Zwintscher Bruno Oskar
Maler, Zeichner, Karikaturist, Professor an der Dresdner Kunstakademie
* 2.5.1870 Leipzig 11.2.1916 Loschwitz Dresden, Friedhof Loschwitz
VBruno (1838-1905), Klavierlehrer am Königlichen Konservatorium LeipzigMChristiane Friedericke, geb. Otto, verw. Steinert († um 1919/20)GG Arthur (1867-1937/38), Redakteur und Schriftleiter der Dresdner Nachrichten; Rudolf (1871-1946), Musiker, Komponist1898 Sarah Adele, geb. Ebelt (1872-1942)
GND: 118637541

Z. durchlief die Schulzeit an der Bürgerschule bzw. am Thomasgymnasium in Leipzig bis zur Untersekunda mit Einjährigem Freiwilligen-Zeugnis. Danach besuchte er 1887 bis 1890 die Akademie für Buchgewerbe und graphische Künste in Leipzig. Von Ostern 1890 bis Michaelis 1893 studierte er Malerei an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in Dresden, wo er Schüler von Friedrich Leon Pohle und Ferdinand Pauwels war. Seine Aufnahme erfolgte zunächst in die Naturklasse, bereits ab 2.5.1890 wurde er in den Malsaal der Oberklasse versetzt und ab Michaelis 1891 kam er in das Atelier von Pauwels. 1891 erhielt Z. das Ehrenzeugnis mit Prämie, 1892 die kleine silberne Medaille und 1893 das Munckelt-Stipendium für drei Jahre. Michaelis 1893 erhielt Z. sein Abgangszeugnis und 1895 ließ er sich als „Kunstmaler“ im Meißner Adressbuch verzeichnen, wohnhaft im Burglehnhaus, Freiheit 2, wo einst auch Ludwig Richter wohnte. Seit 1900 wohnte er mit seiner Frau auf dem Domplatz 8 und danach in der Bahnhofstraße 2. 1902/03 ließ er sich als „Porträt- und Landschaftsmaler“, wohnhaft in der Bahnhofstraße 33 (heute Nr. 25), registrieren. – Die Stadt Meißen mit ihren ca. 30.000 Einwohnern bot einem akademischen Kunstmaler verschiedene Perspektiven, so z.B. die traditionsreiche Königliche Porzellan-Manufaktur, die Albrechtsburg als nationales Architekturdenkmal und die modernen Teichertwerke, die als Ofen- bzw. Porzellanfabriken zwischen 1863 und 1888 gegründet worden waren. In Meißen begann Z. seine Karriere als freischaffender Maler, hier fand er aussagefähige und erinnerungswerte Motive und Landschaften und hier entwickelten sich seine Farbwelt und seine Symboliken sowie ästhetischen Beziehungen zum Licht im Elbtal. Viele seiner Bilder sind in ihrer topografischen Genauigkeit noch heute erkennbar. 1894 stellte Z. in der „Ersten akademischen Kunstausstellung“ in Dresden sein Gemälde „Novemberlied“ vor. Mit insgesamt 450 Illustrationen war Z. 1895 bis 1903 ein überaus gefragter Karikaturist und Zeichner bei den Meggendorfer Blättern in München. Bis 1916 schuf er pro Jahr noch immer ca. acht Zeichnungen für das führende Humor- und Witzblatt Münchens. Auf der Jahresausstellung der Münchener Secession 1896 waren erstmals Arbeiten von Z. ausgestellt, u.a. „Der Sturm“ (auch „Spielende Trolle“ benannt) von 1895. 1899 wurden seine Bilder in einer Personalausstellung in Dresden, Hamburg, Bremen, Lübeck, Wiesbaden, Leipzig und Frankfurt/Main gezeigt. 1902 entstanden die Porträts von Rainer Maria Rilke, Clara Westhoff und Heinrich Vogeler in Worpswede. Im selben Jahr nahm Z. eine Lehrtätigkeit an der privaten Kunstschule von Guido Paul Richter in Dresden an, und 1903 wurde ihm eine Lehrtätigkeit als Nachfolger von Pohle an der Dresdner Kunstakademie im Malsaal angeboten. Bereits 1904 erhielt er den Professorentitel. – Auch in Dresden zog Z. mehrfach um. 1904 wohnte er in der Eisenstuckstraße 5, 1907 bis 1910 in der Querallee 12 in Klotzsche, 1911 bis 1913 auf der Robert-Diez-Straße 10 in Loschwitz sowie 1914 bis 1916 auf der Schillerstraße 2 in der von ihm erworbenen Villa Elisabeth, wo seine Frau bis 1942 lebte. – An der „Großen Kunstausstellung“ in Dresden nahm Z. 1904 mit acht und 1908 mit zwölf Gemälden teil. 1909 wurde Z. Gründungsmitglied der Dresdner Künstlervereinigung, bei deren ersten Ausstellung im Jahr darauf war er mit fünf Gemälden vertreten. – Nach seinem Tod wurde Z. bereits am 15.4.1916 durch den Sächsischen Kunstverein mit einer umfassenden Gedächtnisausstellung in Dresden geehrt, die fast das gesamte Werk des Künstlers umfasste und anschließend in anderen Städten Deutschlands gezeigt wurde. – In Z.s Werk lassen sich vielfältige kunsthistorische Einflüsse auf seine Bildgestaltungen nachweisen. Er bediente sich u.a. sowohl griechischer als auch italienischer Bildfindungen, die er mit den aktuellen Kompositions- und Farbauffassungen des Jugendstils zu vereinen wusste. Seine Bildwelten sind somit auch widerspruchsvolle Balanceakte zwischen tradiertem Historismus und zeitgenössischem Jugendstil Dresdner Prägung, die konträr bewertet und rezipiert wurden. Seine Porträtdarstellungen, maltechnisch oft altmeisterlich orientiert, beinhalten dennoch zahlreiche Aspekte des elegant-dekorativen Jugendstils (z.B. „Bildnis Heinrich Vogeler“ 1902, „Knabe mit Lilie“ 1904, „Bildnis der Gattin des Künstlers“ 1902). Seine Landschaftsbilder beinhalten die räumlichen und lichtästhetischen Besonderheiten der Elblandschaften um Dresden und Meißen. Veränderte Akzente setzten seine Landschaften von der Ostsee, entstanden um 1912 bis 1915.



Q  Stadtarchiv Meißen, Adressverzeichnisse der Stadt Meißen; Stadtarchiv Dresden, Adressverzeichnisse der Stadt Dresden, Vorstädte; Ev.-Luth. Kirchgemeinde Leuben-Ziegenhain-Planitz, Tauf- und Traubücher von Ziegenhain; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Matrikelbuch der Dresdner Kunstakademie, Akte 110, Film 105, Lfd.-Nr. 301.

W  Blick vom Burgkellergarten auf die Meißner Altstadt, 1893; Der Sturm (auch „Spielende Trolle“ benannt), 1895, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister; Frühling, 1895; Rote Dächer, 1895; Ansicht von Meißen - Blick von der Burg, 1896; Ein Sommertag, 1896; Der alte Turm, 1897; Mondnacht, 1897; Selbstbildnis mit Tod, 1897; Die Familie, 1898; Klosterruinen bei Meißen, 1900; Bildnis der Gattin des Künstlers, 1902; Bildnis Heinrich Vogeler, 1902; O Wandern! O Wandern!, 1903; Knabe mit Lilie, 1904; Rote Dächer Meißen, um 1905.

L  Meißner Tageblatt 6.10.1898, 16.9.1902; Oskar Z. Gedächtnisausstellung, April/Mai 1916, hrsg. vom Sächsischen Kunstverein, Dresden 1916; Oskar Z. 1870-1916. Ausstellungskatalog, hrsg. von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dresden 1982; R. Günther, Oskar Z. 1870-1916. Leben und Werk mit dem Werkverzeichnis der Gemälde, hrsg. von den Städtischen Sammlungen Freital, Dresden 1999 (P); H. Sonntag, Oskar Z. und Meißen, in: Keramos. Zeitschrift der Keramikfreunde 215/2012, S. 79f. – DBA I, III; DBE 10, S. 710.

P  „Selbstbildnis mit Tod“ 1897, Deutsche Fotothek; Fotografie, H. Erfurth, Dresden, Deutsche Fotothek.



Hans Sonntag
11.1.2016


Empfohlene Zitierweise:

Hans Sonntag, Zwintscher, Bruno Oskar, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.3.2017)

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