Horn Ernst Otto
Kaufmann, Winzer, Weingroßhändler, Hoflieferant, Kunstsammler, Numismatiker
* 4.12.1880 Meißen 7.5.1945 Meißen Meißen, Stadtfriedhof
VErnst Otto (1845-1898), Bäckermeister, Konditor, Weingroßhändler, königlich sächsischer HoflieferantMEmma Henriette, geb. Lansky (1856-1943), Weingroßhändlerin, königlich sächsische Hoflieferantin
GND: 119299402





Mit seinem als Weingroßhändler erworbenen Vermögen trug H. in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Meißen eine der bedeutendsten privaten Universalsammlungen an Münzen, Medaillen, Grafiken, Gemälden und Skulpturen zusammen. Seiner Heimatstadt war er zeitlebens als Mäzen verbunden und noch heute fördert die von ihm testamentarisch ins Leben gerufene Otto-und-Emma-Horn-Stiftung das kulturelle Leben in Meißen. – H. verbrachte eine finanziell gut abgesicherte Kindheit in Meißen. Der Vater, ein Bäckermeister und Konditor, betrieb in der Elbstraße 9 ein kleines Geschäft und war ab 1876 als Weinhändler im Handelsregister der Stadt eingetragen. Zusätzlich hatte er seit 1880 das Restaurant zum Königlichen Burgkeller auf der Albrechtsburg gepachtet. Die Geschäfte der Eltern, die Mutter war Teilhaberin des Weingeschäfts, liefen gut und am 4.3.1881 wurde H.s Vater durch König Albert zum königlich sächsischen Hoflieferanten ernannt. Ab 1887 besuchte H. die höhere Bürgerschule (Rote Schule) in Meißen und wechselte vier Jahre später zur Realschule mit Progymnasium am Neumarkt. Ostern 1896 verließ er die Schule mit dem Reifezeugnis und nahm eine kaufmännische Ausbildung in Dresden auf. Trotz des frühen Tods seines Vaters 1898 setzte er seine Ausbildung fort. Es folgten einige Jahre der Wanderschaft durch Deutschland, Frankreich, Spanien, Österreich und Italien. H. war in dieser Zeit bestrebt, auf dem Spezialgebiet Weinhandel sein Wissen im kaufmännischen Bereich zu erweitern. So versuchte er verstärkt bei Winzern der großen Weinanbaugebiete seine praktischen Erfahrungen im Weinanbau zu festigen. Er erwarb sich dabei Spezialkenntnisse und war daher oft als Küfer angestellt. Während seiner Wanderschaft kam H. auch mit Kunst und Numismatik in Kontakt. So war er etwa beeindruckt von den großen Preismedaillen, die einige Winzer für ihre Weine auf den verschiedensten Gewerbeausstellungen erhalten hatten. – 1904 trat H. als Teilhaber in das Geschäft seines Vaters ein, das nach dessen Tod die Mutter als Offene Handelsgesellschaft weitergeführt hatte. Das Prädikat des königlich sächsischen Hoflieferanten war bereits am 20.1.1899 auf seine Mutter übertragen worden. Für H. folgte der Militärdienst, den er bei den königlich sächsischen Schützen als Füsilier im Regiment Nr. 108 absolvierte. Nach einer Verletzung wurde er vorerst felddienstuntauglich im Rang eines Reserveoffiziers entlassen und widmete sich nun verstärkt den heimischen Geschäftsbetrieben. Die Mutter hatte die Bäckerei und Konditorei des Vaters inzwischen verpachtet und das Vermögen der Familie durch den Kauf von Grundstücken kontinuierlich erweitert. Besonders der Erwerb lukrativer Weinberggrundstücke in der Stadt Meißen trug dazu bei. In dieser Zeit begann H. mit dem Aufbau einer Sammlung von Kunstgegenständen, v.a. Münzen und Medaillen, den er über viele Jahre, ohne einen erkennbaren Schwerpunkt und breit gefächert, weiter betrieb. In die Sammlung wurden u.a. Gemälde, Uhren, Skulpturen, Grafiken und immer wieder Münzen, oft scheint es fast wahllos, aufgenommen. Dabei entstand eine der wohl bedeutendsten privaten Universalsammlungen in Deutschland, welche bis in die Gegenwart hinein immer wieder Anlass für Streitigkeiten gab. – H. engagierte sich auch in seiner Heimatstadt Meißen. Er wurde Mitglied im Vorstand des Weinbauvereins, arbeitete im Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs, trat 1917 dem Geschichtsverein bei und wurde 1920 Vorstandsmitglied des Museumsausschusses. 1907 erwarb H. als Kaufmann die Bürgerrechte der Stadt Meißen. Erfolgreich trieb er den systematischen Ausbau des Geschäfts und die Ausweitung der Geschäftsfelder voran. Er erwarb eine Likörfabrik am Baderberg 2, betrieb eine Kelterei und übernahm 1908 die Kollektion der königlich sächsischen Lotteriedirektion sowie die königlich sächsische Altersrentenbank. 1912 erwarb H. die Weingaststätte Winkelkrug in Meißen, die wie die Weinstuben in der Elbstraße von einem Pächter betrieben wurden. Zudem wurde ihm noch die Geschäftsstelle der königlich sächsischen Brandversicherungskammer, Abteilung Mobiliar-Versicherung, übertragen. Die geschäftlichen Erfolge, aber auch das erworbene Fachwissen im Weinanbau verschafften H. in der Öffentlichkeit einen guten Ruf. 1913 vertrat H. im Reichsgesundheitsministerium das Königreich Sachsen als Sachverständiger bei den Verhandlungen über ein neues Weingesetz. Seine Liebe zum Wein zeigte H. auch in seiner Freizeit und war als Ritter „Most der Geklärte“ ein treues Mitglied bei den Sippungen der Meißner „Schlaraffia“. Im öffentlichen Leben gehörte H. zur gehobenen gesellschaftlichen Schicht. Er reiste viel und verfasste Berichte über seine Reisen nach Marokko, Tunesien und Ägypten. Schon 1904 besaß er ein Automobil. – Im Ersten Weltkrieg diente H. als Leutnant und Adjutant im Ersatz-Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 178 in Kamenz. Die Führung der Geschäfte übernahm während dieser Zeit erneut seine Mutter. Am 15.10.1918 wurde H. durch König Friedrich August III. das Prädikat „Hoflieferant Seiner Majestät des Königs“ verliehen. – Trotz seiner zielstrebigen Geschäftstüchtigkeit blieb H. als Sammler ein Dilettant, da er lange Zeit ohne konkrete Ziele zu verfolgen, zusammentrug was für ihn selten, gut und teuer war. Erst als Mitglied der Numismatischen Gesellschaft in Dresden bekam er, wohl auch durch den Einfluss dortiger Experten, einen zielorientierten Blick zur Numismatik und baute auch hier sein Wissen aus. Besondere Aufmerksamkeit widmete er nun der Münz- und Medaillensammlung, die einschließlich der historischen Siegel bis zu seinem Freitod 1945 auf einen Bestand von ca. 65.000 Objekten anwuchs. Auch publizistisch wurde H. nun tätig. Es erschienen zahlreiche Manuskripte über seine numismatischen Sammelobjekte, und in Vorträgen berichtete er über seine Sammlertätigkeit. Unter Spezialsammlern bekannt und begehrt wurde z.B. das 1923 erschienene Buch „Die Münzen und Medaillen aus der Staatlichen Porzellanmanufaktur zu Meißen“. Seine Grafik-, Gemälde- und Fotosammlung vervollständigte H. in dieser Zeit in Bezug auf seine Heimatstadt Meißen. Hierbei kam es ihm vermutlich mehr auf die geschichtlichen Aussagen als auf den künstlerischen Wert an. Anfängliche finanzielle Interessen sowie ein kontinuierlicher Wertzuwachs standen jetzt offenbar nicht mehr im Vordergrund. Zahlreiche, durch die Akten des Geschichtsvereins Meißen belegte Schenkungen lassen die ausgeprägte Liebe zu seiner Heimatstadt spüren. 1937 zog sich seine Mutter endgültig aus dem Geschäft ins Privatleben zurück. Vor und während des Zweiten Weltkriegs positionierte sich H. in keiner Weise politisch, seine gesamte Aufmerksamkeit widmete er dem Geschäft und seinen Sammlungen. Die meisten Abende verbrachte er in seinem Haus am Plossenweg 4 mit seinen engen Freunden, dem damaligen Stadtarchivar Helmuth Gröger und dem Kunsthistoriker Walter Hentschel, um seine Münzsammlung zu ordnen und zu katalogisieren. Als seine Mutter 1943 starb, löste H. die Offene Handelsgesellschaft auf und verfasste ein umfangreiches Testament. Eine eigene Familie hatte er bisher nicht gegründet, allerdings lebte er mit seiner Haushälterin Minna Wolf schon einige Zeit in einer vergleichbaren eheähnlichen Verbindung. Er zog sich nun größtenteils auf sein Grundstück auf dem Plossen zurück und half hin und wieder in den von ihm verpachteten Gaststätten aus. Mit dem nahenden Kriegsende und der Bombardierung Dresdens 1945 wuchs auch unter der Meißner Zivilbevölkerung die quälende Angst vor einem Luftangriff. Zusätzlich sorgte die Sprengung der Meißner Elbbrücken für Verwirrung. Diese allgemeine Unsicherheit, die überall unter der Bevölkerung Verzweiflungstaten auslöste, muss auch H. erfasst haben. Er änderte sein Testament bis Mai 1945 noch mehrfach ab, wobei die wichtigsten Punkte unberührt blieben. In seinem Vermächtnis übereignete er einer nach seinen Eltern benannten Stiftung (Otto-und-Emma-Horn-Stiftung) einen Großteil seines Vermögens. Am 7.5.1945 wählte H. zusammen mit Minna Wolf den Freitod.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 10711 Ministerium des Königlichen Hauses, Bd. 17, Loc. 25, Nr. 13, Band 35, Loc. 25, Nr. 38; Adressbücher der Stadt Meißen 1887, 1890, 1893, 1900, 1908, 1914, 1916, 1921, 1926, 1939, 1950; Archiv des Krematoriums Meißen.

W  Die Münzen und Medaillen aus der Staatlichen Porzellanmanufaktur zu Meißen, Leipzig 1923.

L  H. Gröger, Tausend Jahre Meißen, Meißen 1929; K. Scheuch, Medaillen aus Porzellan und Ton, Bd. 4, Gütersloh 1967; G. Steinecke, Unser Meißen 1929-2004, Meißen 2004; G. Naumann, Stadtlexikon Meißen, Beucha 2009; [R. Graff], Das Schicksal einer Münzsammlung oder Der Streit um die Sammlung aus der „Otto-und-Emma-Horn-Stiftung“, in: MünzenRevue 42/2010, H. 6, S. 14; [ders.], Die Zukunft der Münzsammlung Horn, in: ebd. 43/2011, H. 5, S. 24; ders./A. Graff, Gräber haben ihr eigenes Schicksal, in: Numis-Post. Das Schweizer Magazin für Münzen 2017, Nr. 2, S. 61f.; www.hornstiftung-meissen.de.

P  Ernst Otto H., Fotografie, Privatarchiv R. Graff (Bildquelle).



Reiner Graff
27.6.2018


Empfohlene Zitierweise:

Reiner Graff, Horn, Ernst Otto, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.11.2018)

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