Mylius (Myle) Martin (Martinus)
Dichter, Historiker, Theologe, Rektor des Görlitzer Gymnasiums Augustum
* 5.11.1542 Görlitz 27.7.1611 Görlitz(ev.)
VJohann (Mühl, Mühle), TuchmacherMAnna, geb. Schuppe (oder Schöpfin)1574 Anna, geb. Feuerbach, verw. Weider († 1617)SS Joachim (* † 1575, Zwilling); August (* † 1575, Zwilling); Ernestus (1580-1661); Martin II. (1584-1614), Hofmeister in HollandTAnna (1577-1580); Elisabeth (1578-1581); Aemilia (Emilia) (1582-1644); Anna (1585-1590); Elisabeth, verw. Ritter, verh. Richter (1589-1632)
GND: 124721346





M. war einer der bedeutendsten frühen Rektoren des Gymnasiums Augustum in Görlitz. Zudem war er ein zu seiner Zeit hochgeschätzter Lehrer, Dichter und Redner, der als poeta laureatus ausgezeichnet wurde, und ein ebenso begabter Philosoph und Historiker. – Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende M. besuchte die Görlitzer Stadtschule, schrieb sich zum Sommersemester 1563 an der Leipziger Universität ein und begann ab dem 17.11.1567 ein Studium in Wittenberg. Bereits am 10.9.1568 berief ihn der Rat der Stadt an das Gymnasium Augustum nach Görlitz. 1572 rückte er an die dritte Stelle innerhalb des Rektorenkollegiums, da Balthasar Walther - der diese Stelle innehatte - in den Ruhestand versetzt worden war. 1584 stieg er schließlich, nachdem Joachim Meister seinen Posten verlassen hatte, an die zweite Stelle, sodass er Prorektor unter dem angesehenen Schulmeister Laurentius Ludovicus wurde. Am 9.3.1574 erlangte er die Magisterwürde in Wittenberg. – Nachdem M. Ludovicus viele Jahre lang in seinem Amt begleitet und oft dessen Aufgaben erfüllt hatte, wurde M. am 6.6.1594 zum Rektor des Gymnasiums gewählt. Innerhalb und außerhalb Deutschlands war er von Seiten der Gelehrten hoch geschätzt, und er pflegte mit vielen von ihnen u.a. aus der Schweiz, Böhmen und Schlesien einen regen wissenschaftlichen Briefwechsel. Besonders hervorzuheben ist, dass M. Söhne schlesischer, böhmischer und polnischer Adliger unterrichtete. Zu nennen sind drei schlesische Barone von Maltzhahn, namentlich Joachim, Otto Heinrich und Johann Bernhard und die beiden böhmischen Barone von Smirziz, Albert Wenzelslaus und Albert Johann. Des Weiteren gehörten zu seinen Schülern der böhmische Baron Michael Slavata von Chlum und Kossum/Košumberka, der Bruder von Vilém Slavata, dem obersten Kanzler Kaiser Rudolfs II., Johann Zaruba von Hustirzan/Hustiřan und schließlich die polnischen Barone Johann und Franziscus Kilsky. – Unter M. wurde 1595 der erste beständige Fond, aus dem das Schulkollegium besoldet werden sollte, eingerichtet. Wie bereits bei seinen Vorgängern, so wurde die Schule auch unter ihm immer wieder mit dem Kryptocalvinismus in Verbindung gebracht und geriet dadurch in Verruf. Besonders Salomon Gesner polemisierte stark gegen ihn und die Schule. – 1601/1604 wurde M. schließlich von Paulus Melissus die höchste Auszeichnung, die einem Dichter zuteilwerden konnte, verliehen: die Dichterkrone mit dem damit verbundenen Titel poeta laureatus. Als Historiker sagte man ihm die Weiterführung der „Annales Gorlicenses“ nach, die vorher von Joachim Meister und nach M. von dessen Sohn Ernestus gefolgt von Gregor Richter weiter geschrieben wurden. Auch verfasste M. diese von 1131 bis 1651 reichenden Annales wohl nicht allein, sondern zusammen mit dem Pastor Gregor Richter und dessen Sohn Gottfried Richter. Des Weiteren setzte er die von Bartholomäus Scultetus angefangenen Genealogien fort. Nach 40 Jahren Schuldienst bat M. aufgrund seiner kränklichen Verfassung um Entlassung aus seinem Amt. Dies geschah am 8.3.1608.



Q  Ratsarchiv Görlitz, C. Schäffer, Genealogische Tabellen über Görlitzer Geschlechter, Varia 156, ders., Continuatio sive Pars Quinta Annalium Gorlicensium de Anno 1549 usq. ad Annum 1599, fol. 788f., Auszüge aus den Ratsprotokollen, Varia 133, 1563-1691, Görlitz 1773, fol. 29b; Die jüngere Matrikel der Universität Leipzig 1559-1809, hrsg. von G. Erler, Bd. 1, Leipzig 1909, S. 310.

W  Epistolae aliquot D. Martini Luteri, Görlitz 1579; Testimonia D. Martini Lutheri de socio laborum et periculorum suorum Philippo Melanchthone, Görlitz 1580; Narrationes historicae, Görlitz 1581; Chronologia scriptorum Philippi Melanchthonis, Görlitz 1582; Doctrina de periodis ex scholis Sturmianis, Görlitz 1588; Apophtegmata morientium, Görlitz 1592; Sterbenszkunst, Görlitz 1593 (ND 1596); Hortus philosophicus consitus in studio, Görlitz 1597; Miscella carmina, in: Laurea Apollinaris clarissimo, Görlitz 1601; Homo Philologus, Görlitz 1606.

L  S. Großer, Lausitzische Merckwürdigkeiten, Teil 2, Leipzig/Bautzen 1714, S. 120-123; C. G. Hoffmann (Hg.), Scriptores rerum lusaticarum, Leipzig/Bautzen 1719, S. 391; Jancke, Miscellen, in: Neues lausitzisches Magazin 18/1840, S. 303f.; A. Liebig, Programm, durch welches zur Feier des 300jährigen Jubiläums des städtischen evangelischen Gymnasiums zu Görlitz am 26. und 27. Juni 1865 geziemend einladen der Direktor und das Lehrerkollegium, Görlitz 1865, S. 48-53; P. Fritsch, Alte Görlitzer Geschlechter und die Wappen derselben nebst einem Verzeichnis aller bisherigen Bürgermeister von Görlitz, Görlitz 1892, S. 37; J. C. Mylius, Geschichte der Familien Mylius, Buttstädt 1895, S. 308f.; K. G. H. Berner, Schlesische Landsleute, Leipzig 1901, S. 18; R. Jecht (Hg.), Quellen zur Geschichte der Stadt Görlitz bis 1600, Görlitz 1909, S. 181f.; I. Arnold-Geierhos, Bildnis des Rektors Martin M. (1543-1611), in: J. Bahlcke/V. Dudeck (Hg.), Welt-Macht-Geist, Zittau 2002, S. 320f. (P). – DBA I; G. F. Otto, Lexikon der seit dem funfzehenden Jahrhunderte verstorbenen und jeztlebenden Oberlausizischen Schriftsteller und Künstler, Bd. 2/2, Görlitz 1803, S. 674-676, Supplementbd., Görlitz/Leipzig 1821, S. 297f.; J. C. Adelung/H. W. Rotermund, Fortsetzung und Ergänzungen zu Christian Gottlieb Jöchers allgemeinem Gelehrten-Lexikon, Bd. 5, Bremen 1816, S. 316.

P  Bildnis des Rektors Martin M., unbekannter Künstler, 1608, Ölgemälde auf Holz, Kulturhistorisches Museum Görlitz (Bildquelle).



Claudia Dietze
14.2.2018


Empfohlene Zitierweise:

Claudia Dietze, Mylius (Myle), Martin (Martinus), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.11.2018)

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