Kaemmel Karl Heinrich Otto
Historiker, Lehrer
* 25.9.1843 Zittau 19.9.1917 Loschwitz bei Dresden
VHeinrich Julius (1813-1881), Subrektor des Zittauer Gymnasiums, pädagogischer SchriftstellerMEmilie, geb. Willkomm (1817-1901[?])1869 Ida, geb. Schramm
GND: 115357106

Hubert Ermisch bescheinigte K. in seinem Nachruf, „einer der verdienstvollsten Schulmänner und Historiker Sachsens“ seiner Zeit gewesen zu sein. K. selbst sah sich in erster Linie als „Schulmann“. Auch sein Schaffen als Historiker war stark von pädagogischen Intentionen geprägt. Die Mehrzahl der publizistischen Arbeiten des neben seiner beruflichen Tätigkeit erstaunlich produktiven Gymnasialprofessors wandte sich an das breite Publikum, dessen historische Bildung ihm am Herzen lag. Darüber hinaus leistete er auch Beachtenswertes als Forscher. – Nach dem Studium der Geschichte und philologischer Fächer an der Universität Leipzig 1862 bis 1866 und einem sich anschließenden kurzen Aufenthalt an der Göttinger Universität, wo er 1869 auch seine Dissertation einreichte, war K. bis 1874 als Oberlehrer am Gymnasium in Plauen/Vogtland tätig. Danach wechselte er an das Königliche Gymnasium in Dresden-Neustadt, wo er ab 1882 das Amt des Konrektors bekleidete. 1876 wurde er zum Gymnasialprofessor ernannt. 1877 bis 1879 lehrte K. zugleich als Privatdozent für Geschichte an der Technischen Hochschule Dresden. 1890 erhielt er die Berufung zum Rektor des Nikolaigymnasiums in Leipzig. 1886 unternahm er eine Russlandreise, 1895 und 1899 zwei Reisen nach Italien, wobei er letztere literarisch verarbeitete. Seit 1897 gehörte K. der Königlich Sächsischen Kommission für Geschichte an. Nach seiner Pensionierung 1909 lebte er in Loschwitz bei Dresden. – Von seinen wissenschaftlichen Arbeiten sind besonders hervorhebenswert die auf intensiven Quellenstudien beruhende Lebensbeschreibung des Görlitzer Stadtschreibers und Bürgermeisters Johannes Haß und die Darstellung der Geschichte des Leipziger Schulwesens vom Anfang des 13. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Letztere Arbeit, die er im Auftrag der Sächsischen Kommission für Geschichte verfasste, gilt als K.s bedeutendste wissenschaftliche Leistung. Breiten Kreisen bekannt geworden ist er v.a. mit den von ihm verfassten Bänden von „Spamers Illustrierter Weltgeschichte“ und mit seiner erstmals 1899 im Leipziger Verlag Göschen als Band 100 der „Sammlung Göschen“ erschienenen „Sächsischen Geschichte“. Das kleine Büchlein war von K. als stets griffbereites Kompendium für jene gedacht, die sich schnell einen Überblick über die Geschichte Sachsens verschaffen wollten. Die Grundlinien der politischen sowie der Kultur- und Wirtschaftsgeschichte wurden von ihm in diesem Werk klar und übersichtlich vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte dargestellt. Dem Anliegen des Buchs entsprechend, verzichtete der Verfasser auf ausführliche Interpretationen und Wertungen. K. schrieb auch zahlreiche Beiträge für die „Allgemeine Deutsche Biographie“ und für die 14. Auflage von „Brockhaus’ Konversationslexikon“. Auch publizierte er eine größere Anzahl von Aufsätzen in Zeitschriften sowie kleinere Schriften meist biografischen Inhalts zur sächsischen Schulgeschichte.



W  Heracleotica. Beiträge zur älteren Geschichte der griechischen Colonisation im nördlichen Kleinasien, Plauen/Vogtland 1869; Der deutsche Volkskrieg gegen Frankreich 1870 und 1871, 3 Bde., Zwickau 1871-1872; Johannes Haß, Dresden 1874; Die Anfänge deutschen Lebens in Österreich bis zum Ausgange der Karolingerzeit, Leipzig 1879; Spamers Illustrierte Weltgeschichte, Bd. 5-6, Leipzig 1882-1883, Bd. 3, Leipzig 31896, Bd. 7, Leipzig 31894, Bd. 10, Leipzig 31898; Grundzüge der neueren Geschichte, Leipzig 1886, 21895, 31912; Deutsche Geschichte, Dresden 1889; Ein Gang durch die Geschichte Sachsens und seiner Fürsten, Dresden 1889; Grundzüge der Sächsischen Geschichte, Dresden 1892, 21898, 31912; Italienische Eindrücke, Leipzig 1895; Der Werdegang des deutschen Volkes, Leipzig 1896-1898; Christian Weise, Leipzig 1897; Sächsische Geschichte, Leipzig 1899, 21905, 31912 (ND Dresden 1990-72003); Kritische Studien zu Fürst Bismarcks Gedanken und Erinnerungen, Leipzig 1899; Herbstbilder aus Italien und Sicilien, Leipzig 1900; Rom und die Campagna, Bielefeld/Leipzig 1902; Geschichte des Leipziger Schulwesens vom Anfang des 13. bis gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts (1214-1846), Leipzig, Berlin 1909.

L  O. W. Beyer, Deutsche Schulwelt des 19. Jahrhunderts in Wort und Bild, Leipzig/Wien 1903, S. 138 (P); H. Ermisch, Nekrolog für Prof. Dr. Otto K., in: Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde 39/1918, S. 219-221; R. Eigenwill, Nachbemerkungen, in: O. Kaemmel, Sächsische Geschichte, ND Dresden 1990, S. 152-154. – DBA I, II; F. Neubert (Hg.), Deutsches Zeitgenossen-Lexikon, Leipzig 1905.



Reinhardt Eigenwill
27.6.2005


Empfohlene Zitierweise:

Reinhardt Eigenwill, Kaemmel, Karl Heinrich Otto, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.5.2017)

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