Uhlig Max Hermann
Lehrer, Schulreformer, Bildungsfunktionär, KPD-Politiker
* 30.5.1881 Frankenberg/Sa. 4.7.1954 Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz)
VWeberMZigarettenarbeiterinG51908 Paula, geb. StreubelSGottfried
GND: 1116365553





U.s berufliche Karriere steht für einen Entwicklungsweg vom engagierten Reformpädagogen zu einem stalinistisch geprägten Bildungsfunktionär. – U. wuchs als ältestes von sechs Geschwistern in einfachen Verhältnissen auf. 1890 zog die Familie nach Chemnitz, wo U. 1887 bis 1895 die Mittlere Abteilung der Volksschule besuchte. Anschließend studierte er bis 1900 am Lehrerseminar in Zschopau und wurde nach bestandener Prüfung im April des darauffolgenden Jahres in den Schuldienst nach Crimmitschau berufen. Drei Jahre später wechselte er nach Chemnitz, wo er an der 10. Bezirksschule unterrichtete. 1915 erfolgte seine Einberufung an die Westfront, wo sich seine bisher weitgehend apolitische Haltung unter dem Eindruck des Kriegsgeschehens grundlegend wandelte. Er wurde zum Kriegsgegner und Gesellschaftskritiker und engagierte sich fortan in der KPD, für die er 1923 bis 1926 sowie erneut 1932/33 Stadtverordneter in Chemnitz war. Als Mitbegründer der reformpädagogischen Vereinigung „Freunde der neuen Schule“ zählte er während der gesamten Zwischenkriegszeit - trotz prinzipieller Vorbehalte der KPD-Funktionäre um Fritz Ausländer und Edwin Hoernle gegenüber Versuchsschulen - zu den aktivsten sächsischen Reformpädagogen. So stieg er Ende der 1920er-Jahre auch zum stellvertretenden Schulleiter der Humboldtversuchsschule in Chemnitz auf. Sowohl seine Unterrichtspraxis als auch seine publizierten Praxisberichte fanden bei Zeitgenossen wie auch in der überregionalen reformpädagogischen Fachdiskussion eine hohe Wertschätzung. 1933 wurde er aus dem Schuldienst entfernt und vorübergehend in Haft genommen. Fortan wirkte er als Vertreter, um sich und seiner Familie eine bescheidene Existenz zu sichern. – Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde U. zunächst durch den Schulrat Moritz Nestler als Schulleiter der Humboldtschule eingesetzt, bis er im Oktober 1945 zum Kreisschulrat für Chemnitz-West nominiert wurde und als Dozent in der Neulehrerausbildung tätig war. Besonderes Augenmerk schenkte er der Wiedereröffnung der Humboldtversuchsschule 1948 als erster Grundschule mit Tagesheim und Kindergarten in der SBZ. Diesem einzigartigen Projekt war allerdings - nicht zuletzt wegen U.s Annäherung an die stalinistisch geprägte Pädagogik - bis 1951/52 nur eine kurze Überlebensdauer beschieden. U. beteiligte sich an der von Johann Riesner betriebenen radikalen Ausgrenzung parteiloser Schulleiter und ehemaliger sozialdemokratischer Bildungsexperten seit 1948. So forderte er in seinem Wirkungskreis eine absolute parteipolitische Linientreue, die sich u.a. in einer äußerst rigiden Handhabung der Festlegungen zum sog. Entnazifizierungsprozess in der Lehrerschaft zeigte.



Q  Stadtarchiv Chemnitz, Schulräte, B I 20/4, B V 1/2, 1/3, ¼, 1945-1990, Nr. 1247, 1251, 1254.

W  (u.a.), Versuchsschule Humboldtschule, Chemnitz, in: F. Hilker (Hg.), Deutsche Schulversuche, Berlin 1924, S. 292-302; (u.a.), Die Humboldtschule in Chemnitz, in: Lebensgemeinschaftsschule 3/1926, Nr. 11/12, S. 161-174; Werkunterricht & Rhythmische Gymnastik, in: Die Chemnitzer Versuchsschule, Dresden 1928, S. 39-43, 54-56; Arbeitsbegriff und Bildung, in: Sächsische Schulzeitung 98/1931, Nr. 3, S. 56-59.

L  A. Pehnke, Reformpädagogik aus Schülersicht. Dokumente eines spektakulären Chemnitzer Schulversuchs der Weimarer Republik, Baltmannsweiler 2002, S. 10-34; ders., „Ich gehöre in die Partei des Kindes!“. Der Chemnitzer Sozial- und Reformpädagoge Fritz Müller (1887-1968), Beucha 2002, S. 14-117; ders., „Vollkommen zu isolieren!“. Der Chemnitzer Schulreformer Moritz Nestler (1886-1976), Beucha 2006, S. 99-187; ders., Widerständige sächsische Schulreformer im Visier stalinistischer Politik (1945 bis 1959), Frankfurt/Main u.a. 2008.



Andreas Pehnke
16.9.2016


Empfohlene Zitierweise:

Andreas Pehnke, Uhlig, Max Hermann, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.11.2017)

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