zumal ihm andere berufliche Perspektiven nicht versperrt wurden. Anknüpfend an sein früheres Interesse für Volkskunde entschloss er sich, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. Nach einem kurzen Intermezzo in Dresden als Verantwortlicher der sächsischen Landesregierung für Kunst und Kultur (1951 Leiter der Hauptabteilung Kunst und Literatur im Ministerium für Volksbildung, 1952 Leiter der Verwaltung für Kunstangelegenheiten bei der Landesregierung) übernahm er die Leitung der Forschungsabteilung des Zentralhauses für Laienkunst (seit 1956 Institut für Volkskunstforschung) in Leipzig. Gleichzeitig unterrichtete er seit 1951 an der Karl-Marx-Universität Leipzig, nach seiner Dissertation 1955 über sorbische Volksmärchen mit einer Professur für Volkskunde und Sorabistik. An der Etablierung des Sorbischen Instituts der Leipziger Universität 1951 hatte N. wesentlichen Anteil. 1961 wechselte er hauptamtlich an die Universität und folgte nach der Habilitation über sorbische Volksdichtung 1964 einem Ruf an die Berliner Humboldt-Universität. – N. beschäftigte sich als Volkskundler hauptsächlich mit der reichen Tradition der sorbischen Trachten- und Sprachfolklore. Als leitender Hochschullehrer entwickelte er wichtige Konzepte für die volkskundliche Gegenwartsforschung, die in ganz Deutschland Beachtung fanden. Insbesondere verdient die Einführung eines volkskundlichen Fernstudiums für Museologen und Kulturfachleute an der Humboldt-Universität Berlin hervorgehoben zu werden. Im „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“, in dem er 1954 bis 1968 den Fachausschuss Volkskunde leitete, vermittelte er mit populärwissenschaftlichen Publikationen die neuen Grundlagen der Volkskunde auch den Heimat- und Freizeitforschern. – 1968 ließ sich N. vorzeitig emeritieren. Seinen Ruhestand nutzte er für weitere wissenschaftliche Publikationen und Diskussionen. Besonders als Herausgeber zeigte er sich sehr produktiv. Zu den von ihm edierten Werken gehören auch mehrere Märchenbücher. Im Alter von 75 Jahren verstarb N. 1984 in Leipzig.


N. běše jako zastupjer politiskich zajimow runje tak kaž jako wědomostnik jedna z wusahowacych serbskich wosobinow w 20. lětstotku. – N. narodźi so jako dźěćo ewangelskich Serbow w sakskej Hornjej Łužicy. W skromnych poměrach žiwa swójba zmóžni synej wopyt Krajnostawskeje wyšeje šule w Budyšinje. Jako šuler započa so N. za ludowědu zajimować a z tym tež za swój serbski pochad. W swójbje, w ludowej šuli a we wokolinje njebě so na to wulce dźiwało, z dźěćimi rěčeše so jenož němsce. Hakle w Budyšinje poča N. serbšćinu aktiwnje wuknyć. – Po maturje nastupi N. w lěće 1928 na Lipšćanskej uniwersiće studij pedagogiki. W uniwersitnym měsće angažowaše so předewšěm z ludowědnymi přednoškami w Zwjazku serbskeho studentstwa a nadeńdźe přez tutón přećelski kruh přistup k serbskemu kulturnemu žiwjenju. Wot 1930 bě čłon serbskeho wědomostneho towarstwa Maćica Serbska. Nazhonjenje, zo bě sej serbske wědomje ze swójskeje iniciatiwy a přez kubłanje zdobył, ćehnješe so jako čerwjena nitka přez N.owe pozdźiše politiske, wědomostne a wosobinske skutkowanje. – Wot zakónčenja studija lěta 1931 běše jako wučer za ludowe šule w Budyskim wokrjesu přistajeny: 1932 w Klukšu, 1932 do 1934 w Chwaćicach a 1934 do 1937 w Rakojdach. Přewzaće mocy přez nacionalsocialistow w lěće 1933 tworješe wuchadźišćo za spěšny postup N. na čoło serbskeho narodneho hibanja. Tehdom 25lětny widźeše w nowej politice - njedźiwajcy spočatnych šikanow přećiwo „wjednikam Wendow“ - znamjo za nowokoncipowanje serbskeho towarstwoweho žiwjenja a započa so na politiskej runinje za zajimy Serbow zasadźować. W lěću 1933 daše so na wokrjesneho fachoweho poradźowarja NSDAP za serbske kulturne prašenja pomjenować, hačkuli njebě sobustaw strony. Přez tutu epizodu dohlada so znajmjeńša předsydstwo Domowiny na njeho, kotrež pytaše tehdom za wyšnosće njepoćeženeho a angažowaneho předsydu. Ze swojim sebjewědomym wustupowanjom a ze zahoritosću zamó N. zastupjerjow Domowiny wo swojim programje přeswědčić. Tutón wobsahowaše přerjadowanje towarstwoweho čłonstwa na indiwiduelne čłonstwo, zo by so wjetši kruh zajimcow zdobył, kaž tež wutwar Domowiny na zastupjerku politiskich zajimow, kotraž bě dotal na kulturne aktiwity wobmjezowana. Njehladajo na wotpokazanje, na kotrež planowane přetworjenje pola statneje wyšnosće storči, dojedna so předsydstwo na nowe wustawki a nowe wjednistwo, na kotrehož čoło bu N. w decembrje 1933 wuzwoleny. – N.owe skutkowanje w lětach wot 1934 do 1937 bě předewšěm organizaciskemu dźěłu wěnowane. Jako ideologisku bazu a legitimaciju připodobni ludowopolitiske parole nowych mócnarjow wo „kreji a pódźe“ serbskim naležnosćam - taktika, kotrejež konsekwency so młodemu mužej tehdom njewotkrychu. Praktiske nazhonjenja z antiserbskej politiku nacionalsocialistow běchu wostrózbjace a zatrašace a mějachu jeho bórze wo lěpšim powučić. Krok po kroku bu organizaciske dźěło wobmjezowane a nałožowanje serbskeje rěče na př. w šuli zadźěwane a potom zakazane. Narodny angažement małeje ličby serbskich intelektualnych, wosebje wučerjow a fararjow, so přez konkretne administratiwne naprawy kaž přesadźenja znjemóžni. Ničo, ani wjesne mjena abo słowo „wendisch“, njeměješe dlěje na eksistencu słowjanskeje mjeńšiny dopominać. Rasistisce motiwěrowane plany k přesydlenju wobydlerstwa mějachu so po wójnje zwoprawdźić. Domowinje spytachu zarjady wustawki nanuzować, w kotrychž so Serbam status etniskeje mjeńšiny generelnje wotrjeknje. Po tym zo Domowina tutón naćisk demonstratiwnje wotpokaza, zakazachu tutej organizaciji a wšěm serbskim towarstwam 18. měrca 1937 kóždužkuli dźěławosć. N. dyrbješe so z Łužicy přesadźić, na čož wón radšo swoje powołanje spušći. – W slědowacych lětach skutkowaše wón wot 1937 do 1939 jako přistajeny pólskich drustwowych bankow w Berlinje a hač k zwołanju do wehrmachty lěta 1942 jako zarjadnik na kubłach. Po krótkej jatbje w nowembrje 1939 potrjechi jeho wot 1940 zakaz přebywanja w knježerstwowym wobwodźe Drježdźany/Budyšin. Zajeća prjedawšeho sobuwojowarja dla dósta so N. do wizěra gestapo a bu kónc nowembra 1944 dla „přihotowanja k wulkopřeradźe“ znowa zajaty. Jako přepytowanski jaty ludoweho sudnistwa dožiwi w aprylu 1945 wuswobodźenje přez Čerwjenu armeju. – W lěću 1945 nawróći so N. do Łužicy. Jeho nazhonjenja z nacionalsocializmom kaž tež jeho nadźija na narodnu swobodu Serbow a na socialny postup pohnuwachu jeho nazymu 1945 stronje KPD přistupić. Hižo w meji 1945 bě so Domowina znowa załožiła, kotrejež předsydstwo N. po swojim nawróće zaso přewza. We wjacorych memorandach žadaše sej serbske powójnske hibanje wšelake powšitkowne a konkretne naprawy k politiskemu, rěčnemu a kulturnemu runostajenju Serbow hač k awtonomiji abo přizamknjenju k Čěskosłowakskej. Wo politiskim přichodźe mjeńšiny rozsudźi pak diktat sowjetskeje wobsadniskeje mocy. Wona přizwoli Serbam na informelne wašnje jenož kulturelne samopostajowanje a zakaza jim kóždežkuli prócowanja wo politisku awtonomiju. N. běše wo tym přeswědčeny, zo je socializm idealny towaršnostny porjad za runoprawosć Serbow. Najebać zadźěwkow přez swoju stronu forsěrowaše tuž integraciju Domowiny do towaršnostneho systema SBZ/NDR. Politiske prócowanja serbskeje organizacije w powójnskej dobje wjercholichu skónčnje w schwalenju „Zakonja k zachowanju prawow serbskeje ludnosće“ přez Sakski sejm dnja 23. měrca 1948. Winowatosć stata, narodne mjeńšiny škitać a spěchować, tworješe nowum we wustawowych stawiznach Němskeje, bu wšak pozdźišo swojowólnje wułožowana. – W srjedźišću N.owych narodnych prócowanjow po wójnje steješe wobšěrny program ludoweho kubłanja. N. sam bu w lěće 1945 na wokrjesneho šulskeho radźićela za šulski wobwod Budyšin-sewjer pomjenowany, jako kajkiž wjele za natwar serbskorěčneho šulstwa zdokonja. Dźakowano jemu buchu w oktobrje 1945 přez sakske krajne knježerstwo ludowe šule w dwurěčnych kónčinach jako serbske abo dwurěčne připóznate a serbšćina jako runoprawna wuwučowanska rěč we wšěch předmjetach a schodźenkach akceptowana. Za wukubłanje wulkeje ličby za to trěbnych wučerjow załoži wón 1946 Serbski wučerski wustaw w Radworju pola Budyšina. Wot lěta 1948 wěnowaše so N., mjeztym na ministerialneho radu pozběhnjeny, natwarej Serbskeho kulturneho a kubłanskeho zarjada, kaž bě w Serbskim zakonju předwidźane. Tutón zarjad měješe poradźowanske funkcije za towaršnostne a statne zarjadniske institucije wukonjeć kaž tež serbske kubłanske a kulturne zarjadnišća wutworić a podpěrać. – W běhu stalinizacije bu N. internje jako byrgarski nacionalist difamowany a 1950 wot swojeho dźěła w Budyšinje do Sakskeho ministerstwa za ludowe kubłanje w Drježdźanach „delegowany“. Na tajke wašnje w narodnym nastupanju neutralizowany, złoži N. předsydstwo Domowiny. Swojeho přihłosowanja k socializmej so wón njedźiwajcy wšelakorych diferencow ze stronskej liniju njewzda, wšako njebuchu jemu druhe powołanske perspektiwy zawrjene. Nawjazujo na swój prjedawši zajim za ludowědu rozsudźi so wědomostny powołanski puć nastupić. Po krótkej mjezystaciji jako zamołwity sakskeho krajneho knježerstwa za wuměłstwo a kulturu w Drježdźanach (1951 nawoda hłowneho wotrjada za wuměłstwo a kulturu w ministerstwje za ludowe kubłanje, 1952 nawoda zarjadnistwa za wuměłstwowe naležnosće při krajnym knježerstwje) přewza nawod slědźerskeho wotrjada Centralneho domu za lajske wuměłstwo (wot 1956 Institut za ludowowuměłske slědźenje) w Lipsku. Zdobom wuwučowaše wot 1951 na Karla Marxowej uniwersiće w Lipsku, po swojej disertaciji wo serbskich ludowych bajkach w lěće 1955 dósta tam profesuru za ludowědu a sorabistiku. Na etablěrowanju Serbskeho instituta Lipšćanskeje uniwersity w lěće 1951 bě N. bytostnje wobdźěleny. 1961 přeńdźe hłownohamtsce na uniwersitu a sćěhowaše po habilitaciji wo serbskim ludowym basnjenju lěta 1964 powołanju na Humboldtowu uniwersitu w Berlinje. – N. zaběraše so jako ludowědnik hłownje z bohatej tradiciju serbskeje drastoweje a rěčneje folklory. Jako wodźacy wysokošulski docent wuwiwaše wažne koncepty za ludowědne slědźenja wo přitomnosći, kotrež wubudźichu po cyłej Němskej kedźbnosć. Wosebiće měło so zawjedźenje ludowědneho dalokostudija za muzeologow a kulturnikow na Humboldtowej uniwersiće wuzběhnyć. W Kulturnym zwjazku za demokratiske wobnowjenje Němskeje, hdźež nawjedowaše wot 1954 do 1968 fachowy wuběrk za ludowědu, sposrědkowa z popularnowědomostnymi publikacijemi nowe zakłady ludowědy tež domizniskim a poswjatokowym slědźerjam. – 1968 daše so N. dočasnje emeritować. Swój wuměnk wužiwaše za dalše wědomostne wozjewjenja a diskusije. Předewšěm jako wudawaćel bě jara produktiwny. K jeho edicijam słušeja wjacore bajkowe knihi. W starobje 75 lět zemrě N. 1984 w Lipsku.


Q  Sorbisches Kulturarchiv Bautzen, Nachlass N.

W  Die Tracht der Sorben um Schleife, Bautzen 1954; Sorbische Volkstrachten, Bautzen 1954; Sorbische Volksmärchen, Bautzen 1956; Die Lausitz. Sorbische Trachten, Berlin 1956; Krabat. Zur Entstehung einer demokratischen sorbischen Volkserzählung, in: Deutsches Jahrbuch für Volkskunde 2/1956, S. 33-50; Grundriss der sorbischen Volksdichtung, Bautzen 1966; Sorbische Volkskunst, Bautzen 1968; Sorbische Kultur. Eine Einführung in Vergangenheit und Gegenwart, Bautzen 1975.

L  Bibliografie volkskundlicher Abhandlungen von Paul N., zusammengestellt von H. Faßke, in: Lětopis C 11/12/1968/1969, S. 9-11; W. Jacobeit, Paul N. und die Volkskunde in der DDR, in: ebd. C 27/1984, S. 115-118; H. Cuška, Pawoł N., Bautzen 1988; P. M. Jahn, Paul N. (1908-1984). Tendenzen und Hintergründe seiner marxistisch-leninistischen Theorie der Ethnographie, in: Geschichte der Völkerkunde und Volkskunde an der Berliner Universität, hrsg. von der Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin 1991, S. 80-89; U. Mohrmann, Volkskunde in der DDR während der fünfziger und sechziger Jahre, in: W. Jacobeit/H. Lixfeld/O. Bockhorn (Hg.), Völkische Wissenschaft. Gestalten und Tendenzen der deutschen und österreichischen Volkskunde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Wien/Köln/Weimar 1994, S. 375-394; A. Bresan, Pawoł N. 1908-1984. Ein biografischer Beitrag zur sorbischen Geschichte, Bautzen 2002 (P, WV). – DBA III; Sächsische Lebensbilder, Bd. 6/2, Stuttgart 2009, S. 519-540 (P).

P  K. Heine, um 1955, Fotografie, Sorbisches Kulturarchiv Bautzen, Fotoarchiv (Bildquelle).



Annett Bresan
21.11.2016


Empfohlene Zitierweise:

Annett Bresan, Nedo, Pawoł (Paul), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.10.2018)

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