Willkomm Otto Heinrich Theodor
Pfarrer, Missionar, Präses der Evangelisch-Lutherischen Freikirche
* 30.11.1847 Ebersbach bei Löbau 5.8.1933 Dresden(ev.)
VKarl Ferdinand (1808-1887), PfarrerMMarie Pauline, geb. Hünigen (1814-1890) 1.1875 Anna Charlotte Eleonore, geb. Ewald (1849-1905) 2.Klara Helene, geb. Henke (1851-1936)SKarl Martin (1876-1946)THelene Emma Marie, verh. Naumann (1878-1965); Anna Maria Katharina, verh. Herrmann (1881-1973); Johanna Dorothea Elisabeth (1885-1886)
GND: 128564555

W. entstammte einer alten Pfarrerfamilie der Oberlausitz. Bereits sein Großvater und Vater waren Pfarrer gewesen. W. wuchs in Ebersbach bei Löbau auf, wo er 1854 bis 1858 die Volksschule besuchte. 1858 bis 1865 war W. Schüler am Gymnasium in Zittau. Anschließend studierte er drei Jahre in Leipzig Theologie. Das Erste theologische Examen legte er am 11.8.1868 in Leipzig ab. Bis 1870 lehrte er dann am Teichmannschen Institut (Privatschule) in Leipzig und wurde schließlich Kollaborator am Missionshaus Leipzig. In dieser Zeit entschied er sich, nach dem Zweiten Examen als Missionar nach Indien zu gehen. Am 25.3.1873 empfing er in der Leipziger Thomaskirche die Ordination in das Predigtamt durch Superintendent Gotthard Victor Lechler. Die Aussendung in der Nikolaikirche erfolgte am 4.6.1873. Zusammen mit Missionar Konrad Ihlefeld brach er noch Ende Juni 1873 über Genua nach Ägypten auf. Von dort unternahmen sie eine Exkursion nach Palästina, trafen am 17.9.1873 in Bombay ein und reisten weiter in das Zentrum der Leipziger Mission nach Trankebar. Nach Abschluss der Sprachausbildung in Tamil übernahm W. im Mai 1875 eine neu gegründete Missionsstation in Madura. – In Indien wurde W. in einen Streit mit der Missionsleitung verwickelt. Eine Gruppe jüngerer Missionare forderte von der Leitung ein klares Bekenntnis und eine deutliche Abgrenzung gegenüber den von ihnen kritisierten Fehlentwicklungen in den deutschen Landeskirchen. Auch der persönlich angereiste Missionsdirektor Julius Hardeland konnte die Differenzen nicht beilegen. Dies führte im Februar 1876 zum Austritt von vier Missionaren, zu denen auch W. gehörte. W. kehrte nach Deutschland zurück und wurde im August desselben Jahrs zum Pastor der Evangelisch-Lutherischen Freikirche in Crimmitschau berufen. 1879 erhielt er als Nachfolger von Friedrich Ruhland eine Berufung an die St. Johannesgemeinde in Planitz bei Zwickau, wo er bis zu seiner Emeritierung 1917 als Seelsorger tätig war. Gleichzeitig wählte ihn 1879 die Synode der Evangelisch-Lutherischen Freikirche zum Präses. Als solcher hat W. 28 Jahre lang den Weg der sächsischen Altlutheraner maßgeblich mitbestimmt. Aus kleinsten Anfängen heraus ist diese Freikirche stetig gewachsen. 1923 erhielt sie im Land Sachsen die Körperschaftsrechte. – In zahlreichen Veröffentlichungen hat W. zu aktuellen Fragen Stellung genommen. In seiner Auseinandersetzung mit anderen Kirchen ging es ihm darum, das Erbe der lutherischen Reformation in den sich verändernden Zeiten lebendig zu halten. 1879 bis 1919 war W. verantwortlicher Redakteur der Kirchenzeitung „Die Evangelisch-Lutherische Freikirche“. 1885 bis 1924 betreute er als Herausgeber den „Evangelisch-Lutherischen Hausfreund-Kalender“ und 1886 bis 1920 war er Vorsitzender des Schriftenvereins der Evangelisch-Lutherischen Freikirche. – Mehrfach unternahm W. als Vertreter seiner Kirche Reisen ins Ausland, so erstmals 1887 nach Dänemark und 1889 für vier Monate in die USA. Angesichts seiner Verdienste um das bekenntnistreue Luthertum in Deutschland wurde ihm am 1.8.1921 durch das Concordia-Seminar in St. Louis (USA) der Ehrendoktortitel verliehen.



Q  Archiv der Evangelisch-Lutherischen Mission zu Leipzig, Akte der Missionare Alfred Grubert u.a.; Archiv St. Johanneskirche Zwickau-Planitz, Kirchenchronik, Kurze Nachricht über die evangelisch-lutherische St. Johannes-Gemeinde u.A.C. zu Niederplanitz im Königreich Sachsen, 1875.

W  Offenes Sendschreiben an die Geistlichen der Ephorie Zwickau, Zwickau 1886; Das gute Recht der Evang.-Luther. Freikirche, Zwickau 1886; Kurze Nachricht über die sep.[arierte] Ev.-Luth. St. Johannis-Gemeinde u.A.K. zu Planitz beim 25-jährigen Jubiläum der Gemeinde, Zwickau 1896; Die leibhaftige Auferstehung Jesu Christi als Heilstatsache, Zwickau 1900; Bibel, Lutherbibel, revidierte Bibel, Zwickau 1900; Was verliert unser Volk durch die Bibelrevision? Zwickau 1901; Gedanken über Religionsfreiheit, Zwickau 1901; Halte, was du hast! Eine Warnung vor der revidierten Lutherbibel, Zwickau 1904, 51923; Es ist ein Gott!, Zwickau 1907; Bist du, der Israel verwirrt? Zur Abwehr und Verständigung, Zwickau 1913; Von der Anklagebank zum Katheder. D. th. Georg Stöckhardt. Ein Lebensbild, Zwickau 1914; Die Schuld der Kirche am Kriege und im Kriege, Zwickau 1915; Der Kampf um den Frieden. Was ist vom Pazifismus zu halten?, Zwickau 1918; Zur Aufklärung über Trennung der Kirche vom Staat, o.J.; Deutsche Christentum und deutsche Kirche. Eine zeitgemäße Warnung, Zwickau 1922; Vorfahren und Nachkommen des Mag. Karl Gottlob Willkomm, Zwickau 1926; Fingerzeige für Nachdenkliche Bibelleser, Zwickau 1928; Fünfzig Jahre Schriftenverein der Evang.-Luth. Freikirche in Sachsen u.a.St., Zwickau 1931.

L  H. Z. Stallmann, Ich will euch tragen bis ins Alter ... Zum 80. Geburtstag von Otto W., in: Evangelisch-Lutherische Freikirche 52/1927, S. 186-191; G. Herrmann, Lutherische Freikirche in Sachsen, Berlin 1985, S. 147-164.



Gottfried Herrmann
17.7.2009


Empfohlene Zitierweise:

Gottfried Herrmann, Willkomm, Otto Heinrich Theodor, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.6.2017)

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