Steinmetz Max Zacharias
Historiker
* 12.10.1912 Frankfurt/Main 11.9.1990 Leipzig(kath., später konfessionslos)
VGeorg Heinrich (1878-1948), VerwaltungsangestellterMKathinka Emilie, geb. Suther (1876-1948)Maria, geb. Mayer (1911-2002), Büroangestellte, HausfrauSWalter (* 1950)
GND: 170081125


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S. war v.a. durch seine Forschungen zur Universitäts- und zur Reformationsgeschichte einer der bedeutendsten Historiker der DDR. – Nach dem Abitur am Karl-Friedrich-Gymnasium in Mannheim 1932 studierte S. zunächst Philosophie und Kunstgeschichte in Heidelberg, vom 3. Semester an dann Geschichte und Germanistik in Freiburg/Breisgau, mit Semestern in Frankfurt/Main und Heidelberg. 1939 promovierte er mit Auszeichnung bei Gerhard Ritter und war danach Assistent an der „Deutschen Biographie des Reformationszeitalters“ in Marburg. Als Student gehörte er der gesetzlich verankerten Deutschen Studentenschaft an und leistete die in ihren Statuten festgelegte, seit 1933 von der SA organisierte wehrsportliche Ausbildung. Nach kurzer Mitgliedschaft im NS-Studentenbund (1933) trat er aus diesem wieder aus. Mitgliedschaften in der NSDAP und in der SA, die ihm gelegentlich unterstellt werden, sind aus den überlieferten Karteien nicht zu verifizieren. – Im Juni 1940 wurde S. zur Wehrmacht einberufen und als Funker ausgebildet. Wegen seines eingeschränkten Sehvermögens blieb er aber zunächst felddienstuntauglich. Nachdem seine Einheit im Herbst 1944 an die Ostfront verlegt worden war, geriet er im Mai 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Bald darauf schloss er sich dem Nationalkomitee Freies Deutschland an, besuchte Antifaschulen und beschäftigte sich mit dem Marxismus-Leninismus. Unter kriegsgefangenen deutschen Soldaten hielt er politische Vorträge. Im Juli 1949 kehrte S. nach Deutschland zurück und verblieb in der SBZ. Zunächst im Staatssekretariat für das Hoch- und Fachschulwesen tätig, nahm er in Berlin Lehraufträge an der Humboldt-Universität und an der Bibliothekarschule wahr. 1954 berief ihn die Philosophische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Dozenten mit der Wahrnehmung einer Professur für Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit. 1956 wurde er Direktor des Historischen Instituts und Fachrichtungsleiter sowie am 1.9.1957, nach seiner Habilitation, Professor mit Lehrauftrag. Die in diesen Jahren unter seiner Federführung entstandene „Geschichte der Universität Jena 1548/58-1958“ ist „in vielen Passagen eine grundlegende Darstellung, die trotz aller Parteilichkeit und Polemik zu den wichtigsten Leistungen der Jenaer Geschichtswissenschaft nach 1945 zählt“ (M. Werner). – S. wurde 1960 als ordentlicher Professor und Direktor des Instituts für Deutsche Geschichte an die Karl-Marx-Universität Leipzig berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1977 tätig war. In Leipzig baute er seine Theorie der Frühbürgerlichen Revolution in Deutschland im Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit, die er schon in Jena konzipiert und auf der Tagung der Sektion Mediävistik der Deutschen Historikergesellschaft in Wernigerode 1960 vorgetragen hatte, weiter aus. Sie wurde fester Bestandteil der marxistischen Geschichtswissenschaft in der DDR, ihre empirische Fundierung blieb allerdings eine ständige Herausforderung. S. bevorzugte gegenüber Theoriediskussionen die Orientierung auf die Quellenüberlieferung und leistete selbst einen bedeutenden Beitrag zur Humanismus- und zur Müntzer-Forschung. Er bemühte sich, die bestehenden Möglichkeiten für einen übergreifenden wissenschaftlichen Dialog im Land und mit der internationalen Geschichtswissenschaft voll auszuschöpfen. 1962 bis 1968 war er Dekan der Philosophischen Fakultät. – Als Vertreter der DDR gehörte S. der Kommission für Universitätsgeschichte des internationalen Historikerverbands an. Er erhielt u.a. 1975 den Nationalpreis der DDR, wurde 1977 Ehrendoktor an der Karl-Marx-Universität und 1982 ihr Ehrensenator.



Q  Universität Leipzig, Universitätsarchiv, Nachlass S,

W  Die Politik der Kurpfalz unter Kurfürst Ludwig V. 1508-1514, Teil 1, Diss. Speyer 1942; (Hg.), Geschichte der Universität Jena 1548/58-1958, 2 Bde., Jena 1958/62; mit G. Harig (Hg.), Bedeutende Gelehrte in Leipzig, 2 Bde., Leipzig 1965; Deutschland 1476-1648, Berlin 1965, ²1978; (Hg.), Weltwirkung der Reformation, 2 Bde., Berlin 1969; Das Müntzerbild von Martin Luther bis Friedrich Engels, Berlin 1971; mit A. Laube/G. Vogler, Illustrierte Geschichte der frühbürgerlichen Revolution, Berlin 1974, ²1982; mit K. Czok, Leipziger Land im Bauernkrieg, Leipzig 1975; (Hg.), Der deutsche Bauernkrieg und Thomas Müntzer, Leipzig 1976; (Hg.), Hans Hergot und die Flugschrift „von der newen wandlung eines christlichen lebens“, Leipzig 1977; Die frühbürgerliche Revolution in Deutschland, Berlin 1985; Thomas Müntzers Weg nach Allstedt, Berlin 1988.

L  S. Hoyer, Max S. 60 Jahre, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 20/1972, S. 1020; ders., Max S. 65 Jahre, in: ebd. 25/1977, S. 1092f.; Auszeichnungen, in: ebd. 26/1978, S. 69; S. Hoyer (Hg.), Reform, Reformation, Revolution, Leipzig 1980, S. 281-288 (WV); ders., Max S. 70 Jahre, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 30/1982, S. 836f.; ders., Max S. 75 Jahre, in: ebd. 35/1987, S. 819f.; M. Werner, Identität und Geschichte, Bd. 1., Weimar 1997; Tradition - Brüche - Wandlungen. Die Universität Jena 1850-1995, hrsg. von der Senatskommission zur Aufarbeitung der Jenaer Universitätsgeschichte im 20. Jh., Köln 2009; L. Müller, Diktatur und Revolution. Reformation und Bauernkrieg in der Geschichtsschreibung des „Dritten Reiches“ und der DDR, Stuttgart 2001; H. Waibel, Diener vieler Herren, Frankfurt/Main 2011. – DBA III; W. Weber, Biographisches Lexikon zur Geschichtswissenschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Frankfurt/Main 21987, S. 575; G. Baumgartner/D. Helbig, Biographisches Handbuch der SBZ/DDR 1945-1990, Bd. 2, München 1996/97, S. 892; L. Mertens, Lexikon der DDR-Historiker, München 2006, S. 579f.; Professorenkatalog der Universität Leipzig, Online-Ausgabe: www.uni-leipzig.de/unigeschichte/professorenkatalog.



Siegfried Hoyer
29.1.2014


Empfohlene Zitierweise:

Siegfried Hoyer, Steinmetz, Max Zacharias, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.11.2017)

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