Gumprecht Martin
Hofprediger, Pfarrer
* 7.6.1597 Sprottau/Schlesien (poln. Szprotawa) 14.6.1679 Bautzen Bautzen, Taucherkirche(ev.)
VGeorge (1576/77-1650), Bürgermeister in Sprottau, Stadtrichter und Religionsamtsverwalter in AltendresdenMMaria, geb. Kloß; G Jeremias (1616-1660), Kaufmann, kursächsischer Hoffaktor 1.1620 Ursula, geb. Holfeld (1604-1633)SSamuel; Daniel; MartinTMaria († vor 1628); Rosina († 1631); Sabina († vor 1636) 2.1634 Clara, geb. Stollet (1614-1649), Tochter des sächsischen Oberhofjägers und Oberförsters Johannes StolletSHans Dietrich; Caspar Bernhardt (* † 1641); Hans Christoph (* 1649)TAnna Margaretha (1643-1644); Catharina Elisabeth, verh. Schlenckricht (1644-1667); Anna Maria (* † 1646); Clara Corona, verh. Crusius (1647-1678) 3.um 1650 Martha, geb. Biesenhauer (1619-1675)TSophia (1651-1654); Christiane Margaretha (* 1653); Anna Martha, verh. Strauß (1656-1683)
GND: 124662846

G. ist nicht nur als sächsischer Hofprediger sowie seiner fast vierzigjährigen Amtszeit als oberster lutherischer Pfarrer an der Bautzener St. Petruskirche von Bedeutung. Er steht auch exemplarisch für mehrere Hundert evangelische Geistliche, die aufgrund der Rekatholisierung in den habsburgischen Erblanden aus Böhmen und Schlesien nach Sachsen emigrierten und hier als Pfarrer wirkten. – G. entstammte einer angesehenen Sprottauer Bürgerfamilie. Sein Vater übte in der im schlesischen Herzogtum Glogau gelegenen Stadt u.a. elf Jahre lang das Amt des regierenden Bürgermeisters aus. Nach dem Besuch der Sprottauer Stadtschule wurde G. 1616 von seinem Vater an die Universität Wittenberg geschickt, um Philosophie und Theologie zu studieren. Anschließend schlug er eine geistliche Laufbahn ein und übernahm spätestens 1619 die Pfarrstelle im nur 10 km von seiner Heimatstadt entfernten Niederleschen (poln. Leszno Dolne). Bereits 1620 wechselte er als Diakon nach Sprottau, wo er 1628 im Zuge der habsburgischen Rekatholisierung ausgewiesen wurde. Wie auch seine Eltern und Großeltern musste er aufgrund seines lutherischen Bekenntnisses das Herzogtum Glogau verlassen. Im Gegensatz zu seinen Verwandten, die direkt nach Sachsen bzw. in die Oberlausitz emigrierten, ging G. im November 1628 zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kindern zunächst in das angrenzende, noch evangelisch gebliebene schlesische Herzogtum Liegnitz-Wohlau. Dort fand er 1628 bis 1631eine Anstellung als Substitut des Pfarrers in Thommendorf (poln. Tomisław). – Als sein Vater im Januar 1630 von Bischofswerda nach Dresden übersiedelte, folgte ihm spätestens im Mai 1631 auch G. nach. In der sächsischen Residenzstadt profitierte G. vom hohen Ansehen seines Vaters, der bereits 1631 in den Dresdner Rat aufgestiegen und später als Altendresdner Stadtrichter und Religionsamtsverwalter tätig war. Recht schnell gelang G. so der Zugang zu einflussreichen Dresdner Ratsfamilien, wo er wichtige Förderer fand. Als bedeutendste Person ist hier der sächsische Oberhofprediger Matthias Hoë von Hoënegg zu nennen, der immer wieder mit der Unterstützung geistlicher Glaubensflüchtlinge (Exulanten) hervortrat. Unter ausdrücklicher Berufung auf sein besonderes Schicksal als Exulant und durch die namhafte Unterstützung von Hoëneggs gelang G. innerhalb kürzester Zeit ein rasanter beruflicher Aufstieg. War er 1631 noch einfacher Substitut des Altendresdner Diakons Stephan Krüger, so wurde er bereits am 10.2.1632 zu dessen Nachfolger ernannt und stieg nur zwei Monate später am 7.4. zum Altendresdner Pfarrer auf. Im Mai 1635 erhielt G. dann sogar die Berufung zum Amt des Dritten Hofpredigers. In dieser Funktion begleitete er u.a. 1636 den sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. als Feldprediger auf dessen Kriegszug nach Magdeburg. Wiederum auf Empfehlung von Hoëneggs erhielt G. im Herbst 1640 das Oberpastorat an der Bautzener Simultankirche St. Petri, wo er am 1. Adventssonntag seine Antrittspredigt hielt. Als oberster lutherischer Pfarrer an der Bautzener Petruskirche prägte G. bis zu seinem Tod beinahe vier Jahrzehnte lang einen wichtigen Teil des kirchlichen Lebens in der Oberlausitz. Darüber hinaus verfasste er verschiedene religiöse Erbauungsschriften sowie eine Vielzahl von Leichenpredigten, darunter auch auf Kurfürst Johann Georg I. und dessen Gemahlin Magdalena Sibylla.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Geheimer Rat, Bergmannsche Exulantensammlung; Stadtarchiv Dresden, Ratsarchiv; Forschungsstelle für Personalschriften an der Philipps-Universität Marburg.

W  Biblisches Wercklein, 3 Bde., Dresden 1649-1652; Allerley geistliche Blumen, aus dem schönen und herrlichen Garten heiliger Schrift gesammlet, Dresden 1654 (P); Chur Sächs. Leid und Freud/Klag und Trost/Abgebildet ... Und Bey deß weiland ... Herrn Johann Georgens des I. ... offentlichen Trauer-Process … gehalten worden, Leichenpredigt, Dresden 1657; Geistlicher Palm- und Cedernbaum abgemahlet … und Bey der ... Frawen Magdalenen Sibyllen/Hertzogin zu Sachsen ... Trawerbegängnüs ... gehalten, Leichenpredigt, Bautzen 1659. – VD 17.

L  J. A. Gleich, Annales ecclesiastici, Teil 3, Dresden/Leipzig 1730 (WV, Bildquelle); O. Richter, Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Stadt Dresden, Bd. 1, Dresden 1885; F. Metasch, Exulanten in Dresden, Leipzig 2011 (P); ders., Für den Glauben auf die Straße, in: W. Müller/S. Steinberg (Hg.), Menschen unterwegs, Dresden 2011, S. 204-211 (P). – R. Grünberg, Sächsisches Pfarrerbuch, Bd. 1, Freiberg 1939/40, S. 128, 136f., Bd. 2/1, Freiberg 1940, S. 278.



Frank Metasch
29.4.2011


Empfohlene Zitierweise:

Frank Metasch, Gumprecht, Martin, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (26.4.2017)

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