Acier Michel Victor
Bildhauer, Modelleur
* 6.8.1736 Versailles (Frankreich) 17.2.1799 Dresden Dresden, Innerer katholischer Friedhof(kath.)
VVictor, WeinhändlerMMarie Claude, geb. DescavesMaria Christina Eleonora, geb. Wittig (1746/47-1811)SIoannes Baptista Carolus Victor Ignatius (* 1771); Johann Christian Victor (* 1773); Michael Heinrich Maximilian (1778-1835), ab 1795 Lehrer am 2. Kadettenkorps in Sankt Petersburg, Übersetzer, 1826 Staatsrat, Großvater Petr Il’ič ČajkovskijsTMaria Teresia Ignatia (1768-1830), 1784 1. Ehe mit dem sächsischen Hofkapellmeister Joseph Schuster, 1813 2. Ehe mit Georg August Ernst von Manteuffel; Maria Sophia Augusta Amalia (1775- nach 1720); Maria Josepha Henrietta (1781-1782)
GND: 122503651






Artikel wurde bearbeitet:

Aus dem französischen Kleinbürgertum stammend, ergriff A. als erstes Mitglied seiner Familie den Künstlerberuf. Er wurde an der Pariser Académie Royale zum Bildhauer ausgebildet und nahm 1759 am Grand Prix de Sculpture der École Académique teil, ohne jedoch einen Platz zu erringen. Über seine ersten Versuche, sich in Frankreich mit Kleinplastiken einen Namen zu machen, ist bislang wenig bekannt. Als die Königlich Sächsische Porzellanmanufaktur 1764 nach neuen Modelleuren im Ausland suchte, ergriff A. die Gelegenheit, nach Dresden auszuwandern. Ein auf 15 Jahre terminierter Kontrakt machte ihn zum wichtigsten Modelleur neben Johann Joachim Kändler. Nach Kändlers Tod 1775 war A. allein für die künstlerische Gestaltung des Meißner Porzellans verantwortlich. Die Hoffnungen, die sich A. zu Beginn seiner Anstellung gemacht hatte, scheinen sich nicht gänzlich erfüllt zu haben. Weder gelang es ihm, in der sächsischen Aristokratie Abnehmer für Skulpturen zu finden, noch hatte er mit den Zwängen des Manufakturbetriebs gerechnet. Widerwillig folgte er um 1772 dem Befehl, aus Dresden in das provinzielle Meißen überzusiedeln und monatliche Arbeitsberichte abzuliefern. 1779, nach dem Ablauf seines Dienstvertrags, gehörte es zu seinen wichtigsten Anliegen, wieder eine Wohnung in Dresden gestellt zu bekommen. Seine Bitte um Aufnahme in die Kunstakademie wurde von Christian Ludwig von Hagedorn abgelehnt. A. orientierte sich daraufhin nach Preußen und schuf 1783 im Auftrag König Friedrichs II. ein Flachrelief, das den tödlich getroffenen Generalfeldmarschall Kurt Christoph von Schwerin darstellt. Da der preußische König diese einzige größere bildhauerische Arbeit nur unzureichend honorierte, wandte sich A. 1786 an den Kurator der Berliner Kunstakademie, Friedrich Anton von Heynitz. Auf dessen Betreiben hin wurde er zum Ehrenmitglied der Akademie ernannt. – Bis heute wird A.s Beitrag zur Porzellanplastik auffallend negativ beurteilt. Gegenüber Kändler, mit dem er eine Reihe von Servicen und Tafelaufsätzen v.a. für russische Magnaten herstellen musste, hat sich der Franzose in seiner vergleichsweise kurzen Wirkungszeit nur schwer profilieren können. Beginnend mit der äußerst populären Plastik „Die gute Mutter“ (1774) führte er bürgerliche Themen und einen empfindsamen Stil in seine Werke ein, die einen deutlichen Einfluss Jean-Baptiste Greuzes zeigen. Eine Würdigung A.s als „Wegbereiter für den Klassizismus in Meissen“ versucht die Dissertation Pauline Gräfin von Spees (2004). Neue Impulse zur Beschäftigung mit dem Modelleur kommen aus der Musikwissenschaft, nachdem genealogische Recherchen gezeigt haben, dass A. der Urgroßvater des russischen Komponisten Petr Il’ič Čajkovskij war. Klärungsbedürftig bleiben die Ausbildungsjahre des Modelleurs in Paris sowie die Phase nach seiner Pensionierung, als sein Schaffen aus unbekannten Gründen versiegte.



Q  Archives départementales des Yvelines, Registres paroissiaux, commune Versailles, 1736; Diözesanarchiv des Bistums Dresden-Meißen; Frauenkirche Meißen, Taufregister; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Geheimes Kabinett, Loc. 1344-1346, Kunstakademie Dresden, Nr. 3; Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, I. HA, Rep. 76 alt, Ältere Kultusoberbehörden III, Kuratorium der Akademie der bildenden Künste und mechanischen Wissenschaften, Nr. 9, 169, 221.

W  Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Porzellansammlung: Die glücklichen Eltern, 1775; Huldigungsgruppe, 1775; Deckelvase mit Sepia-Malerei, 1775; Die gute Mutter, 1774; Zwei Kinder mit Wiege, um 1775; Knabe mit Schepper, um 1775; Der Ackerbau, um 1775; Die zerbrochenen Eier, 1777; Der Frühling und der Herbst, 1778; Kongreß von Teschen, 1779; 24 Gärtner- und Winzerkinder, 1779; Drei spielende Kinder, 1780; Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen: Annette et Lubin, 1768; Teile des Tafelaufsatzes für Katharina II. von Russland, 1772; Devisenkinder, 1775-1778; Gellert-Denkmal I und II, 1777/78; Büste Friedrichs II. von Preußen, 1778; Friedrich II. von Preußen zu Pferde, 1778; Muzeum Narodowe Wrocław: Tod des Generalfeldmarschalls Schwerin, 1783, Basrelief Gips.

L  W. Goder, Michel Victor A. zum 250. Geburtstag, in: Keramos 112/1986, S. 25-40; L. Braun, Čajkovskijs französischer Urgroßvater Michel Victor A., in: Mitteilungen der Tschaikowsky-Gesellschaft 10/2003, S. 74-82; dies., Die Familie Acier in Dresden, in: ebd. 11/2004, S. 58-60; U. Pietsch (Hg.), Meissen für die Zaren, München 2004; P. v. Spee, Die klassizistische Porzellanplastik der Meissener Manufaktur von 1764 bis 1814, Diss. Bonn 2004 (MS), http://hss.ulb.uni-bonn.de/2004/0530/0530.htm (WV); L. Braun/J. Haeusler/O. Landmann, Genealogica, in: Mitteilungen der Tschaikowsky-Gesellschaft 16/2009, S. 12-40. – DBA I, III; DBE 1, S. 19; Thieme/Becker, Bd. 1, S. 47f.



Lucinde Braun
19.5.2010


Empfohlene Zitierweise:

Lucinde Braun, Acier, Michel Victor, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.8.2017)

Wikipedia Link