Creutzburg Nikolaus Robert Johannes Fritz
* 10.4.1893 Fünfhöfen/Posen (poln. Proszysk/Poznań) 1.10.1978 Freiburg/Breisgau Freiburg, Bergäckerfriedhof
VAdolf (*1902), GutsbesitzerMLina, geb. Benefeld1928 Dora, geb. Gerland (* 1906)SUlrich (* 1929)TElisabeth (* 1931)
GND: 116726407

Nach dem Abitur in Jena 1912 studierte C., unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, Geografie an der Universität München, wo er 1920 bei Erich Dagobert von Drygalski mit einem glazialmorphologischen Thema promoviert wurde. 1922 ging er als Assistent von Ludwig Mecking nach Münster und habilitierte sich dort 1924 mit einer bahnbrechenden Arbeit zu Standortfragen der Industrie des Thüringer Walds; auch später widmete er sich noch mehrfach im Rahmen seiner Forschungen der thüringischen Heimat. Als Extraordinarius lehrte er seit 1928 an der Technischen Hochschule Danzig (poln. Gdańsk), ehe er 1936 als Nachfolger von Kurt Hassert auf den Lehrstuhl für Geografie an die Technische Hochschule Dresden berufen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging er nach Freiburg/Breisgau, wo er bis zu seiner Emeritierung 1961 tätig war (seit 1951 als Ordinarius). C.s Forschungen umfassten ein breites Spektrum innerhalb der Geografie. Thematische Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Tätigkeit betrafen die Geomorphologie und Klimageografie (so entwickelte er 1950 eine neue Klimaklassifikation), die Industriegeografie, die Kulturlandschaftsforschung sowie die Kartografie. Den räumlichen Schwerpunkt seiner Forschungen bildete die griechische Ägäis, insbesondere die Insel Kreta, die er erstmals 1925 besucht hatte. – In politischer Hinsicht war C. während seiner Danziger Zeit als Gau-Sachbearbeiter für Erdkunde im Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) tätig. V.a. mit dem „Atlas der Freien Stadt Danzig“ (1936) hatte er sich einen Namen als thematischer Kartograf und Fachmann für das „Grenzdeutschtum“ gemacht, was wohl auch ein Grund für seine Berufung nach Dresden gewesen war, wo er die Grenzlandforschung für das sächsisch-böhmische Erzgebirge intensivieren sollte. Seine relativ kurze Wirkungszeit in Sachsen wurde jedoch vom Zweiten Weltkrieg überschattet. So verhinderten der Kriegsausbruch und seine Einberufung als Offizier in die Wehrmacht 1941, dass er diese Untersuchungen entscheidend voran bringen konnte. Seine international wichtigste Funktion während seiner Dresdner Zeit übernahm C. als Herausgeber der renommierten Fachzeitschrift „Petermanns geographische Mitteilungen“ (1938-1945). C. war außerdem Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle (1936) und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (1968).



Q  Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Universitätsarchiv, Personalakte, B 24; Universitätsarchiv München, Promotionsakten, OC-I-46prom, Berufungsakten, Sen-I-307; Universitätsarchiv Münster, Rektorat, Personalakten, Best. 5, Nr. 39, Kurator, Personalakten, Best. 10, Nr. 65, Philos. Fak., Habilitationsakten, Best. 64, Nr. 255.

W  Glazialmorphologische Studien in der Ankogel-Hochalmspitzgruppe, Diss. München 1920; Die Formen der Eiszeit im Ankogelgebiet, Berlin 1921; Das Lokalisationsphänomen der Industrien am Beispiel des nordwestlichen Thüringer Waldes, Stuttgart 1925; Die Entwicklung des nordwestlichen Thüringer Waldes zur Kulturlandschaft, in: Freie Wege vergleichender Erdkunde, München 1925, S. 46-69; (Hg.), Kultur im Spiegel der Landschaft, Leipzig 1930; (Hg.), Der Nordosten. Landschaften des deutschen Nordostens, Breslau 1931; (Hg.), Meyers Großer Handatlas, Leipzig 91933; (Hg.), Atlas der Freien Stadt Danzig, Danzig 1936; Die Bedeutung des deutschen Ostens für das Schicksal unseres Volkes, in: Zeitschrift für Erdkunde 4/1936, S. 1-12; Die Landschaften Thüringens, in: ebd., S. 865-876; (Hg.), Petermanns geographische Mitteilungen 84/1938-91/1945; Klima, Klimatypen und Klimakarten, in: ebd. 94/1950, S. 57-69; mit L. Heilmeyer, Freiburg und der Breisgau, Freiburg/Breisgau 1954; Probleme des Gebirgsbaues und der Morphogenese auf der Insel Kreta, Freiburg/Breisgau 1958.

L  H. Lehmann, Nikolaus C. 60 Jahre, in: Petermanns geographische Mitteilungen 97/1953, S. 122; H. Kirrinnis, Walter Geisler und Nikolaus C., in: Westpreußen-Jahrbuch 24/1974, S. 15-19; W. Weischet, Zum Tode von Nikolaus C., in: Geographische Zeitschrift 67/1979, S. 105-109 (WV, P); M. Fahlbusch, Die Geographie in Münster von 1920 bis 1945, in: Geographie und Nationalsozialismus, Kassel 1989, S. 153-273; U. Wennemuth, C., Nikolaus, in: Ostdeutsche Gedenktage 1993, Bonn 1992, S. 62-66 (Bildquelle); M. Gebel u.a., Ausbildung und Forschung am Institut für Geographie der TU Dresden von den Anfängen bis zur Gegenwart, in: W. Kaulfuß/H. Kowalke (Hg.), Das Institut für Geographie an der Technischen Universität Dresden, Dresden 2003, S. 7-17 (P); H. P. Brogiato, PGM in der Epoche der Weltkriege (1909-1945), in: Petermanns geographische Mitteilungen 148/2004, H. 6, S. 20-29 (P). – DBA II, III; Westermann-Lexikon der Geographie, Bd. 1, Braunschweig 1968, S. 729; E. Bahr/G. Brausch (Hg.), Altpreußische Biographie, Bd. IV/2, Marburg 1989, S. 1194; B. Ottnad/F. Sepaintner (Hg.), Badische Biographien NF, Bd. 3, Stuttgart 1990, S. 57f.; J. C. Poggendorff, Biographisch-Literarisches Handwörterbuch der exakten Naturwissenschaften, Bd. VIIa.1, Berlin 1956, S. 367 (WV), Bd. VIII, Weinheim 1999, S. 763 (WV); E. Brunetto u.a. (Hg.), Lexikon der Geographie in vier Bänden, Bd. 1, Heidelberg 2001, S. 225; D. v. Engelhardt, Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Naturwissenschaftler, Bd. 1, München 2003, S. 150; D. Petschel (Bearb.), Die Professoren der TU Dresden 1828-2003, Köln/Weimar/Wien 2003, S. 148.



Heinz Peter Brogiato
1.7.2009


Empfohlene Zitierweise:

Heinz Peter Brogiato, Creutzburg, Nikolaus Robert Johannes Fritz, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (30.4.2017)

Wikipedia Link