Blum (Blume, Blöm, Plum, eigentl. Oswalt) Michael
Buchdrucker
* 1494 Straßburg (frz. Strasbourg) 1550 Leipzig(kath., später ev.)
1.Dorothea († 1545) 2.Margarethe, in zweiter Ehe verheiratet mit dem Leipziger Buchdrucker Georg HantzschSDavid (* nach 1545)
GND: 119623722





B. gehörte im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts zu den Leipziger Buchdruckern, die durch ihre Drucke zur Verbreitung reformatorischen Gedankenguts beitrugen. Er stammte aus Straßburg, wo er vermutlich das Druckerhandwerk erlernte. Wie B. nach Sachsen kam, ist unbekannt. Am 18.12.1514 erwarb er das Leipziger Bürgerrecht unter seinem ursprünglichen Namen Michael Oswalt. Bevor er 1525 mit eigenen Drucken in Erscheinung trat, war B. wahrscheinlich bei anderen Leipziger Druckerwerkstätten angestellt. Als erste Arbeiten aus der eigenen Werkstatt erschienen - ohne Angaben des Druckers - einige Schriften von Martin Luther und Flugblätter im Geiste von Thomas Müntzer. Im antireformatorischen albertinischen Sachsen kam er deswegen 1525 ins Gefängnis. In seinem Bittschreiben vom 24.11.1525 an Herzog Georg (der Bärtige) bekannte er, dass die Schrift „Ein deutzsch buchlein, so Martin Luther wider denn Canonem gemacht“ bei ihm in Druck gegangen war und verwies dabei auf seine Unkenntnis im Hinblick auf die herzogliche Politik. Doch mag diese Argumentation eher Taktik gewesen sein, zumal B. einer von 105 Leipziger Bürgern war, die 1524 ein Gesuch an den Rat unterschrieben, worin sie um die Anstellung eines evangelischen Predigers in Leipzig ersuchten. Immerhin jedoch wurde B. freigelassen und entging auch der Ausweisung aus der Stadt, denn er nahm 1526 seine Druckertätigkeit in Leipzig wieder auf und nahm u.a. erneut reformatorische Schriften mit ins Programm. 1527 druckte B. die Abhandlung „Von der neuen Wandlung eynes Christlichen lebens“, die dem am 20.5. desselben Jahrs hingerichteten Buchdrucker Hans Herrgott zugeschrieben wurde. Obwohl dieses Buch ohne Druckerangaben erschien, zog es B. vor, einer eventuellen Strafverfolgung durch Verlassen der Stadt zu entgehen. Während seiner Abwesenheit - über seinen Aufenthaltsort ist nichts bekannt - verrichtete seine Frau Dorothea die geschäftlichen Angelegenheiten. B. kehrte spätestens Ende 1529 nach Leipzig zurück und druckte bis 1536 demonstrativ Schriften der katholischen Theologen Johannes Cochläus, Michael Vehe und Georg Witzel. Seine Arbeit beschränkte sich nicht nur auf theologische Literatur. Ab 1533 erschienen auch zwei Chroniken, eine Kriegsordnung, Gedichtsammlungen und Schulbücher, v.a. lateinische und griechische Schulgrammatiken. – Mit der Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen 1539 gingen in B.s Offizin wichtige protestantische Schriften in den Druck, so u.a. Johannes Spangenbergs „Margarita theologica“ und Philipp Melanchthons „Catechesis puerilis“, die in drei Ausgaben erschienen. – Von B. sind zwei Drucke musikalischer Literatur bekannt. Dabei handelt es sich um die „Musica“ des Nicolaus Listenius von 1537. Dieses musiktheoretisch bedeutende Werk erschien in 40 Auflagen, u.a. in Wittenberg, Augsburg, Nürnberg und 1547 bei B. in Leipzig. Ein weiterer Musikdruck aus B.s Werkstatt ist das erste bekannte evangelische Gesangbuch aus Leipzig mit dem Titel „Enchiridion geistlicher gesenge und psalmen“. Obwohl das Werk keine Jahreszahl enthält, kann dessen erstes Erscheinen durch die Kompilation vorhandener Liedersammlungen auf 1530 bis 1533 eingegrenzt werden. Die hierin enthaltene Vorrede Luthers, die bereits 1524 im Chorgesangbuch von Johann Walther erschienen war, übernahm B. wortgetreu aus dem Gesangbuch von Hans Lufft (1526). Darüber hinaus flossen sämtliche 42 Lieder Luffts in derselben Reihenfolge in das Gesangbuch von B. ein. Als zweite Quelle diente B. das zweite Zwickauer Gesangbuch von 1528, durch welches 17 Lieder aus dem süddeutschen Raum, v.a. Psalmlieder von Hans Sachs, Eingang in die Liedersammlung fanden. Das „Enchiridion“ komplettieren vier Lieder aus dem Gesangbuch von Joseph Klug von 1529 (u.a. „Ein feste Burg“) und dem Erfurter Gesangbuch von 1524. – B.s zumeist verwendetes Druckerzeichen war ein Wappenschild, der einen nach oben gerichteten Winkelsparren mit drei Blumenblüten in sich trägt.



L  F. Geß, Bittschrift Michael B.s in Leipzig an Herzog Georg vom 25. November 1525, in: Archiv für Geschichte des deutschen Buchhandels 15/1892, S. 310-312; H. Hofmann (Bearb.), Das erste Leipziger Gesangbuch von Michael Blume, Leipzig 1914); H. Jentsch, Nickel Schmidt (Nicolaus Faber) und Michael B., zwei Leipziger Drucker der Reformationszeit, Diss. Leipzig 1928; J. Benzing, Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet, Wiesbaden ²1982, S. 278; K. Ameln/M. Jenny/W. Lipphardt (Hg.), Das deutsche Kirchenlied, Bd. 1, Teil 1: Verzeichnis der Drucke von den Anfängen bis 1800, Kassel u.a. 1975. – ADB 2, S. 739; DBA I, II, III; DBE 1, S. 582; NDB 2, S. 325f.



Stefan Herz
9.11.2010


Empfohlene Zitierweise:

Stefan Herz, Blum (Blume, Blöm, Plum, eigentl. Oswalt), Michael, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (21.10.2017)

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