Eckert (seit 1934 Eckert-Greifendorff) Friedrich Eduard Max
Kartograf, Geograf
* 10.4.1868 Chemnitz 26.12.1938 Aachen Löbau(ev.)
VRobert (1838-1916), Ratswachtmeister, PolizeiinspektorMBertha, geb. Klähr (1848-1872)1897 Martha, geb. Schönbach (1874-1953)SFritz; Heinz WernherTIlse, verh. Hildebrand
GND: 115861319


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E., der sich seit 1934 nach dem Herkunftsort seines Großvaters (Greifendorf bei Roßwein) benannte, gehörte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Vertretern der sich entwickelnden jungen Wissenschaftsdisziplin Kartografie. Insbesondere mit seinem zweibändigen Werk „Die Kartenwissenschaft. Forschungen und Grundlagen zu einer Kartographie als Wissenschaft“ (1921/25) hat er wesentliche Grundlagen für die Entwicklung der wissenschaftlichen Kartografie gelegt, die dann nach 1950 entscheidend ausgebaut und konsolidiert werden konnten. – Seine Jugendjahre verlebte E. in Löbau. Nach dem Besuch der Realschule und nachfolgend des Königlichen Lehrerseminars war er kurzzeitig als Volksschullehrer tätig. 1892 begann er ein Studium der Geografie mit den Nebenfächern Geschichte, Germanistik und Volkswirtschaftslehre an der Universität Leipzig, das er 1895 mit der geomorphologischen Dissertation „Das Kartenproblem, die Geschichte seiner Lösung“ abschloss. 1895 bis 1899 war E. Assistent bei Friedrich Ratzel an der Universität Leipzig. Die immer stärkere Beschäftigung mit kartografischen Problemen, v.a. die ihm als Assistent obliegenden Übungen zur Kartografie, führte 1898 zur Herausgabe des „Neuen Methodischen Schulatlas“, der über 70 Auflagen erfuhr. 1900 bis 1903 wirkte E. als Oberlehrer in Leipzig und habilitierte sich 1903 wiederum mit einer geomorphologischen Arbeit („Das Gottesackerplateau. Ein Kartenfeld im Allgäu“), die jedoch schon deutliche kartografische Bezüge enthielt, an der Universität Kiel bei Otto Krümmel. In den Karten zur Habilitationschrift kam es erstmalig zur Anwendung der Punktmanier, die später von E. weiterentwickelt und 1921 am Beispiel des Vierwaldstätter Sees demonstriert wurde. Das Geographische Institut der Universität Kiel blieb auch in den folgenden drei Jahren E.s Wirkungsstätte, und zusammen mit Otto Krümmel gab er dort 1908 als Anleitung für die kartografischen Übungen das „Geographische Praktikum“ heraus. 1907 folgte er dem Ruf auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Kartographie und Wirtschaftsgeographie an der Technischen Hochschule Aachen. Diese beiden Fächer prägten seine wissenschaftliche Tätigkeit bis zur Emeritierung 1935 und darüber hinaus bis an sein Lebensende. Bereits 1907 setzte sich E. ausdrücklich für die Anerkennung der Kartografie als Wissenschaft ein, so u.a. mit seinem Vortrag auf dem Nürnberger Geographentag „Die wissenschaftliche Kartographie im Universitätsunterricht“ und seinem Aufsatz „Die Kartographie als Wissenschaft“ in der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. – Von seiner Tätigkeit als Hochschullehrer in Aachen wurde E. voll ausgefüllt. Neben Lehre und Forschung engagierte er sich bei der akademischen Selbstverwaltung, in studentischen Belangen sowie seit 1927 als Herausgeber der „Aachener Beiträge zur Heimatkunde“ im Heimat- bzw. Landschaftsschutz. Des Weiteren gründete E. 1907 die Ortsgruppe Aachen der Deutschen Kolonialgesellschaft, deren Vorsitzender er bis 1932 war, und gab 1912 den „Wirtschaftsatlas der deutschen Kolonien“ heraus. – Die Konstruktion von günstigen Kartennetzentwürfen (Kartenprojektionen) beschäftigte E. schon vor seiner Aachener Zeit. Bereits 1906 hatte er mehrere vermittelnde Erdkartennetze mit Pollinien von halber Äquatorlänge vorgeschlagen, und noch 1934 präsentierte er auf dem Internationalen Geographenkongress in Warschau einen neuartigen Netzentwurf. – Im Ersten Weltkrieg meldete sich E. 1914 mit 46 Jahren als Kriegsfreiwilliger und sammelte umfangreiche Erfahrungen auf dem Gebiet der Militärkartografie, die in verschiedenen Publikationen ihren Niederschlag fanden. Seit dieser Zeit hat er sich mit zunehmender Intensität für die Einrichtung eines kartografischen Forschungsinstituts eingesetzt. Insbesondere vom nationalsozialistischen Deutschland erhoffte er sich später die Realisierung seiner Pläne. – Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg fasste E. dann seine bisherigen Erfahrungen im akademischen Unterricht und seine Forschungsergebnisse, die stark von seinen Arbeiten in den großen deutschen und europäischen Kartensammlungen geprägt waren, in seinem Hauptwerk, der bereits erwähnten „Kartenwissenschaft“, zusammen. Band 1 wurde 1921 veröffentlicht, Band 2 folgte 1925, der geplante dritte Band, ein „genetischer Faksimile Atlas“ ist nicht erschienen. – Im letzten Lebensjahrzehnt entstanden weitere Arbeiten zur Theoretischen Kartographie, nicht zuletzt mit dem Ziel, dem erhofften Deutschen Kartographischen Forschungsinstitut näher zu kommen. Als 1937 in Leipzig die Deutsche Kartographische Gesellschaft gegründet worden war, übernahm E. 1938 den Forschungsausschuss für Wissenschaftliche Kartographie. – Das von seinem Sohn Fritz aus dem Nachlass herausgegebene Werk „Kartographie. Ihre Aufgaben und Bedeutung für die Kultur der Gegenwart“ ist stark subjektiv geprägt. Es fasst früher veröffentlichte Erkenntnisse, Ideen und Forderungen zusammen und entwickelt sie z.T. auch weiter, mitunter „ins Schwärmerische überhöht“ (U. Freitag, 1992). Dieses letzte Werk enthält nicht nur nationalistische Überspitzungen, sondern ist auch in weiten Teilen von der nationalsozialistischen Ideologie beeinflusst. – Die Bedeutung E.s, der über 200 Monografien, Lehrbücher, Aufsätze, Karten und Atlanten veröffentlichte, liegt in der umfangreichen und für die damalige Zeit einmaligen Stoffsammlung seines Hauptwerks „Die Kartenwissenschaft“. Dieses Handbuch wird, trotz der aus heutiger Sicht unglücklichen Vermischung von kartografischen und geografischen Problemstellungen, ein wichtiges Nachschlagewerk zur Geschichte der Kartografie, zur Kartenkunde und zur Entwicklung der kartografischen Begriffswelt bleiben. Hoch zu würdigen sind zugleich die bis ans Lebensende nicht nachlassenden Bemühungen E.s, der Kartografie zur Anerkennung als Wissenschaft zu verhelfen.



Q  Privatarchiv K.-H. Meine/W. G. Koch.

W  Das Kartenproblem, die Geschichte seiner Lösung, Diss. Leipzig 1895; Neuer Methodischer Schulatlas, Halle/Saale 1898, 751923; Das Gottesackerplateau. Ein Kartenfeld im Allgäu, Habil. Kiel 1903; Grundriß der Handelsgeographie, 2 Bde., Leipzig 1905, 31911; Die Kartographie als Wissenschaft, in: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin 1907, S. 539-555; mit O. Krümmel, Geographisches Praktikum, Leipzig 1908, 21931; Wirtschaftsatlas der deutschen Kolonien, Berlin 1912; Die Kartenwissenschaft. Forschungen und Grundlagen zu einer Kartographie als Wissenschaft, 2 Bde., Leipzig/Berlin1921/1925 (ND Bd. 1, Ann Arbor/London 1982); Meer und Weltwirtschaft, Berlin 1928; Stadtlandschaften der Erde, Hamburg 1930; Neues Lehrbuch der Geographie, 3 Bde., Berlin 1931-1935; Kartenkunde, Berlin/Leipzig 1936, Berlin 31950; Das Deutsche Kartographische Forschungsinstitut, Aachen 1938; Kartographie. Ihre Aufgaben und Bedeutung für die Kultur der Gegenwart, Berlin 1939; Cartografía, Mexico City 1961.

L  E. Heyer, Professor Dr. Max E.-Greifendorff, in: Aachener Beiträge zur Heimatkunde 12/1937, Nr. 18, S. 130-143 (WV); H. H. Meyer, Prof. Dr. Max E. †, in: Mitteilungen des Reichsamtes für Landesaufnahme 15/1939, S. 5-10; K.-H. Meine, Zum 100. Geburtstag von Max E., in: Kartographische Nachrichten 18/1968, S. 77-80 (P); R. Ogrissek, Studium, Promotion und Lehrtätigkeit Max E.s an der Universität Leipzig im 19. Jahrhundert, in: Internationales Jahrbuch für Kartographie 25/1985, S. 139-158; U. Freitag, Kartographische Konzeptionen, Berlin 1992; F. Hoffmann, Politik und Kartographie im Nationalsozialismus, Diplomarbeit TU Dresden 2002. – DBE 3, S. 12; NDB 4, S. 292; J. Bollmann/W. G. Koch (Hg.), Lexikon der Kartographie und Geomatik in zwei Bänden, Bd. 1, Heidelberg/Berlin 2001, S. 178f. (WV, Bildquelle).



Wolf Günther Koch
18.1.2010


Empfohlene Zitierweise:

Wolf Günther Koch, Eckert (seit 1934 Eckert-Greifendorff), Friedrich Eduard Max, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (21.8.2017)

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